Review

Schwer zu sagen, was die Leute an "Poison Ivy" mehr fasziniert hat, Drew Barrymores nuttige Interpretation oder das Lolita-Thema an sich.
Dabei ist der Film an sich kaum von Bedeutung, inhaltlich ein eher fernsehkostkompatibles Stück Fatal-Soap, in der sich das verhuschte Töchterlein einer reichen Familie mit der ebensowenig angesehenen Schulschlampe anfreundelt. Die will natürlich nichts als eine Familie, hat den Daddy-Komplex, so daß es nur passend erscheint, das das Familienoberhaupt als Fernsehfuzzi sofort Schweiß auf der Stirn bekommt und sich in der Hose so manches regt. Mit dabei ist noch ein lungenkrankes Mütterlein, daß die Todessehnsucht plagt und ihren sehnlichsten Wunsch von der Beinahe-Adoptivtochter erfüllt bekommt, nämlich einen Hechtsprung aus dem Schlafzimmerfenster (ganz schön weit oben).

Der Film versuchts mit Ambivalenz, wenn Ivy "doch nur eine Familie sucht" oder mittels des Mordes den Wunsch der Mutter erfüllt (wenn auch nicht ganz mit deren Einverständnis), hat aber sonst keinerlei Bezüge zur Abbildung irgendeiner Realität. Da wird der Todesfall nicht untersucht, ein Autounfall mit deutlichen Indizien wird einfach mal so ignoriert und was der Daddy wirklich im Studio macht, bleibt auch ein Geheimnis. Katt Shea konzentriert sich auf das Vier- bzw. Dreiecksspiel und das funktioniert nicht so richtig, spekuliert der Film dann doch zu sehr auf die Reize der lolita-schlampen-haften Barrymore, die im roten Ledermini, Cowboystiefeln und Prachtdauerwelle durch den Film rauscht, als ginge es um die Besetzung für Pretty Woman 2. Warum Sara Gilberts Sylvie keine sonstigen Freunde hat, obwohl ihr Charakter gar nicht so befremdlich ist, bleibt ebenso ungeklärt, wie ihre Begeisterung für die neue "Schwester".

Wenn dann Skerritt die Barrymore tatsächlich recht heftig im Regen nimmt oder des Nächtens mit ihr eine Klaviernummer hinlegt, dann wird's gar albern, weil so ziemlich keine Figur sich hier noch einigermaßen nachvollziehbar verhält. Der Showdown, der keiner ist, wird dann zur Quadratur des Kreises und schließt mit einem Moral-Comment, den hier keiner braucht.

Ergo ist "Poison Ivy" nur halb so tödlich und hintertrieben, wie es uns der Titel glauben machen will, sondern lediglich ein auf Kinoformat aufgeblasenes Familiendrama, wie es unwahrscheinlicher nicht sein könnte. Wer jedoch auf Drews lange Beine und die übrigen Reize abfährt, kann sich hier den Instant-Orgasmus abholen. (4/10)

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