Die beiden ersten Romane von Richard Matheson dürften Fans des Sci-Fi-Genres durchaus ein Begriff sein: 1954 erschien der bereits mehrfach verfilmte „I Am Legend“ und 1956 folgte „The Shrinking Man“, der gleich ein Jahr später von Jack Arnold umgesetzt wurde. Vorliegendes Remake ist das erste, welches sich nach der Arnold-Verfilmung recht nah an der literarischen Vorlage orientiert.
Bootsbauer Paul (Jean Dujardin) führt eigentlich ein recht beschauliches Leben mit Frau und Tochter in einem kleinen Strandhaus. Doch eines Tages bemerkt er, dass ihm die Kleidung zu groß ist und er kleiner wird. Anschließende medizinische Untersuchungen bleiben ohne Befund und so schrumpft Paul immer weiter, bis er nach der Attacke der Hauskatze im Keller landet und nur noch wenige Zentimeter groß ist…
Arnold prägte das Sci-Fi – und Horrorgenre der 50er wie kaum ein anderer und auch die dazugehörige Tricktechnik mit großen Bauten, überdimensionalen Requisiten und überblendeten Bildebenen galten trotz simpler Mittel als revolutionär. Umso höher sind die Erwartungen an Regisseur Jan Kounen, mithilfe digitaler Technik ganz neue Dimensionen veränderter Größenordnungen zu schaffen.
Bis dies eintritt, lässt er sich jedoch angemessen Zeit und etabliert eine zuweilen leicht melancholische Atmosphäre. Dazu trägt auch das voice over von Paul bei, dessen Ausführungen oft ins Philosophische abdriften und die Bedeutung des einzelnen Individuums im Vergleich zum endlosen Kosmos hervorheben. Die ersten Effekte kommen indes erst nach eine halben Stunde zur Geltung, als Paul im Sessel sitzend nicht mehr mit den Füßen an den Boden kommt und kurz darauf in einer beinahe schon rührenden Szene im Puppenhaus seiner Tochter für selbige eine lustige Show anzettelt.
Mit dem Sturz in den Keller wird der Stoff zur One-Man-Show umfunktioniert und wer sich an das Original erinnert, dem kommen direkt einige Stichworte in den Sinn: Nähnadel, Kellerfenster und vor allem eine Spinne. Auf letztere trifft Paul einige Male, wobei er bis zur Konfrontation auffallend lange wartet, zumal er ja weiter schrumpft. Dazwischen muss man sich allerdings auch irgendwie ernähren und auch mal eine Runde schwimmen gehen, wobei sich nicht so recht erschließt, warum ein kleines Aquarium mit nur einem Fisch vergessen im Keller steht.
Die Umsetzung der veränderten Dimensionen ist zwar über weite Teile gelungen und einige effektive Kameraperspektiven unterstreichen den Wandel durchaus eindrucksvoll, doch nicht alle Zutaten überzeugen. Speziell einige Ameisen am Rande sehen deutlich zu glatt aus, die Größenverhältnisse zur Kellertreppe stimmen nicht immer und die Details der Spinne werden erst bei einer finalen Konfrontationen überzeugend herausgearbeitet. Zudem mangelt es im letzten Drittel merklich an Abwechslung, denn bis auf eine riskante Kletterei finden sich hier kaum ernsthafte Bedrohungen.
Indes wird die philosophische Note in den letzten Minuten quasi mit kosmischen Mitteln erzeugt: Man sieht ausschließlich den Wandel einiger Sternbilder, immerhin untermalt von den größtenteils stark komponierten und arrangierten Klängen von Alexandre Desplat. Da mag man bezüglich Mensch und Mikrokosmos eventuell ein wenig hinein interpretieren.
Ein wenig mehr Spannung und Dramatik hätte man der Neuverfilmung durchaus gewünscht. Auch ein wenig mehr Action (im Original spielte das Element Wasser noch eine Rolle) wäre durchaus drin gewesen. Performt wird die Chose okay, die Atmosphäre ist oft stimmig und doch bleibt der Eindruck bestehen, dass der Stoff hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.
6 von 10