Review

"Come with me
And you'll be
In a world of
Pure imagination
Take a look
And you'll see
Into your imagination"

Nach der großartigen Neuadaption des Stoffes von Tim Burton war ich äußerst gespannt, was die Originalversion aus dem Jahre 1971 für mich bereithalten würde. Insgeheim rechnete ich mit einem bereits etwas angestaubten Kinderfilm, der der Neuverfilmung nicht das Wasser reichen könnte, doch dieser Gedanke erwies sich später als unangebracht. Wie ich kurz darauf herausfinden sollte, wird hier die exakt gleiche Geschichte erzählt, mit dem kleinen Unterschied, dass der Originalfilm ein Musikal ist. Hierbei handelt es sich im Übrigen um eine Buchverfilmung des gleichnamigen Romans von Roald Dahl.

Zwar konnte "Charlie und die Schokoladenfabrik" damals an den Kinokassen nicht ganz die erwarteten Summen einspielen, doch dafür kam dem Film im Nachhinein noch der verdiente Ruhm zu. In den folgenden Jahren fand der Streifen dann nämlich immer mehr Absatz und mauserte sich bis heute zu einem der beliebtesten Kinderfilme aller Zeiten.

"If you want to view paradise
Simply look around and view it
Anything you want to, do it
Want to change the world?
There's nothing
To it"

Was ich zu aller erst loben muss, ist die wunderschöne Musik im Film. Es wird viel gesungen, deshalb ist der Film nichts für Musikalhasser, doch wer sich darauf einlässt, wird mit traumhaften Texten und eingängigen Klängen belohnt werden. Selbstverständlich ist hier nicht permanent Musik zu hören, deshalb kann die Bezeichnung "Musikal" unter Umständen etwas irreleitend sein. Dennoch, ohne die wundervöllen Songs wäre "Charlie und die Schokoladenfabrik" einfach nicht das Selbe. Alleine schon "Pure Imagination", das von Gene Wilder gesungen wird, während die Besucher zum ersten Mal seine Fabrik betreten, rechtfertigt den Kauf. Dabei wären wir schon wieder an einem erwähnenswerten Punkt angelangt, denn die Lieder werden alle von den jeweiligen Darstellern persönlich vorgetragen.

Das Tempo des Films schreitet zuerst langsam voran, es dauert gute 45 Minuten, bis die Gewinner der fünf goldenen Tickets zusammen mit ihren Begleitpersonen Wonka's Fabrik betreten dürfen. Das jedoch heißt nicht, das zuvor gähnende Langeweile herrscht, im Gegenteil. Die Zeit wird sinnvoll genutzt, um die wichtigsten Charaktere vorzustellen, was auf eine überaus humorvolle Weise von statten geht. Während Charlie die Verkörperung des perfekten Kindes ist, gutherzig, wohlerzogen und artig, sind die vier anderen Gewinner scheußliche Plagegeister. Ihre größeren und kleineren Macken sind lustig dargestellt und verleihen jeder Figur eine eigene Persönlichkeit, so dass man auch im späteren Film noch einen guten Überblick über die verschiedenen Personen hat.

"There is no
Life I know
To compare with
Pure imagination
Living there
You'll be free
If you truly wish to be"

Obwohl die humorvolle, warmherzige und kindgerecht aufbearbeite Aufmachung der ersten Dreiviertelstunde durchaus Spaß macht, sind die Höhepunkte des Films natürlich die Momente in Willy Wonka's Schokoladenfabrik. Was man hier zu sehen bekommt, ist pures Eyecandy und lässt vergessen, dass man sich gerade einen Film aus dem Jahre 1971 ansieht. Die Szene, in der die Kinder das kunterbunte Schlaraffenland betreten gehört zum Bezauberndsten, was das Fantasygenre zu bieten hat. In einem riesigen Raum ergießt sich ein Wasserfall aus Schokolade, der in einem breiten Schokofluß mündet, wachsen hunderte verschiedene Sorten von Schokolade und anderen Süßigkeiten aus dem Boden und auf Bäumen und bieten einen Anblick aus tausend verschiedenen Farben, die zu einem großen, faszinierenden Ganzen verschmelzen. Auch die vielen anderen Räume, in die die Tour durch die Fabrik noch führt, laden zum Lachen und Träumen ein, insbesondere ein Raum voller Seifenblasen, in dem man, leicht wie ein Vogel, durch die Luft fliegen kann. Von der effekttechnischen Seite her betrachtet ist Wonka's Fabrik ein echtes Highlight und sieht auch heute noch sehr faszinierend aus.

Die Darsteller, allen voran Gene Wilder, spielen überragend. Allerdings kann ich nicht sagen, ob mir nun Wilder oder Johnny Depp in der Rolle des Winky Wolla besser gefallen hat, denn beide haben ihre Vorzüge. Während Depp seinen Wonka sehr viel verrückter rüberbringt, ist es bei Wilder sein tolles Lächeln und seine Gesangskünste, die einen sofort in ihren Bann ziehen.
Sowohl die Kinderdarsteller, als auch Jack Albertson als Charlie's Opa sind weitere gute Gründe, sich diesen Film schnellstmöglich anzusehen. Obwohl von den Kids damals keiner Schauspielerfahrung hatte und der Deutsche Michael Bollner noch nicht einmal Englisch sprach, bringen alle ihre Rollen fabelhaft rüber.




Ich habe es in meinem Review aus gutem Grund vermieden, andauernd vergleiche mit Tim Burton's Remake anzusetzen, denn es ist klar, dass Mel Stuart seinerzeit weitaus weniger Budget zur Verfügung stand. Das Überraschende ist jedoch, dass es bei einem direkten Vergleich weder Gewinner, noch Verlierer geben würde, denn beide Filme sind in ihrer Machart hervorragend. Der 71er - Charlie konnte mich dabei zu jeder einzelnen Sekunde verzaubern, womit ich im Voraus nicht gerechnet hätte. Was wir hier haben ist ein herzerwärmender, wundervoller und unterhaltsamer Film für Kinder & Erwachsene, an dem beide gleichermaßen ihren Spaß haben werden. Die grandiosen Effekte und die wunderschönen Lieder ziehen einfach jeden in ihren Bann, egal ob jung oder alt, und sind auch in 50 Jahren noch zeitlos. Ein absoluter Klassiker.

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