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Ex-Ranger Cameron Poe tötet in Notwehr einen besoffenen Deppen aus einer Bar, als der ihn und seine schwangere Frau bedroht. Das reicht für ein paar Jahre Knast, doch irgendwann sind auch diese rum und er kommt auf Bewährung raus. Doch der Weg dahin verläuft nicht wie geplant, der staatliche Transport per Luft wird nach kurzer Zeit von den kriminellen Insassen gekapert.

Was die Figuren angeht, regiert die Eindimensionalität. Sie sind funktional, passen in Schubladen, einfach zu greifen. Nicholas Cage mimt nach „The Rock“ (1996) wieder den Actionhelden, sein Cameron Poe ist als Figur aber recht langweilig. Immer heroisch unterwegs, quasi unkaputtbar und in (fast) jeder Situation souverän, ohne Ecken und Kanten. Einfach ein toller Kerl, der seiner Tochter aus dem Knast schreibt und sogar dort ein kleines Ami-Fähnchen hat.
Da muss der Rest was auffangen, sowohl auf Seiten der Protagonisten in Form von John Cusack als auch in Person des Schurken Cyrus, verkörpert von John Malkovich. Der nimmt diese Rolle gerne an und macht das Beste draus. Neben ihm haben sich weitere bekannte Gesichter wie Danny Trejo, Ving Rhames, Dave Chapelle und der famose Steve Buscemi auf die Seite der Antagonisten verirrt. Letzterer sticht zwar als Garland Greene aus dem Pulk heraus, seine Sequenz mit dem Mädel wirkt aber wie ein Fremdkörper, tonal dem lockeren Spektakel diametral - trotz Auflösung.

Auf emotionaler Ebene fliegt man hier untermotorisiert. Wenn mal zwischendurch kurz das Drama bedient werden muss, gibt’s den Schmalz im Sonderangebot. Da kommen die Tränen in Sekunden, alles auf den Punkt getrimmt, damit man wieder zum Herrenausflug schalten kann. Das kann man „Con Air“ allerdings ebenso wenig vorwerfen wie die comichaften Bösewichter, von denen manche eine kurze Exposition erhalten.
Es hilft einfach, dass sich der Film nicht so ganz ernst nimmt. Humor ist durchaus vorhanden, ebenso wie ein gewisser Zynismus, doch er unterminiert damit nicht sein Szenario. Letztlich ist das hier doch einfach temporeiches und schnörkelloses 90er-Actionkino.

Und wenn es kracht, dann auch gekonnt. Da kann man schon nostalgisch werden, denn das sieht immer noch besser aus als moderne CGI-Feste. Der Showdown (und der danach) sind dann nochmal drüber und man möchte fast meinen, Poe will seine Familie einfach nicht wiedersehen, bis er nicht noch eine und noch eine Heldentat verrichtet hat. Der hat schon Prioritäten.
Unterlegt wird dies mit generisch-rockiger Musik, passend zum flott vorangetriebenen Geschehen auf der Leinwand.

Das Tempo ist hoch, der Actionanteil ebenso und daher ist Simon Wests (Film-)Regiedebüt eine durchaus unterhaltsame Angelegenheit. Trotzdem kann das feurige Szenario und die gelungene Besetzung nicht über seine Simplizität hinwegtäuschen und dass nicht alles gut konstruiert ist. Unterm Strich überwiegt aber der freudige Krawall, alleine schon wegen der Handarbeit.

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