Staubiges Juwel der Sandalenepoche ! - Die Wurzel des Caligula
Der verrückte Imperator Caligula und seine Tante Messalina führen einen sinnlosen Krieg gegen Grossbritannien, in dem sie den kämpferischen Glauces als Sklave nehmen und in der Arena als Gladiator kämpfen lassen, während seine Herzdame Eyna unter der Fittiche von Messalina steht. Glauces kämpft derart überlegen, sodass er zum unbesiegten Gladiator der Arenen wird. Als er jedoch Caligula tötet und Messalinas Mann zum neuen Caesaren ernannt wird, versucht die skrupellose Messalina mithilfe des jungen Briten das römische Kaiserreich zu übernehmen und selbst Imperator zu werden. Glauces muss sich der grausamen Machenschaften von Messalina beugen, der Liebe wegen. Doch wer wird am Ende wirklich siegen?
Bevor das italenische Kino seinen vorhersehbaren Niedergang Ende der 80er fand, dominierte in den 60ern gnadenlos das Genre der Western und der Sandalenfilme die Filmgeschichte und auch die Geschmäcker der Zuschauer. Das darunter auch viele billige Plagiate waren, die wie Pilze aus dem Boden schossen, (höchstwahrscheinlich ist diese Ausbeute die Spezialität der stiefelbewohnenden Filmemacher), sollte klar sein, doch allgemein war es jene Zeit, in der die Filme vorallem in ihrer Inszenierung nicht mit exzessiven Gewaltergüssen überzeugen mussten, sondern vielmehr eben erzählerisch wertvolle, aber vorallem kreativ und auch öfters budgetreiche Kostumfilme waren, die in ihrer Inszenierung durchweg routiniert, massentauglich und solide waren.
Dem teilweise hohen Budget sei dank, dass auch Umberto Lenzi Teil dieser Ära wurde, in der italenische Filme noch nicht dem schlechten Ruf des Selbstzweck ausgesetzt waren. Und somit ist auch "Der letzte der Gladiatoren" ein Film, jener Ära, in der so begnadete, aber dennoch unter Verruf stehende und tabubrechende Regisseure wie Lenzi, Glanzleistungen ablieferten.
Lenzi, am meisten bekannt wohl durch schockierende und heute immer noch auf dem Index verbannte Filme wie Lebendig gefressen oder Rache der Kannibalen, schuf hier einen Sandalenfilm, der nahezu schon so pompös und monumental ist, dass er fast schon mit Spartacus mithalten kann.
Und dabei sind die Anleihen zu eben erwähntem Meisterwerk fast schon identisch umgesetzt, mit der Grundstory des rebellischen Gladiatoren, der sich gegen ein ganzes Kaiserreich wehrt. Vordergründig geht es hierbei aber sicher um den Clinch des ruhmreichen und berüchtigten Caligula, ( der wenig später in einem Titelgebenden Film zum verstörenden, weltfremden Klassiker Caligula (1979) neben Die 120 Tage von Sodom avancierte) , und seiner hinterhältigen Widersacherin Messalina, die ohne jeden Skrupel, Scham oder Mitgefühl handelt.
Diese beiden Person Caligula und Messalina, vordergründig natürlich Messalina, sind in ihrer Charakteristik glaubhaft umgesetzt, das darstellerische Vermögen ist befriedigend und die Rolle als wahnhaftig besessene Machtsdame geht Messalina richtig gut rein. Doch auch Caligula als verrückter Imperator entfaltet sich in einem wahnwitzigen Schauspiel, auch wenn er bereits nach 35 Minuten das Zeitliche segnet.
Glauces als charmanter, starker und symphatischer Held, als rebellischer Sklave und unbesiegbarer Gladiator kann ebenfalls überzeugen, genauso wie eben jene Entwicklungen und Wendungen der Story. Geschichtliche Fakten hin oder her, ehrlich gesagt kenn ich mich da eh nicht aus, aber die Dramatik und Spannung lässt Lenzi ordentlich im Wechsel aus richtig gut choreographierten Kämpfen und Intrigen mit gut gewählten Dialogen verschmelzen.
Lenzi beweist ebenfalls Geschick und Talent für spannungsgeladene Kämpfe, seine Kamera ist dabei immer am Geschehen, die Schnitte sind temporeich und perfekt, Längen sind indes wenig zu verzeichnen und ohnehin ist es makellos und grossartig, wieviele Statisten in diesem mit bildschönen Kulissen versehene Abenteuer vorhanden sind.
Fast schon kollosal episch, was sich hier auf einer Bildfläche tut, von einem Regisseur, der 25 Jahre später mit Filmen wie Ghosthouse 1-4 oder Gates of Hell sein Gesamtwerk als einer der besten italenischen Regisseure ruinierte. Aber eben auch diese Filme waren massgeblich typisch für jene Zeit, in der der italienische Filme immer mehr im Ruin verschwand.
Fazit:
Typischer Sandalenfilm, der aufgrund seiner Regiherkunft extrem beachtlich wirkt. Gutes wendungsreiches Drehbuch, temporeiche Kämpfe, überzeugende Protagonisten, aufwändige Kulissen und grosse Schlachten. Was will man als Abenteuerfilmfan mehr? Ein unentdecktes Juwel der glorreichen 60er. Unbedingt antesten.
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