Ginge es nach den Brasilianern, hätten sicher nicht Mark Wahlberg und Paul Walter Hauser die Hauptrollen bekommen, sondern vielleicht Til Schweiger und Matthias Schweighöfer. Wann bekommt man sonst schon die Gelegenheit, zwei Deutsche mit der Mistgabel durch Rio de Janeiro zu jagen, die Brasilien gerade den Weltmeistertitel gekostet haben… schon wieder!?
Anstatt einer therapeutischen Aufarbeitung des 8. Juli 2014 geht es in „Balls Up“ einmal mehr um das Zentrum der Welt, den Amerikaner on tour, in all seiner Kulturignoranz. Südamerika bedeutet hier: Samba im Stadion, von Drogenbossen organisierte Poolpartys, hektarweise Dschungel. Zugegeben: Peter Farrellys Filmografie wird zwar mit jedem neuen Film ein wenig platter (Ausnahmen bestätigen die Regel), aber man kann „Balls Up“ zumindest nicht vorwerfen, dass er mit seinem angepeilten Niveau hinter dem Berg hielte. Wer sich auf eine US-Komödie über zwei Kondom-Vertreter bei der Fußball-Weltmeisterschaft (2025! Ein Paralleluniversum?) einlässt, weiß ganz genau, was er tut.
Mark Wahlberg hat seinen komödiantischen Tiefpunkt mit „Me Time“ (2022) ohnehin bereits hinter sich. Da lebt es sich wohl inzwischen ganz ungeniert. Der ehemalige Lebemann, dessen Image von den Autoren immer öfter in entlarvender Weise vorgeführt wird, bekommt mit Hauser einen Co-Star an die Seite gestellt, der als unsicheres Etwas mit Fettnäpfchengarantie den nötigen Kontrast liefert, damit die Buddy-Nummer flutscht wie angegossen.
Fußballfans sollten sich übrigens eher nicht auf eine Party freuen: Das WM-Finale zwischen Brasilien und Argentinien (Wunschvorstellung?) ist nicht nur – wie für eine Produktion aus dem Land des American Football gewohnt – befremdlich geschnitten und kommentiert wie aus dem Munde des amtierenden US-Präsidenten, sondern findet darüber hinaus als Auslöser der Handlung relativ früh am Anfang statt und nicht etwa als Finale, wie es die Konventionen eigentlich vorgeben. Immerhin darf Wahlberg dem Begriff „Vollpfosten“ auf diese Weise schon früh im Film eine ganz neue Bedeutung verleihen.
Das vermeintliche Leitthema Fußball spielt anschließend kaum eine Rolle mehr. Stattdessen verdient sich die Genre-Kategorisierung „Komödie“ das „Abenteuer“-Präfix hinzu, als sich das Duo im Urwald mit Aktivisten, Wildtieren und den Tücken der Natur herumschlagen muss. Dass die Horror-Komödie „Cocaine Bear“ (2023) tatsächlich wörtlich referenziert wird, als sich ein Alligator am Koks zu schaffen macht, spricht wohl Bände in Bezug auf die waltende Originalität. Darüber hinaus lässt sich Farrelly zu einem Selbstzitat hinreißen, als er die wohl schmerzhafteste Szene seines Klassikers „Verrückt nach Mary“ mit den Ressourcen des brasilianischen Regenwalds neu auflegt.
Umgeben von all den Flachköppern mit Schwimmflügeln ist es allenfalls Sacha Baron Cohen in einer Nebenrolle als Drogenbaron mit Christus-Erlöser-Styling, der die Messlatte ein wenig höher legt… weil es ihm mal wieder gelingt, nicht nur die beiden Protagonisten, sondern auch den Zuschauer nachhaltig zu irritieren. Bei Cohen sieht Blödsinn immer so leichtfüßig aus, insbesondere, wenn er dermaßen dankbare Gegenspieler hat wie hier. Der Borat in ihm dürfte aber fortlaufend die Zähne zusammengebissen haben, um seinen Gästen nicht lautstark persönlich zu demonstrieren, wie man sich in einem fremden Land wirklich effektiv danebenbenimmt. Benjamin Bratt sieht immerhin so aus, als hätte er bei den Dreharbeiten einen mörderischen Spaß gehabt. Allerdings muss er den dann wohl außerhalb Brasiliens gehabt haben, denn gedreht wurde da nicht, wie etliche künstliche Einstellungen mit Studio-Appeal verraten.
Der um die Marketing-Branche gesponnene Rahmen bleibt trotz eines Vorwissens von sieben Staffeln „Mad Men“ ebenso cartooneskes Beiwerk wie der Rest. Hätte Seth Rogen noch für einen Cameo vorbeigeschaut, wäre das nur angemessen gewesen, denn hier geht es ausschließlich um die Sausage Party, in die zwei arme Würstchen „von der Produktion“ und „vom Vertrieb“ aufgrund ihrer zwischenmenschlichen Chemie hineinrutschen, um den Weg der Läuterung zu meistern, den die meisten Helden in US-Komödien beschreiten: Vom mit Tomaten beworfenen Trottel zum gefeierten Helden, vom Tellerwäscher zum Millionär der Herzen. Auch wenn man dafür sämtliche Sympathien Brasiliens wohl für immer verspielt.
Im Jahr der tatsächlichen Fußball-Weltmeisterschaft beweist die USA zwar weiterhin null Sachverstand in Sachen Fußball oder Völkerverständigung, geschweige denn in Sachen Humor, dafür aber ein ungebrochen gesundes Selbstbewusstsein – immerhin mit einem Schlag Selbstironie. Wahlberg und Hauser werfen sich eher ungelenk die Bälle zu und erniedrigen sich die übrige Zeit in einer filmischen Variation des Dschungelcamps. Der Name „Farrelly“ ist in Bezug auf Komödien eben keine Marke mehr, sondern steht in den Gelben Seiten Hollywoods schon lange unter 555-Auftrag, weshalb das Ergebnis auch nicht allzu sehr überrascht. Das leichteste Angriffsziel von „Balls Up“ ist nicht unbedingt seine offensive Derbheit, die sicherlich ihr Zielpublikum finden wird, sondern seine schale Künstlichkeit. Wenn man schon dermaßen auf die Kacke haut, dann doch bitte nicht mit einem solchen Modulkasten von Comedy, die man nur noch der Form halber so nennen kann.