“Entstanden zu einer Zeit, wo Mel Columcille Gerard Gibson noch nicht als 'Aussätziger' von Hollywood und noch nicht als 'untragbar' und 'Kassengift' galt, Erfolge unterschiedlichen Genres wie Braveheart (1995), Kopfgeld – Einer wird bezahlen (1996), Fletcher’s Visionen (1997) und Lethal Weapon 4 (1998) gerade hinter sich, die Welt offen, alles lag ihm zu Knien, alles war möglich. Payback - Zahltag als Neo-Noir Action Thriller schien dabei schon etwas kleiner angelegt, hatte trotzdem ein Budget von sage und schreibe 90 Mio. USD, verursacht sicher auch durch die Unstimmigkeiten schon bei den Dreharbeiten und der Nachproduktion vor allem, eine Umarbeitung des Filmes, ausführliche Nachdrehs und eine grundsätzlich neue Ausrichtung, gemixt vom Zuschauer und von der Kritik aufgenommen, hat auch Geld, aber nicht genug für einen Break-Even-Punkt eingespielt.“
~ Einleitung zu Payback (1999)
“Parker, gedreht von Taylor Hackford und geschrieben von John J. McLaughlin, ist mitnichten eine weitere Variante von Payback (1999) oder Point Blank (1967), auch wenn dieses durchgehend den Anschein haben könnte, er ist eigenständig gehalten, er beruht auf einem der Parker – Romane, aber nicht auf "The Hunter", sondern auf "Flashfire", das eine 1962 veröffentlicht, das andere Buch tatsächlich fast vier Jahrzehnte später, 2000 nämlich, das eine das erste Auftreten der Figur, "Flashfire" ist Band 19. Der Film hatte ein geringfügiges Budget gerade im Vergleich zu dem von Brian Helgeland/Mel Gibson, nur ein Drittel davon etwa, er hatte auch ein geringfügiges Echo bei den Zuschauern, es war sowohl beim Kinostart als auch bei der Auswertung auf den Heimmedien eher ein Misserfolg beim Publikum, nicht ganz zu Unrecht, obwohl es seinen eigenen Reiz haben kann und eine Zweit- oder Mehrsichtung durchaus im Machbaren, durchaus möglich ist.“
~ Einleitung zu Parker (2013)
Nächster (erstmal willkommener) Franchiseversuch vom Wahlberg nach dem auch auf einem Streamingdienst, allerdings Netflix veröffentlichten Spenser Confidential (2020) und dem zuvor mit ursprünglich einer Fortsetzung angekündigten, darauf aber warten lassenden Mile 22 (2018); Wahlberg zu der damaligen Zeit sowieso einer der letzten im Kino das Actiongenre im Mid-Budget Bereich bedienenden Darsteller gewesen, neben dem älteren, auch 'preiswerteren' Liam Neeson, und Gerald Butler, welcher letzteres immer noch versucht und auch oft damit die Posing-Kür präsentiert. Wahlberg selber pendelt anders als seine beiden Kollegen auch vermehrt zwischen beiden Medien, die der großen Leinwand und die der kleinen Mattscheibe hin und her, bei Herzensprojekten wird wohl eher die Lichtspielstätte gesucht als bei den Actionkomödien, und den Actionthrillern, allerdings nicht immer, wenn man zuletzt an Flight Risk (2025) denkt, dort eine Drehbuchvorlage, hier bei Play Dirty ein ganzes Romankonvolut als inspirierendes Geschenk:
Die professionellen Diebe Parker [ Mark Wahlberg ] und Philly [ Thomas Jane ] führen einen Raubüberfall auf einer Rennbahn durch, werden aber anschließend durch die angeheuerte Zen [ Rosa Salazar ] verraten und um ihr Geld gebracht. Mit Hilfe seines Diebeskollegen Grofield [ LaKeith Stanfield ], der eine krisengeschüttelte Theatergruppe leitet, spürt Parker Zens Partner Reggie auf, der enthüllt, dass Zen in ihrem Heimatland Mitglied eines Todeskommandos war und bereits einen neuen Coup plant: Der korrupte Präsident ihres Landes, De La Paz [ Alejandro Edda ], hat ein Verbrechersyndikat, die von Lozini [ Tony Shalhoub ] geführte "The Outfit" beauftragt, Schätze aus einem Schiffswrack zu stehlen, das De La Paz bei den Vereinten Nationen ausstellen wird, um den eine Milliarde Dollar teuren Schatz selbst zu verkaufen.
