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Geschichten, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs spielen, werden häufig mit taktischen Entscheidungsschlachten assoziiert. Selbige können jedoch auch im kleinen Rahmen stattfinden, wie der zweite Langfilm von Regisseur Michael Day zu veranschaulichen sucht.

Frühjahr 1944: Der verletzte US-Pilot Gene (Jake Abel) soll auf einer Farm in Massachusetts zum Spion für die OSS werden. Hierfür muss er nicht nur seine Verlobte Penny (Brianna Hildebrand) hintergehen, sondern auch deren Onkel Bob (John Cusack) und Tante Maude (Mira Sorvino) auf den Zahn fühlen. Oder hat sich mit dem Hilfsarbeiter und Einwanderer Viktor (Géza Röhrig) bereits ein Maulwurf gefunden?...

Ausschnitte aus Kriegstreiben finden sich lediglich zum Einstieg, als Gene im Gefecht zwei Kameraden zurücklassen muss und selbst am Bein verletzt wird, woraufhin er auf einen Gehstock angewiesen ist. Danach geht es alsbald auf die Farm, wo das Treiben einen leicht kammerspielartigen Charakter annimmt, zumal man es mit einer überschaubaren Figurenkonstellation zu tun hat.

Über Penny erfährt man nur von erfolgreichen Auslandseinsätzen als Spionin und während Gene bei Onkel und Tante einen guten Eindruck machen will, verhält sich der Hilfsarbeiter ebenso verdächtig wie zwei entfernte Nachbarn. Leider wird der titelgebende Nebel kaum als Metapher herangezogen, um mit Geheimnissen zu spielen oder das sprichwörtliche Stochern im Trüben zu verstärken. Hin und wieder gibt es leise Verdachtsmomente, jedoch auch einen „ermittelnden“ Gene, der sich zuweilen auffallend ungeschickt anstellt.

Hübsch gefilmte Landschaften, eine solide Kostümierung und passable Ausstattung als auch der okaye Score täuschen kaum darüber hinweg, wie wenig sich über weite Teile des Geschehens ereignet. Onkel und Tante verschwinden im Mittelteil fast gänzlich und es gibt schlicht zu wenig, woran Gene eventuelle Thesen für Spionage festmachen kann. Entsprechend mäandert das Treiben bis zum Finale nahezu spannungsfrei vor sich hin.

Erst hier kommt es zu einer Enthüllung, die hinsichtlich des überschaubaren Gefüges erahnbar ausfällt. Zwar ereignen sich am Strand noch kleine Auseinandersetzungen, doch nach wie vor ist man weit von einem Mitfiebern entfernt, was nicht zuletzt an der mangelnden Tiefe der Charaktere liegt. Überraschende Wendungen sind zumindest nicht zu erwarten, - stattdessen wirken etwaige Motivationen reichlich zusammenhanglos.

Wie etwa die Tatsache, dass Onkel Bob selbst im Haus niemals seinen Hut absetzt oder Penny derart drüber geschminkt ist, als würde sie gleich auf einem Opernball hofiert werden. Darstellerisch kann die Chose kaum gerettet werden und auch audio-visuell reicht die taugliche Grundlage nicht aus, um inhaltliche Defizite auch nur ansatzweise auszugleichen.
Dem Spionage-Thriller mangelt es bereits an einer griffigen Prämisse, die träge Erzählweise und ausbleibende Spannung geben ihm den Rest.
3,5 von 10


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