Fünf goldene Tickets hat der sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogene Schokoladenproduzent Willy Wonka versteckt. Wer solch ein Ticket in einem seiner Produkte findet, gewinnt nicht nur eine Führung durch seine Schokoladenfabrik, sondern auch einen lebenslangen Vorrat der süßen Köstlichkeit. So scheint die ganze Welt außer Rand und Band zu sein, um eine der begehrten Karten zu ergattern. Darunter auch der in ärmlichen Verhältnissen lebende Charlie Bucket.
Und auch vier andere Kinder, die letztlich mit ihm die Fabrik entern und mit dem merkwürdigen Willy Wonka Bekanntschaft machen. Die Kinder sind allesamt nervige Bratzen – mit Ausnahme von Charlie natürlich. Und so geschehen den Beteiligten während der Tour hier und da mal Missgeschicke.
Die auf dem Kinderbuch von Roald Dahl basierende Geschichte ist durchaus skurril und das Treiben in der Fabrik ist ein kunterbuntes, aber auch leicht verstörendes Erlebnis. Bis es dazu kommt vergeht allerdings einiges an Spielzeit. Charlie wird eingeführt, seine Familie vorgestellt, er lebt mit vier bettlägrigen Senioren und seiner Mutter in einer kleinen Hütte und verdient sich durch das Austragen von Zeitungen was dazu. Die ganze Situation mutet entrückt an, was sich auch durch den Rest zieht und für Dahls Werke nicht unüblich ist. Gleiches gilt für den teils angeschwärzten Humor, der hier und da aufblitzt. So sind manche Kommentare Wonkas charmant vorgetragene Bosheiten. Der von Mel Stuart inszenierte Film schaffte es dabei, diese locker zu verpacken, bietet aber auch eine gruselige Bootsfahrt und chargiert so stilistisch hin und her.
Im Gesamtbild wirkt das aber nicht störend, das Werk ist durchzogen von kauzigen Ideen. Seien es die Entsorgung mancher Tourteilnehmer oder auch die Räumlichkeiten in der Fabrik. Dazu kommen knallbunte Kulissen und die ebensolchen Sklaven, Pardon, Angestellten in Gestalt der Oompa Loompas. Manche Gesangsnummer brachte man auch unter, nicht alle bleiben im Ohr, dafür ist beispielsweise „Pure Imagination“ ein gelungener Song. Phantasie wird hier gefeiert, sie ist in diesem Szenario essentiell. Dies und manche Eigenschaft, die nicht viele der Besucher mitbringen.
Was Gene Wilder in der Rolle des Wonka in den Film mitbringt, ist dafür umso begrüßenswerter. Facettenreich zwischen charmant, neben der Spur und leicht irre agierend gibt es sich ebenso wenig greifbar wie das ganze Konstrukt, das hier durchlaufen wird. Und taucht er auch erst ab der Hälfte des Films auf, so gehört das Ganze Teil letztlich doch ihm. Charlie als Anlaufpunkt für das Publikum funktioniert überwiegend okay, Peter Ostrum ebenso. Die anderen Kinder, vom verfressenen Deutschen bis zur versnobbten Veruca Salt sind in ihren absichtlich nervigen Rollen durchaus passend. Laufende Klischees mit furchtbaren Eltern und die Dezimierung wird innerlich durchaus beklatscht. Allzu bösartig ist das aber nicht, die Atmosphäre atmet stets etwas Märchenhaftes, gepaart mit etwas Satire.
„If you're not greedy, you will go far.“ Ehrlich währt am Längsten, irgendeine Moral zieht das Ganze letztlich aus sich selbst. Die Verfilmung von Dahls Vorlage ist ein buntes, mit ein paar Songs angereichertes und szenenweise skurriles Märchen. Eigentümlich, überraschend und phantasievoll. Ist mir die Einleitung bis zur Fabrik auch zu lang, so darf man sich danach an den real gebauten Sets erfreuen, an Gene Wilder und manch gut geschriebener Zeile des Skripts.