Die Geschichten um Parker haben bekanntermaßen schon bei einigen Genrefavoriten Pate gestanden, bei dem gleichnamigen Titel mit Statham, bei Gibson und seinem Payback sowie Ende der Sechziger bei dem Highlight Point Blank (1967) sowie den etwas späteren Revolte in der Unterwelt a.ka. Ein Mann kennt keine Gnade (1973); bei den beiden 'Neuzugängen' kann man etwas um die Qualität der Übertragung von den Texten zu den laufenden Bildern streiten, bei dem Boorman – ("Das Geschick der Montage konzentriert sich auf eine einfache Rahmenstruktur, der Mehrwert entsteht in den hypnotischen Bildern, nicht in der Handlung. Die Bedeutung liegt im Visuellen, es wird mehr gezeigt als geredet, das Optische tritt an die Stelle der Erzählung. Das postmoderne Farbschema verleiht dem Film zusammen mit der Widescreen Panavision Fotografie einen kompletten Kontrast zu dem Licht und Schatten des klaustrophobischen Film Noir und setzt seinen Antihelden trotzdem innerhalb der verschlingenden Großstadt aus, aber ohne die Atmosphäre durch absichtlich dunkle Bilder hervorzuheben. Ein anderer Kontext entsteht.") – fällt dies schlecht, bei dem Flynn – ("Wo Boorman mit farbenprächtigem, breiten Panavison arbeitete, benutzt Flynn Metrocolor; was ebenfalls typisch für die 70er das Setting eher blässlich, ausgewaschen macht. Viel Grau in Grau, oder auch Braun in Braun; die Unterschiede dazwischen ahnt man nur. Selbst das Wenige an Buntem ist eher ausgebleicht; als wenn das Filmmaterial zulange in der Sonne gelegen hätte. Auch abseits dessen werden einfache, simple Bilder ohne Interpretationsmöglichkeiten geliefert. Flynn arbeitet wie auch in seiner späteren Filmografie wie ein Handwerker, nicht wie jemand mit erkennbarem Stil und eigenen Visionen.") – mit beiden Augen zugedrückt.
Wie die Nachhaltigkeit und die Resonanz insgesamt ist, wird sich im Zuge der Veröffentlichung herausstellen, der Zuspruch oder das Interesse des Publikums sollte durchaus gegeben sein, wie das Echo auf längere Sicht sich auswirkt, sieht man eben erst im Nachhinein. Eine sichere Grundlage hat man mit den Buchvorlagen, derer über zwei Dutzend mittlerweile zumindest, das ist schon die halbe Miete und das Pfund, mit dem man wuchern kann, zudem herrscht derzeit etwas Flaute an Hochkarätern oder Genrekost, möchte man meinen, gefühlt zumindest, auch dahingehend kann man irren.
Wahlberg selber ist für den Einen die Qual und buchstäblich 'Warnzeichen Gen-Killer", für den Anderen aber auch das As im Trump und eine verlässliche Natur; da spalten sich die Meinungen. Hier hängt die Handlung natürlich von ihm ab und umgekehrt, "Dieser Typ, der ist echt ein Problem." heißt es so zu Beginn, ein Hitzkopf, dabei geht es noch gar nicht um ihn, es geht um andere Gaunergenossen, er steht noch in der Ecke, "Ist ja nett. Mein richtiger Name ist Parker.", er geht etwas ins Licht, man kennt und erkennt ihn, auch im Film, zumindest den Namen und jetzt auch das Gesicht. Angsteinflößend ist der Gegenüber, erst großmäulig, dann nicht mehr; eine Klärung im Dilemma, die Tür öffnet sich, ein Raubzug am Laufen, die Prioritäten aber zuerst, das gemeinsam an einem Strang ziehen, das Zusammenraufen.
Viele Gefangene hat man gemacht, viele Geiseln, ein Spiel mit den Menschen wird gespielt, mit den eigenen Leuten und den fremden, in deren Mimiken und Gestiken gelesen, ein psychologisches Studieren, ein Beobachten und Wahrnehmen und Evaluieren, und Revaluieren. Mit-Komödiantisch wird das angelegt, als Crimethriller mit Scharmützeln und schwarzem Humor und Zynismus und Sarkasmus, ein Kopfschuss ungeplant, ein zweiter Toter, eine laute Schießerei, noch ohne Polizei. Eine erste buchstäblich schnelle Actionszene, ein Sprint Mensch gegen Fluchtauto, dazu Hindernisse und Gegenverkehr, teilweise flott umgesetzt und teilweise (aus Gründen: der Gefährdung von Mensch und Tier) mehr schlecht als recht getrickst, zusätzlich auch eine Brutalität, dazu eine Nettigkeit im Wesen, beides zusammen in einer Szene oder direkt hintereinander, ein zwiespältiges Wesen.
