Review


Inhalt:

Japan, im Jahre 1543. Das Shogunat der Ashikaga in Kyoto ist schwach und nicht mehr Herr über das Land.
Seit 100 Jahren wütet ein Bürgerkrieg, in dem diverse Samurai-Clans um die Macht kämpfen. Jede dieser Familien versucht, ganz Japan unter ihre Kontrolle zu bekommen und zu vereinigen.

Der herrenlose Samurai Yamamoto Kansuke (Toshiro Mifune) ist ehrgeizig und ohne Skrupel.
Er rettet dem Samurai Itagaki Nobukata (Kanemon Nakamura) das Leben.
Itagaki ist ein Gefolgsmann des mächtigen Heerführers Takeda Shingen (Kinnosuke Nakamura), dem Herrscher der Provinz Kai.
Und so verschafft sich Kansuke Zugang zu diesem Feldherrn, und es gelingt ihm, das Vertrauen Takeda Shingens zu erlangen. Kansukes Stellung wird immer mächtiger, er übt immer mehr Einfluss auf Shingen aus, wird zu dessem wichtigsten Berater, redet ihm dabei nicht nach dem Mund, doch schätzt Shingen ihn daher, dass er eben kein beflissener Jasager ist.

Lord Suwa ist der Schwager Takeda Shingens, der dessen Schwester einst ehelichte.
Die Frau verstirbt, und Shingen übernimmt durch die List Kansukes das Herrschaftsgebiet Suwas, der schließlich getötet wird.
Kansuke arrangiert, dass Shingen die Tochter Suwas, die schöne Prinzessin Yu (Yoshiko Sakuma) als Neben-Frau ehelicht.
Die so wider- wie eigenwillige Prinzessin ist von schwierigem Charakter, und gibt sich nur verzweifelt ihrem Gatten hin.

Aus der (Neben-)Ehe geht Sohn Katsuyori hervor. Kansuke will für Katsuyori die Herrschaft über das ganze Land erringen, der Junge soll schließlich über ein geeintes Japan regieren.
Der Einfluss Kansukes wird immer größer, er kann Takeda Shingen sogar dazu überreden, in den Priester-Stand zu treten, was Kansuke faktisch eine zeitlang freie Hand ermöglicht.

Nachdem auch das Gebiet von Lord Murakami einverleibt wurde, ist Takeda Shingen neben Uesugi Kenshin der mächtigste Feldherr Japans.
In der Schlacht von Kanagawajima muss im Jahre 1566 die endgültige Entscheidung fallen.
Das Heer von Shingen und Kansuke ist zahlenmäßig überlegen, doch trifft Kansuke eine womöglich fatale Entscheidung.

Eine blutige Schlacht und ein dramatisches Schicksal nehmen ihren Lauf....


Kritik:

Im Jahre 1969 drehte Regisseur Hiroshi Inagaki diesen überaus epischen Jidai Geki (japanischer Historienfilm), als über zweistündiges Samurai-Spektakel.

Stark fotographiert, eine monumental-atmosphärische Bildsprache, der Kampf um die Vorherrschaft in Japan als bildgewaltiges Schlachtengemälde, altjapanische Landschaften und so authentische wie detailreiche Kulissen, Kostüme und Frisuren, eine bunt-üppige Ausstattung somit, sowie konzentrierte Darstellungen intensiv agierender Schauspieler:Innen, das charakterisiert Inagakis wuchtiges Samurai-Drama.

In all dem eine so gedehnte, wie aber auch sprunghafte Storyline -abgedeckt wird immerhin ein Zeitraum von 1543 bis 1566-, um einen ehrgeizigen einstigen Ronin, der zum Gefolgsmann eines immer mächtiger werdenden Feldherrn aufsteigt.
Sein Einfluss auf diesen wird immer größer, und wird für ihn wie seinen Herrn aber auch immer verhängnisvoller, da er den Bogen zu überspannen scheint.
Daraus speist sich die Melodramatik dieses opulent-monumentalen Films.
Längen bleiben da nicht aus, sie sind indes das einzige Manko neben einer gewissen Sprunghaftigkeit im Handlungsgeschehen.
Und so kann Inagakis Streifen denn den Betrachter fesseln, über 2 Stunden lang insgesamt spannend und spektakulär unterhalten.

