Mit „Kiss Kiss Bang Bang“ und „Iron Man 3“ konnte sich Shane Black rasch als Regisseur im Action-Genre etablieren. Doch bereits zuvor feierte er vergleichsweise stille Erfolge mit den Drehbüchern zur Reihe „Lethal Weapon“. Genau jene Art von Humor schimmert in seinem „Play Dirty“ immer wieder angenehm durch.
Meisterdieb Parker (Mark Wahlberg) und seine Crew sind bei einem Raub auf ein Wettbüro in eine Falle geraten. Die zwielichtige Zen (Rosa Salazar) erschießt alle Beteiligten und Parker überlebt nur knapp. Anstatt ein Opfer seiner Rache zu werden, gelingt es Zen, Parker zu einem weitaus größeren Coup zu involvieren, bei dem es um einen milliardenschweren Schatz geht…
Bereits in der ersten Viertelstunde macht Black keine halben Sachen, als es im Anschluss an den verpatzten Coup auf eine Pferderennbahn geht und das komplette Chaos losbricht. Hauptfigur Parker ist ein auf den ersten Blick emotionsloser Typ, der das Erschießen eines Gegners mit völliger Gleichgültigkeit ausübt und allenfalls mit einem lakonischen Kommentar versieht. Sein späterer Buddy Grofield (LaKeith Stanfield) ist demgegenüber eine starke Ergänzung, obgleich auch dieser zu zynischen Bemerkungen neigt.
Speziell in der Anfangsphase werden allerdings recht viele Figuren in einen Topf geworfen und bei einigen Nebenfiguren kann man sich nicht sicher sein, ob diese im Verlauf noch einmal von Relevanz sind. Während sich um den eigentlichen Raub eines versunkenen Schatzes noch mindestens zwei gegnerische Instanzen tummeln (New Yorker Mafia, Guerillas aus Südamerika), taumelt Parker nahezu pausenlos durch die Gegend und streift recht viele Stationen, bevor das finale Unterfangen etwas klarere Konturen annimmt. Folgerichtig schweift die Geschichte im Mittelteil manchmal etwas vom Fokus ab.
Dem gegenüber stehen einige Actionsequenzen, die bisweilen ins comichaft Groteske abdriften, - spätestens als eine Bahn entgleist und die Betroffenen die Wucht der Konsequenzen zu parieren haben. Es geht sprichwörtlich drunter und drüber und nur recht selten schimmern bei dem Getöse Bluescreen und CGI durch. Schließlich belässt es Black infolge einer Kettenreaktion nicht bei einem brennenden Fahrzeug, da müssen eventuell auch mal Dutzende dran glauben. Zudem hat sich der Macher sein Faible für weihnachtliche Szenarien bewahrt, was vor allem im finalen Akt zum Tragen kommt.
Während der Score von Routinier Alan Silvestri atmosphärische und stets treffende Töne liefert, punktet primär das Zusammenspiel der treffend besetzten Mimen. Selbst in kleinen Nebenrollen sind Leute wie Thomas Jane oder Gretchen Mol zu entdecken, während Tony Shalhoub einen latent aufgebrachten Bösewicht gibt, der ebenfalls Laune bereitet. Wahlberg bringt als unbekümmert dreinblickender Parker immerhin genügend Präsenz mit, wogegen Stanfield ein starkes Timing einfließen lässt. Nur Salazar vermag aus ihrer ohnehin eher schwach gezeichneten Figur nicht allzu viel herausholen.
Schließlich halten die rund 125 Minuten im Schnitt ganz ordentlich auf Trab, da Humor, Action und kleine Intermezzos eine ausgewogene Mischung ergeben. Storytechnisch ist zwar nicht allzu viel zu erwarten und die großen Überraschungen bleiben aus, doch die unbeschwerte Stimmung punktet ebenso wie der Dialogwitz und einige Situationskomik.
7,5 von 10