Review

Störungen der Synthwellen

„Every Heavy Thing“ ist ein ziemlich brainfickender und bipolarer Ritt auf der Retrofuturismuswelle. Mal augenzwinkerndes Experiment, mal abgründiger Cyberthriller, mal reizender Fauxpas. Immer zwischen cool und cringe, zwischen anders und abgehoben, zwischen Kunst und Klischee. Wenn ein frauenmordender Killer eine karge (fiktionale) US-Großstadt unsicher macht und ihm unbedingt ein unauffälliger Anzeigenschalter einer Alternativzeitung in die Quere kommen musste bzw. Zeuge einer seiner Taten wird… 

Stranger Days Have Happened…

Einer dieser „Lass ihn erstmal über dich schwappen!“-Filme ist „Every Heavy Thing“ definitiv. Und auch einer, wo viele Zuschauer dann doch manchmal kurz davor sind etwas plump „Style over Substance!“ in den Kinosaal oder die Filmforen zu rufen. Aber ganz so einfach macht es diese Cyberchimäre einem dann doch nicht, so zumindest mein Eindruck. Zwischen Slasher und schwarzer Satire, zwischen dem Abgleiten der Realität und den Alpträumen der virtuellen Realität, zwischen Edgelord und elektronischem Edelschimmel. Der Soundtrack ist kaufenswert. Der Style ist beachtenswert. Die Gesichter sind frisch. Miss Crampton ist auch mit fast 70 (!) noch ein echter Hingucker, hat aber nur einen sehr kurzen Auftritt. Und die Vorbilder sind unübersehbar und werden teils charmant bis versiert zitiert, manchmal sogar weiterentwickelt oder auf die Spitze getrieben. Doch einige Themen und Storybeats kommen für mich dann doch nie ganz zusammen, um über die Hürde zur Empfehlung oder gar Genialität zu springen. Eher Special Interest. Eher Nische. Aber immerhin keine Stangenware. Und keiner, der allen gefallen will. Trotzdem bleibt ein Gefühl als ob hier noch mehr drin gewesen wäre… Viel mehr. 

Wovon träumen digitale Schafe und Wölfe?

Fazit: Abstraktes Augenzwinkern. Trantütige Tour-de-Force. Cooles Cyberlabyrinth. Neongetränktes Neo Noir-Nachtschattengewächs. Verwirrendes Voxelvexierspiel des Retrofuturismus'. Zwischen Lynch, Cronenberg, Theater-AG, Bildschirmschoner und „Big-Tech-Brainfuck“. Kein Langweiler - und doch irgendwie langweilig?! 

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