Toshiro Mifune, der als bester japanischer Schauspieler galt, hat hier diese Rolle des einst herrenlosen Samurai, der ehrgeizig und oft Vabanque spielend, immer einflussreicher wird.
Nicht seinem Herrn nach dem Mund redend, sich von den beflissenen Jasagern im Umfeld seines Herrn somit abhebend, was dieser sehr zu schätzen weiß.

Doch spielt Mifunes Figur ihr eigenes Spiel, verkuppelt er doch eine Prinzessin als Neben-Frau für seinen Herrn, und deren gemeinsamer Sohn, soll als Herrscher -so der Wille der Figur Mifunes- über ein geeintes Land aufgebaut werden.

Mifune spielt das konzentriert und überzeugend, doch oft stoisch und mit wenig Mimik.
Dennoch kann sein Spiel natürlich gefallen.

Kinnosuke Nakamura als Takeda Shingen, als eben jener Herr der Figur Mifunes.
Auch er kann brillieren. Als eigenwilliger und somit eher unsteter Feldherr, der seinen Fürsten und Anführern anscheinend eher misstraut, baut er auf jenen "Kansuke", der eben nicht immer "Ja" zu allem sagt, und seinem Herrn auch mal widerspricht.
Mifune und Nakamura, gestandene Schauspieler, sind so in einem Wechselspiel, was darstellerisch den ganzen Film trägt und prägt.

Als Frau so irgendwie dazwischen: Yoshiko Sakuma, als so eigen- wie widerwillig-zickige Prinzessin, die als Spielball für den Feldherrn und dessen Berater dient, und darüber immer verzweifelt-fuchsiger wird.
Sie wird gegen ihren Willen verkuppelt, mit dem Mörder ihres Vaters, gebärt diesem einen Nachfolger, und wird dann abgeschoben.
Das ist natürlich eine überaus undankbare Rolle, die aber Sakuma so tapfer wie darstellerisch gekonnt meistert.

"Das Banner des Samurai" ist kein Chanbara (japanischer Schwertkampffilm) im eigentlichen Sinne.
Monumentale Schlachtengemälde mit Massen-Szenen, hunderten Samurai-Kriegern und -Reitern, stehen hier was die Kämpfe angeht, im Vordergrund.
Nach 80 Minuten kommt es zur ersten großen Schlacht, hunderte Komparsen im wild-tosenden Reiterspiel.
Doch kommt es auch zu einigen guten Action-Sequenzen, Kyudo-Pfeile treffen ihr Ziel, und eine fulminante Fight-Szene sucht ihresgleichen:
3 Samurai zu Fuß führen ein überdimensional-riesiges Katana am entsprechend überlangen Griff. Und fahren eine blutige Ernte ein, als sie sich mit dieser Super-Waffe durch die feindlichen Reihen fräsen, was gefällig-furios choreographiert wurde.
Unglaublich, die geilste Szene des ganzen Films.

Und schließlich die gewaltige Endschlacht, Takeda Shingens Streitmacht gegen die von Uesugi Kenshin, insgesamt über 20.000 Samurai.
Ein monumentales Schlachtengemälde und -szenario, an dessem Ende dann aber auch eine starke Action-Sequenz mit Mifune steht, der verzweifelt gegen sein blutiges Schicksal anfightet.
Das bildet den dramatischen Schlusspunkt, nach über 2 Stunden bildgewaltigem Samurai-Spektakel.

So ist denn "Das Banner des Samurai" -nicht ohne Längen und doch etwas sprunghaft im Ablauf- ein insgesamt spannender, monumental-opulenter Historienfilm über das alte Japan, die Samurai und den sie umgebenden Mythos, einen Feldherrn, dessem ehrgeizigen Berater, und dessem Streben nach eigener Macht, was aber auch der Notwendigkeit der Einheit des Landes zweckdienlich sein soll.
Ziemlich großes Kino mit Mifune und Nakamura!

8/10.

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