“If I was a millionaire, I’d spend the whole day playing music and drawing. I have only one talent and that’s artistic. I can’t fix my car, do my taxes, balance my checkbook. I’m severely dyslexic. But I’ve reached a place of security, which for me and my ethnicity isn’t always allowed. Obviously no one would want to do this forever, but I would consider myself lucky if this was all I ever did.”
~ Rene Perez
Hier wie üblich im Wald vor dem Haus von Cottonwood-Bewohner Rene Perez gedrehter Actionthriller Marke Eigenbau; Perez als Low Budget Auteur, der seine Filme (mit einem Finanzrahmen von 30.000 bis 50.000 Dollar) wie häufig selbst schreibt, schneidet, produziert, die Kamera führt und sie musikalisch ausstattet, ein Allroundtalent quasi, welches auch recht fleißig ist und über die Arbeiten –meist Horrorfilme und Western mit diversen Genreeinflüssen auch des Horrors – auch gerne seine gelinde gesagt verschrobenen Ansichten proklamiert. So wurde zwischendurch eine eigene konservative Streamingwebsite errichtet, die für etwa ein halbes Dutzend Werke wie Only Fans Allowed (2021), They Want Us Woke ... Not Awake (2021), Pro God - Pro Gun (2023) das Zuhause waren und nur einem speziellen Publikum vorbehalten und dem Rest vorenthalten, Bloodstorm dagegen ist schon fast Mainstream und Blockbuster, zumindest wenn es nach dem Marketing und der Distribution geht. Zudem möchte man hier auch die allgemeinen Actionliebhaber ansprechen und die (nicht altersweisen) Fans von Kampfsportfilmen (der Achtziger Jahre), werden neue Mittel und Wege gesucht, sich darzustellen und vorzustellen, mit etwas bekannter Besetzung abseits eines ebenso ominösen, oder doch eher nebulösen Youtube-Influencers auch. Produziert auf verhältnismäßig gängigen Wegen, mit einem ersten Roundhousekick begonnen, ein armer Scherge muss dran glauben, eine Prügelei mit mehr Agilität als sonst gewohnt, mit tatsächlichen Kicks und Kombinationen, mit Auseinandersetzungen aus verschiedenen Perspektiven und in verschiedenen Zeitformen, öfters auch mal die Akzentuierung. Ein Angriff auf ein Villengrundstück, erst leise, dann mit Schusswechsel, mit einer ausgedehnten Zeit und mit dieser gespielt und variiert, dazu auch Treffer im Material, diese aber deutlich mit dem PC hinzu installiert. Immerhin sind die Blutpäckchen meist echt, Perez mag es in dieser Hinsicht altmodisch, es spritzt ganz ordentlich und suppt, es wird die Goreklientel bedient. Ein erster Auftrag hier gezeigt zu den Credits, ein Killer gezeigt bei dem, was er am Besten kann und am Besten zu leisten weiß, blutverschmiert durch die gegnerischen Seiten schreitend:
Durch eine Order ihres Vorgesetzten [ Michael Paré ] ist die junge Officer Hansen [ Krista Hedins ] in der Lage, aus ihrem bisher eintönigen Büroleben herauszukommen und einen Gefangenentransport [ durch Richard Tyson & Chase Bloomquist ] zu begleiten, der Profikiller Bennet [ David Kurzhal ] soll überführt werden. Auf dem Eiland mit dem Gefängnis angekommen, geraten sie allerdings inmitten in einen Ausbruch der Häftlinge, angeführt von Gravano [ Michael Nesto ] hinein.