Interessant in der Geschichte ist vor allem der Vergleich mit Parker (und Blacks vorherigen Drehbuch-und Regiearbeiten), dort auch ein Überfall direkt zu Beginn, mit einer zusammengewürfelten Truppe, von denen sich manche, aber nicht jeder jeden etwa kennt, erste Komplikationen, die nicht eingeplant waren, erste Scharmützel, erste Aufregung. Amateure mit und gegen Profis, hier wie dort, "Offenbar ist heute jeder ein Arschloch.", geschossen wird bald wieder, hineingeritten in den Schlamassel, eine Verräterei, ein Intro nach Maß, dort Tradition und Moderne, auch überhaupt bei den Figuren hinter der Kamera, Kamera und Musik speziell sowie Regie natürlich und die Vorlage, dazu offensichtliche Referenzen und visuelle Hinweise. Bis in die Großstadt hat sich das Geschehen herumgesprochen, das Ereignis vom Wochenende, das dörfliche Inferno und die nachfolgende Aktion. "Oh gut, du bist wach.", viel Blut verloren, andauernd ohnmächtig geworden, "Ich bin noch beim letzten Job", ein Motel zum Auskurieren, viel Nacktheit auch, Parker mit Küsschen zum Abschied, eine Todesnachricht, ein diverses, ein offensives Streben, dreckig ist das Spiel, so der Titel, Wahlberg in seinem Modus, keine eigene Struktur außer seiner eigenen, die Rolle mehr zu seiner Persona gemacht als umgekehrt, er spielt sich selber oder das, was er sonst von sich zeigt, das ist passend, das war bei seinen Vorgängern genauso, gerade bei Gibson, aber auch Marvin und Statham eben.
Ab dem zweiten Fünftel wird eine neue Figur eingeführt, eine Art Partner, aus Jersey City angerufen, eine Hilfe geholt, "Wenn Du mich brauchst, ruf mich einfach an, bin sofort am Start.", eine Ernsthaftigkeit am Flöten, schon nach den ersten Minuten, es wird nachgefragt und nachgebohrt, sich Blechschäden zugelegt – auch schlecht getrickst, du meine Güte – , das Killerkommando mit den Schnellfeuergewehren herangekarrt bzw. deren Aufmerksamkeit auf sich gezogen, mitten auf offener Straße, einer Verkehrskreuzung in die Kollision und den Bleihagel, auch da noch ohne Einsatz der Polizei bzw. mit verspäteren Einsatzkräften, aber einer geheimen Ein-Mann-Armee hineingeraten.
An Aufwand selber geizt der Film dabei nicht, er ist offensichtlich gut gefüttert, spendabel finanziert, exklusiv für die Amazon/MGM - Studios gehalten, er hat seine Spendierhosen auch ausgiebig an, er macht seine narrativen Überraschungen, er erweitert inhaltlich seine Geschichte um jedes Kapitel, er öffnet und repliziert sich und potenziert sich, "Wir berauben die Räuber" das stete Motto, nur in der steten Vergrößerung; allerdings die vorherigen Ereignisse im Nachhinein recht olbsolet statt absolut machend, sie negierend statt integrierend und so durch Überfütterung und Unterfütterung gleichzeitig auch irgendwann (und das beizeiten) verlierend. Kleine Aufmerksamkeiten werden zwischendurch immer geboten, dazu mehrere ungewohnte Partnerschaften, ein sicheres Auftreten, "Parker-Style", mit Witz und Pointen, mit übertriebenen Szenen, wie als einzelne Sketche eingebunden, einige präsente Nebenrollen, die dargebotene 'Coolness', der Stoismus, die "verfickte Scheiße Hoch 12", eine ganze Welt am Durchdrehen, am Reizen und am Überreizen.
"Musst immer noch einen Draufsetzen.", "Drama ohne Zuschauer" - "Drama ohne Publikum?", eine Hälfte der Szenen funktionieren und die andere Hälfte eher nicht, so ist das durchgängig, eine typische Handschrift von Shane Black dabei durchaus zu erkennen, dass ist im heutigen Zeitalter bei der angestrebten Auswertung schon etwas Besonderes, kein durchgängiger Mainstream, auch mal Misognystisches, dann wieder längeres Gerede ("Fick die Henne, bis sie gackert."), einfach nur um sich selber gerne reden zu hören, dann wieder immer wahllos Menschen als Zielscheiben und Rückendeckung benutzt, was sich auch beizeiten von einer Art Running Gag zu vielem Egalsein, einer längeren aufgedreht-gewalttätigen Sitcom mit Effekten wie in der Comicwelt auflöst, später immerhin mit vorgezogener Weihnachtsstimmung, Merry Christmas.