Französische Weintrauben des Todes
Wenn sich europäische Regisseure an Zombiefilmen versuchen ist das Motiv für die Seuche oftmals natürlicher und wissenschaftlicher Herkunft, um dann dennoch wo einen kritischen, wenn auch immer, irgendwo nebensächlichen, fast schon belanglos hanebüchenen Weg einzuschlagen, geht dort, solch vermeintlich tiefgründliche Kritik abseits der Horrorelemente, verloren. Doch die gefangenen Frauen in der Foltermühle haben ein Problem, denn erstens gibts hier keine Foltermühle, keine geschändeten Frauen und auch keine Zombies im ursprünglichen Sinne, wie der Alternativtitel wie Pestizide - Zombies geschändete Frauen vermuten lassen könnten.
Doch mit Pestizide im Titel, sofern man denn die aussagekräftigste und weniger fehlleitende Fassung namens Pestizide - Grapes of death ergattert, geht dieser französische Streifen wohl die richtigste Richtung, steht hier im Fokus, das allein macht schon die Anfangssequenz deutlich, das Aufbringen chemischer Substanzen gegen Insektenbefall bei Weintrauben, die die Menschen scheinbar willenlos und inhuman werden lassen.
Grapes of death, gedreht in einer Zeit, als vorallem in der Agrarwirtschaft die Revolution der Gewinnmaximierung und besseren Ertragreichtum drohte, sahen viele, achso naturbelassene Menschen solches Mittel als gefährlich und schädlich an, soweit also die Motivation und Hintergrund, der solcher, im ähnlichen Zusammenhang auch vorallem in Leichenhaus der lebenden Toten (1973) mit den radioaktiven Wellen gegen Insektenbefall und Schädlinge an Gemüse etc. dargelegt wurde. Das mag für viele, vorallem aus heutiger Sicht durchaus oberste Grütze sein und wahrlich ein Fall für Trash, doch reichte das aus, um den Horror wirken zu lassen.
Doch der eigentliche Horror beginnt, als eine junge Frau namens Elizabeth, wahrlich hübsch anzusehen und wunderschön in ihrer optischen Präsens, auf ihre Art auch debil zerbrechlich und symphatisch zugleich für den Beschützerinstinktweckenden Mann, im Zug mit dem Wahnsinn höchstpersönlich konfrontiert wird, gesellt sich ein stummer Mann mit finstrem Blick in ihr Abteil, um dann von Zeit zu Zeit immer mehr eitrige Körperflüssigkeit zu verlieren. Von dort an ist Elizabeth auf der Flucht, denn allein mit einem Irren und ihrer toten Freundin, die er zuvor umbrachte, muss man nicht sein.
Schon dort bemerkt man den wesentlichen Charakter des Filmes, denn Grapes of death ist ein nur allzu träger und ruhiger Film geworden, denn allein diese Sequenz ist nicht gerade gefüllt mit Dialog, im Gegenzug bringt Jean Rollin, so der Regisseur dieses Filmes, diese Mohnotonie und Leisigkeit dieses Filmes mit den fast schon wunderschönen Bilderkompositionen der französischen Berglandschaften mit Ruinen und zerfallenen Dörfern in Einklang, dass dies dem schundigen Titel absolut nicht gerecht wird. Das Ganze ist dabei fast schon so ruhig und statisch abgefilmt, dass diese Trägheit hypnotisch auf ihre Weise wirkt. Ein Unterfangen, dass anöden könnte, oder doch begeistert, kann man sich an den herrlichen Landschaften, der wunderschönen, flüchtenden Frau auf der Suche nach dem Dorf ihres Mannes und den alten, zerfallenen Burgen und Bauten nicht sattsehen.
Zombiekonfrontation gibts reichlich früh, auch wenn dahinter bloss die emotionslose, nahezu kalte Fassade einer tickenden Zeitbombe steckt, die auf Erlösung wartet. Der Wein hat sie zu kalten Monstern gemacht und die Lage der Frau, die sich in einem Haus nach Rettung sehnt, wird tunlichst verschlimmert, muss sie doch einen Mord mit einer Mistgabel an der Tochter des infizierten Mannes ansehen. Grapes of death geht dabei nicht zimperlich vor, sondern glotzt dabei ordentlich, wobei es dann Effekte sind, die wir anders nicht erwartet hätten. Splatter ist das kaum, auch wenn eine spätere, sogar berüchtigte Szene zur Überraschung führt, wird eine blinde Frau, mit später sehr tragender Rolle, an der Tür festgenagelt enthauptet.
Allein die Szenerie dieser Szenen ist herrlich atmosphärisch, fängt Rollin das Düster der Nacht in diesem herrlich altem Dorf so magisch ein, dass das Fans von Gothicstreifen und aber vorallem Fans von Ein Zombie hing am Glockenseil und älteren 70er Jahre Schockern gefallen könnte. Die Symphatie gegenüber der Frau steigen an auf ein Maximum, sieht sie sich in der Mitte ihrer Etappe in einem ausgestorbenen Dorf wider, in dem zigfach Leichen rumliegen und ihr Ausweg gar auf Minimum getrübt zu sein scheint. Es scheint, als wären jene Dörfer der Weingutebene ausgestorben, infiziert oder tot. Doch wenn die Wahnsinnigen aus ihren Ecken emporklimmen und nach Rache dürsten, darfs ruhig mal düster - böse zugange gehen, sodass der letzte Wille des Zuschauers mit einigen Schusswechseln begeistern kann.
Dialog gibts bisweilen eher selten und karg, und auch die Charakterzeichnung tappt auf dem Minimum, doch dennoch, und auch beim Ignorieren der fehlenden Zombies, denn es sind ja bloss vom vergifteten Wein in den Wahnsinn getriebende Leute, kann Grapes of death durchweg unterhalten, wird selten öde und hat einen Charme, denn man selten beschreiben kann, bzw. übt jene Faszination aus, die nicht in Worte zu fassen ist. Kein Film mit innovativer Geschichte, kein Film mit herausragenden Darstellern und Hintergrund, aber ein Film, der im Bereich seines Daseins alles richtig macht und fesselt - auf seine eigene Art.
Fazit:
Ruhiger, absolut stimmiger, nahezu hypnotisch träger "Zombie"streifen, der allenfalls 70er Schundfans, Psychodelikern und griesgrämigen Ökofuzzis gefallen könnte. Für die neue Generation Horrorfans ist das wahrlich nichts, für den geneigten Fan, der typisches Zombiegeschmodder erwartet, schon gar nicht. Ein Film, der nicht genau weiss was er will, seine kritische Botschaft in keinen Belangen ausführen kann, aber dennoch irgendwie begeistert, vorausgesetzt man steht auf solch lahmen Sleaze mit Billigeffekten. In die Protagonistin wird man sich ohnehin verlieben.
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