Review

Play Dirty

An der Oberfläche typischer Vertreter aus der ganz eigenen Hard-Boiled-Schmiede des einstigen Autoren-Wunderkinds Shane Black. Der für Streaming-Produktionen charakteristische Reißbrett-Charakter bei Besetzung, Effekten und Zutatenmischung macht die Fallhöhe zu früheren Großtaten wie LETHAL WEAPON oder THE LAST BOYSCOUT aber sehr schnell sehr deutlich.

Was hat der Mann nicht alles im Autoren-Portfolio. Die Scripts zu LETHAL WEAPON (1987), THE LAST BOY SCOUT (1991), KISS KISS, BANG BANG (2005) gehören zur Creme de la Creme im Action-Thriller/Komödie-Segment. Seine Leidenschaft für Pulp und Hard-Boiled-Krimis ala Raymond Chandler strömt aus jeder Zeile seiner selbstreflexiven - und -ironischen Dialoge, die ebenso oft ins Schwarze treffen wie seine meist schießfreudigen Protagonisten. Trotz aller Komik gibt es immer wieder unvermittelte Gewaltspitzen, die Handlung und Figuren in ein anderes Licht rücken und Erwartungen unterlaufen. Seit den beiden Box Office-Enttäuschungen THE NICE GUYS (2016) und PREDATOR - UPGRADE (2018), bei denen er auch Regie führte, wurde es ruhig um Black. Sieben lange Jahre sollte es dauern, bis sich der Streaming-Gigant Amazon der Stärken des einstigen Autoren-Wunderkinds erinnerte und den Action-Thriller PLAY DIRTY in Auftrag gab.

Als Vorlage dienten die Parker-Romane von Donald E. Westlake (aka Richard Stark), die seit 1967 mit so unterschiedlichen Stars wie Lee Marvin (POINT BLANK), Mel Gibson (PAYBACK, 1999) und Jason Statham (PARKER, 2013) in der Titelrolle daher kamen. Parkers düstere, von Nihilismus und Rache geprägte Welt passt gut zu Blacks Hard-Boiled-Attitüde und auch die Besetzung mit Mark Wahlberg steht für lakonische Virilität und trockenen Humor. Auf dem Papier liest sich PLAY DIRTY also durchaus vielversprechend, das fertige Produkt kann aber nur bedingt überzeugen.

Vordergründig bedient Black seine bewährte Formel aus frotzelnden Kabbeleien, brutalen Shootouts und absurden Situationen. Aber anders als in LETHAL WEAPON, THE LAST BOY SCOUT, oder THE NICE GUYS fehlt es an einem dynamisch-charismatischen Duo, das die irrwitzigen Dialog- und Actioneinlagen stimmig verkaufen kann. Mark Wahlberg und Keegan-Michael Key liefern zwar die bewährte Mischung aus coolem Mann der Tat und und seinem deutlich emotionaleren sowie redseligerem Buddy, aber vergleicht man sie mit den Paarungen Mel Gibson / Danny Glover, Bruce Willis /Damon Wayans oder Russel Crowe /Ryan Gosling, dann dürfte der Qualitätsabfall selbst für Nichtkenner der jeweiligen Filme offensichtlich sein. Wahlberg agiert schlicht zu hölzern, um den zugegeben schwierigen Ton zwischen Selbstreflexion und brachialer Tatkraft zu treffen. Key wiederum bleibt ausschließlich an der witzelnden Oberfläche und verleiht seiner Figur keinerlei emotionale Tiefe. So gesehen ist es doppelt schade, dass Thomas Jane als Parkers Gangster-Kumpel Phil Webb noch vor der Bond-ähnlichem Credit-Sequenz aussortiert wird, ist er doch der Einzige im Cast, der mit Wahlberg im Sinne der Blackschen Formel harmoniert.

Bleiben noch Story und Action. Die eigentliche Handlung ist leider auch nicht dazu angetan, die figürlichen Schwächen zu übertünchen. Die Geschichte von einem gescheiterten Coup, der einen noch größeren nach sich zieht um sich an den Verrätern zu rächen, beackert nicht gerade Genre-Neuland. Auch der McGuffin Charakter des zu stehlenden Schatzes sowie die wechselnden Allianzen und Zweckgemeinschaften gehören zum üblichen Repertoire. Immerhin ist das Gezeigte leidlich unterhaltsam, da Parker und Kollegen von einem Chaos ins nächste stürzen und man sich nie sicher sein kann, wer das aktuelle Level übersteht. Denn bei allem Humor geht es erstaunlich brutal zur Sache. Das ist einerseits ein Fest für Freunde der gröberen Gangart, anderseits beißen sich die expliziten Brutalitäten vor allem in Form teilweise völlig unmotivierter Kopfschüsse immer wieder mit dem mitunter recht seichtem und harmlosen Humor.

Immerhin hat Black sein Händchen für turbulente Action-Szenen nicht verloren. Jeweils eskalierende Verfolgungsjagden auf einer Pferderennbahn und einem zum Entgleisen gebrachten Zug zeugen von kinetischem Einfallsreichtum. Leider sorgt auch hier eine typische Unart moderner Streaming-Produktionen für gedämpfte Freude. Die unschwer als solche zu erkennenden, mittelprächtigen Digital-Effekte rauben den gewitzten Choreographien ein uns andere Mal ihren Wow-Charakter und machen den Unterschied zu vergleichbaren Kino-Filmen schmerzlich deutlich.

Wer also Shane Black auf dem Höhepunkt seines Schaffens genießen will, muss sich weiterhin auf die oben erwähnten Klassiker beschränken. Für eine Einstiegsdroge in den Blackschen-Hard-Boiled-Kosmos ist PLAY DIRTY schlicht zu belanglos. Als reine Streaming-Ware allerdings durchaus genießbar, was viel über beide Welten aussagt.

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