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Es war eher keine so gute Idee, den Trailer von THE MANDALORIAN AND GROGU im Werbeblock vor dem neuen AVATAR-Teil zu schalten. Denn der Teaser für die erste Kinoauswertung der Star Wars-Erfolgsserie verspricht ein spaßiges Weltraumabenteuer voller Action, liebenswerter Charaktere, handgemachter Puppentrickeffekte, mitreißend heroischer Musik und einer guten Portion selbstironischem Humor. All das hat AVATAR – FIRE AND ASH nicht. Im Gegenteil: Der nunmehr dritte Aufguss der schon im Original höchst dünnen Geschichte ist eine pompös-pathetische Weltraum-Seifenoper, ein aufgeblähtes Spektakel, das selbst in seiner eigentlichen Kernkompetenz, dem Spektakulären, maßlos enttäuscht. Doch dazu gleich mehr. 

Zunächst zur „Handlung“ (von einer Geschichte kann man hier gar nicht mehr sprechen): Es ist dieselbe wie in Teil zwei, lediglich mit minimal veränderten Vorzeichen. Auch in diesem Part der „AVATAR-Saga“ (hüstel) missbraucht Colonel Quaritch (Stephan Lang, seit seinem „Tod“ im ersten Teil auch ganz in blau) die kompletten militärischen Ressourcen der auf Pandora gelandeten „Sky People“ für seine persönlichen Rachegelüste, konkret, um Ex-Marine Jake Sully (Sam Worthington) und seine Familie (u. a. Zoe Saldaña) auszulöschen. 

Die einzige Neuerung, die sich Cameron und seine zahlreichen Co-Autoren haben einfallen lassen: Quaritchs Sohn „Spider“, der im letzten Teil von den Sullys mehr oder weniger adoptiert wurde, kann dank Naturvolkmagie plötzlich die Luft des Planeten atmen und wird so zum noch begehrteren Objekt der Begierde für Quaritch sowie das Wissenschaftlerteam von Parker Selfridge (Giovanni Ribisi, der sich mit seinen sichtbar uninteressierten Kurzauftritten hier wahrscheinlich ein äußerst hochwertiges Kameraequipment finanziert hat). Denn atmen ohne Maske würde die Eroberung des Planeten doch deutlich vereinfachen. 

In den ersten zwei Stunden geraten also sowohl Sully als auch Spider mehrfach in Gefangenschaft, befreien sich wieder und werden erneut festgenommen, so lange bis Cameron der Meinung ist, jetzt wäre dann doch mal die Zeit für den großen Showdown gekommen. Bei dem dürfen dann auch die „bösen“ Na’vi mitmischen, der „Mangkwan“ Clan, angeführt von Varang (Oona Chaplin), die gerne mit dem Feuer spielen und rot angemalt sind, damit man sie gleich als böse identifizieren kann. Die größte Errungenschaft unserer „Helden“ ist, dass sie es schaffen, das seit Anbeginn der Zeiten friedliebende Walvolk der Tulkun zum Kämpfen zu motivieren. Na herzlichen Glückwunsch! 

Man fragt sich schon, warum die Erstellung eines AVATAR Films so viel Zeit in Anspruch nimmt, wenn der Film doch im Grunde aussieht wie Outtakes aus dem vorigen Teil. Aber vermutlich geht es Cameron wie den Entwicklerteams von High Profile-Konsolenspielen wie GTA VI, deren Veröffentlichungsdatum regelmäßig verschoben werden muss, weil die Macher sich einfach in ihrem Perfektionismus in technischen Details verlieren, anstatt die Zuschauer mit einer interessanten Geschichte, spannender Action oder überraschenden Entwicklungen zu unterhalten. 

Apropos Technik: Die von Cameron bevorzugte Vorführvariante mischt die reguläre, Kinogängern vertraute Framerate von 24 fps (frames per second) mit der High Frame Rate (HFR) von 48 fps. Film(!)freunden ist von dieser Projektionsform jedoch dringend abzuraten: Die Actionszenen wirken durch die extreme Schärfe exakt wie Sequenzen aus einem Videospiel. Ein Vorwurf, den man Effektfilmen gerne macht, hier trifft er zu, wie noch nie. Die Dialogszenen hingegen, die ebenfalls ab und zu in HFR gezeigt werden, wirken Ausschnitte aus dem ZDF Fernsehspiel (wer kennt es noch?) oder einer Schlumpf-Telenovela, womit der Film zumindest vom inhaltlichen Niveau her authentisch bei sich selbst bleibt. James Cameron sagt dazu in einem Variety-Interview: „We’re using HFR to improve the 3D where we want a heightened sense of presence, such as underwater or in some of the flying scenes. For shots of just people standing around talking, HFR works against us because it creates a kind of a hyper realism in scenes that are more mundane, more normal.“ D‘oh, warum macht Ihr es dann? Das ständige Hin und Her zwischen den Framerates und die absolut uncineastische Visualität machen jedenfall selbst die am eindrucksvollsten programmierten 3D-Actionsequenzen zu durchschnittlichen Cutscenes, die einen niemals wirklich emotional involvieren. 

Apropos Gaming: Das Avatar-Spiel „Frontiers of Pandora“ von 2024 war zwar ein recht schamloser Klon des „Horizon“ Franchises, aber es machte mit seinen hunderten Stunden Spielzeit deutlich mehr Spaß als die knapp dreieinhalb Stunden dieses Films.

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