Review

Dritter Pandora-Ausflug von Blockbuster-Garant und Meisterregisseur James Cameron, der allerdings unter verblüffender Ideenarmut und erzählerischer wie dramaturgischer Redundanz leidet. Die erneut bahnbrechenden visuellen Effekte sowie kompetent inszenierten Actionszenen können diese Defizite nicht ausreichend kaschieren.

Als 2009 James Camerons erster Film nach 12 Jahren in die Kinos kam, setzte der TERMINATOR- und TITANIC-Macher zum dritten Mal Maßstäbe. Er revolutionierte die zur billigen Jahrmarktsattraktion verkommene 3D-Technik und das ebenfalls bereits recht betagte Motion-Capture-Verfahren zu einem immersiven Wow-Erlebnis, das ganz wesentlich für die erneute Thronbesteigung zum erfolgreichsten Film aller Zeiten verantwortlich zeigte. Beinahe noch erstaunlicher war, dass ein nochmals 13 Jahre später kommendes Sequel (AVATAR - THE WAY OF WATER) erneut über zwei Milliarden Dollar in die Kassen flutete, was Platz drei der besagten Liste bedeutete. Für den dritten Streich lies er sich nun weit weniger Zeit und die ganze (FIlm-)Welt wartet gespannt auf den ersten Dämpfer für den erfolgsverwöhnten Filmpionier.

Und tatsächlich stehen die Vorzeichen für AVATAR - FIRE AND ASH deutlich ungünstiger als beim Vorgänger. In diesmal nur 3 Jahren ist ein weiterer technischer Quantensprung kaum zu erwarten. Die künstliche Welt von Pandora, mit ihrer bis ins kleinste Detail ausgetüftelten Flora, Fauna und Topographie, ist nun aus beinahe 7 Filmstunden sattsam bekannt. Dramaturgisch und charakterlich hinkten überdies schon die ersten beiden Teile der der technischen Oberliga deutlich hinterher, in dem sie lediglich Disney-fizierte Pocahontas-Motive recycelten und diese mit allerlei Esoterik-Kitsch und Welteroberungs-Plattitüden anreicherten. Jim Camerons vollmundige Ankündigungen, er habe noch Ideen für 3-4 weitere Abenteuer in petto und die pandoranische Welt sei bei weitem noch nicht auserzählt, klingen zwar selbstbewusst, aber wenig überzeugend. Nur Cameron ist eben Cameron.

Und so sitzt man also gespannt im Kinosessel und wartet darauf, dass der Meisterregisseur mal wieder sämtliche Kritiker rund Nörgler Lügen straft. Man wartet, und wartet, und wartet. Nach 45 Minuten schaut man erstmals auf die Uhr und spätestens jetzt ist klar, es ist etwas faul im Staate Pandora. Zum Start befinden wir uns wieder an den Küsten der Wasserwelt Pandoras wieder, die zwar noch ein wenig fotorealistischer als beim ersten Sequel daher kommt, aber darüber hinaus nichts Neues zu bieten hat. Wieder bekommen wir die symbiotische Beziehung der Metkayina mit diversen Wassertieren erklärt und wieder erleben wir die Spannungen in der Sully-Familie, die zwischen der Trauer um ihren ältesten Sohn, Familienvater Jakes (Sam Worthington) exponierte und damit gefährliche Position als Na´vi-Anführer Toruk Makto sowie die Aufnahme eines Menschenjungen aufgerieben zu werden droht. Selbst die Nemesis unserer Protagonisten wie der gesamten nativen Pandora-Bevölkerung ist mit dem Avatar des verstorbenen Colonel Miles Quaritch (Stephen Lang) dieselbe wie zuvor. Dieser verfolgt zum allem Überfluss auch noch immer das sattsam bekannte Doppelziel der Vernichtung und Unterwerfung Pandoras sowie der Rache an seinem ehemaligen Marine-Untergebenen Jake Sully.

Kurzum, dramaturgisch und erzählerisch ist AVATAR - FIRE AND ASH damit kein Sequel, sondern vielmehr ein Remake des zweiten Teils. Und so sehen wir wieder über drei Stunden dabei zu, wie Quaritch Sully mitsamt seiner Familie aufspürt, jagt und bis aufs Messer bekämpft, lediglich unterbrochen von vorübergehender Gefangenschaft mit anschließender Flucht. Parallel dazu müssen sich die Na´vi zum dritten Mal der menschlichen Militär-Maschinerie erwehren, die mit einem riesigen Waffenarsenal gegen Pfeil und Bogen und fliegende Drachen antritt. Immerhin dürfen diesmal die walähnlichen Tulkune ihre pazifistische Grundhaltung ablegen und im martialischen Seekriegs-Revival kräftig mitmischen.

Cameron inszeniert diese bekannten Plotelemente immerhin gewohnt spektakulär und bombastisch, so dass der audiovisuelle Rausch die allgegenwärtige Redundanz ein ums andere Mal buchstäblich wegfegt. Leider gibt es aber auch eine Reihe ruhigerer Momente, bei denen das Repetitive die naive und banale Substanz der esoterischen Botschaften schonungslos offen legt. Cameron versäumt es hier, mit dem neu eingeführten Asche-Volk der Mangkwan gegen zu steuern. Die mit Brandpfeilen, Kamikaze-Angriffen und einer ebenso aggressiven wie machtlüsternen Anführerin (Oona Chaplin) auftrumpfenden Mangkwan sind lediglich eine weitere bösartige Bedrohung für Jake und die Na´vi, weder werden ihr spiritueller oder historischer Unterbau beleuchtet, noch die von ihnen bewohnte Gegend Pandoras für neue visuelle Reize genutzt. Überhaupt gibt es im neuen Film insgesamt weit mehr Dschungel- sowie (Unter-)Wasser- und Luftszenen, so dass der Untertitel „Fire and Ash“ zur Worthülse und Mogelpackung verkommt.

Bei so viel Redundanz und Recycling-DNA bleibt abzuwarten, ob Box-Office-Wunderknabe James Cameron zum x-ten Mal reüssiert und seinen Ruf als Kinomagier weiter zementiert. Der dritte Ausflug nach Pandora ist für seine Verhältnisse definitiv mehr Kaffee- als Achterbahnfahrt, zwar nicht was Action und technische Brillanz angeht, aber definitiv bezogen auf Ideenreichtum, Figurenentwicklung und dramaturgische Wucht. Camerons Ankündigung noch mindesten zwei weitere Male auf Pandora zurückkehren zu wollen, darf vor diesem Hintergrund als Drohung verstanden, oder noch schlimmer, mit einem Achselzucken quittiert werden.

Details
Ähnliche Filme