Review

Ein guter Science Fiction-Film denkt die Realität einen entscheidenden Schritt weiter und zeigt uns so eine oftmals dystopische Projektion unserer Gegenwart. Gore Verbinskis Film zeigt uns im Grunde nur unsere Gegenwart – und übertreibt dabei lediglich minimal. 

Teenager als ferngesteuerte Smartphone-Zombies, High School-Shootings als Geschäftsmodell, Wifi-Allergie als neues Krankheitsbild und ungenaue KI-Prompts mit tödlichen Konsequenzen – kaum ein SciFi-Film war bisher so nah an den Themen unseres IT-fokussierten Alltags wie dieser. Lediglich die Streamingserie BLACK MIRROR legte den Finger ähnlich treffend in die USB-Port-große Wunde. Weshalb einige der hier gezeigten Backstories wie Episoden daraus erscheinen. 

Doch der Reihe nach, beginnen wir in der Zukunft: Von dort stammt mutmaßlich Sam Rockwells Charakter, optisch eine Mischung aus Bruce Willis’ Zeitreisendem in 12 MONKEYS, Doomsday-Prepper und Obdachlosem. Der „Man from the Future“ platzt in ein Fast Food-Diner, um ein Einsatzteam zur Rettung der Welt zu rekrutieren. Zum 117. Mal. Da die 116 Versuche zuvor offenbar nicht geglückt waren, ein wenig attraktives Angebot. Doch es findet sich tatsächlich ein Grüppchen, das sich dem Verrückten anschließt (u. a. Juno Temple, Michael Peña, Zazie Beetz und Haley Lu Richardson). Ihr Ziel: einen Neunjährigen zu stoppen, der in dieser Nacht eine Künstliche Intelligenz erschafft, die wenig später die halbe Menschheit auslöschen wird. Die Odyssee durch L.A. wird so quasi zur chaotischen TERMINATOR-Variante. 

Die Struktur erinnert an WEAPONS, jede Hauptfigur bekommt ihre weirde Motivations-Backstory und am Ende führt alles zu einem komplett wahnsinnigen Finale zusammen. Was nach komplettem Chaos klingt, wird von der Grundgeschichte und Sam Rockwells liebenswertem Weltenretter doch erstaunlich gut zusammengehalten, der Film ist trotz seiner zweieinviertel Stunden sehr kurzweilig und strotzt vor abgefahrenen Ideen, von denen die meisten auch wirklich Spaß machen oder zumindest interessant sind. 

Erfreulicherweise war und ist GOOD LUCK zumindest in den USA im Kino und Streaming ein veritabler Erfolg. Das lässt hoffen auf mehr solcher Nischenproduktionen in der (hoffentlich dann doch noch stattfindenden) Zukunft.

7.5/10

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