"I make the cheapest movies around that are put on store shelves", Perez hierbei mit tatsächlich mehr Aktivität, Darsteller werden tatsächlich doppelt und dreifach aufgezählt, sie bekommen mehrfach ihre Nennung, sie leisten nicht Mehrarbeit dafür. In wessen Umfeld man sich bedient, sieht man dann auch schon in den ersten richtigen Szenen, das darstellerische Spiel hoffnungslos verloren, die Dialogregie auch, reines Amateurgeschehen, vielleicht ein wenig besser durch die Perez' Filter auf Anschlag aussehend. Dazu etwas Dekoration, aber bloß nicht zu viel auf einmal und von allem, hier neben der anfänglichen Villa auch ein Polizeirevier im sogenannten Siskiyou County, gedreht im tatsächlichen Shasta County, Kalifornien, die Polizistin mit Doughnuts hantierend und mit Telefonanrufen, damit schon überfordert eigentlich und überlastet, mehr Personen aber vorhanden im Interieur, entsprechend auch mehr Konversation, mehr Kommunikation, mehr Schreibarbeit für den Kreativen, für den Zuschauer mehr Information. Geld scheint hier nicht das Problem gewesen zu sein, vergleichsweise natürlich und angesichts der letzten Produktionen des Artisten, die hierzulande alle noch auf ihre Auswertung warten und auf Ankunft bei der wartenden Nische; dieses Werk hier übrigens als teures Mediabook erhältlich oder als werbereiches, aber dafür kostenloses Entertainment. An einem Stück und ohne Pausen steht man diesen achtzigminütigen Marathon sowieso nicht durch, die Handlungsweisen steif, die Interaktion, allen voran auch die Zeichnung der Polizistin; die allerdings Mühe sich gibt und Initiative, außerdem wird Paré bald und dies als letztes Aushängeschild von Hollywood eingeführt. Paré macht auch die Einleitung und die Prämisse, er hält die Information bereit, den Bierdeckel-Plot. Dieser selber läuft so nach etwa einer Viertelstunde an und ab da ist man auch auf dem Lande und im Walde, die Szenerie allen Genießern gerade um die Cry Havoc - Filme bekannt und liebgewonnen, zudem sieht man dann auch weitere Bekannte aus der Besetzungsstube, Perez hier am Klotzen und nicht am Kleckern, es sind alle Namhaften aus seiner Karriere, abseits natürlich des fehlenden Robert Bronzi vorhanden. Letzterer hätte hier auch gut reingepasst, Terminschwierigkeiten vielleicht oder doch kein Geld mehr übrig, die Seeüberfahrt beim Transport schon teuer gewesen und das dort gecharterte Boot. Ein bisschen werden die Außenaufnahmen auch genossen, Perez, der Umweltliebhaber, der Naturfreund, der Genießer der Freiheit, der Connaisseur der eigenen Inszenierungskraft, mal die Zeitlupen und mal der Raffer der Beschleunigung.
Viel Zeit für die eigenen kruden Gedanken kundzutun, für die Mischung aus Grindhouse, christlicher Moral und regierungskritischer Sicht hat man hier jedenfalls nicht, man konzentriert sich auf das C-Movie Geschehen, das Laienspieltheater zwischen Gut und Böse, der Kampf Ordnungshüter gegen Kriminelle, Gesetzhüter gegen Gesetzlose. Ein Gefangenenausbruch, ein Überfall, die Schüsse im hölzernen Dickicht verhallend, die Häftlinge im Galopp über einen nicht mal mannshohen Zaune hüpfend. Viel Gerangelei dann folgend, die Feuerfrösche knallend, das Tempo hoch, die Polizeimannschaft u.a. mit einem Bauchdurchschuss und anderen gerne im Detail gezeigten Körpertreffer ausfallend. Ein Carpenter für Arme demnach, 'der Feind meines Feindes ist mein Freund' die Devise, der rote Lebenssaft verteilt sich im Erdboden und an die kargen Bäume. Kurzhal dabei gar nicht einmal herausfallend schlecht aus dem Rest der Mannschaft, er passt sich dem Milieu durchaus an, er ist wie geschaffen für Perez seine Geschichten eigentlich und sicherlich auch dafür dankbar. So wird sich bald zusammengeschlossen aufgrund der Gefahr, die junge Polizistin und der reumütige Killer, wird dem Pulverrauch nachgegangen und ein Ausweg gesucht, wird die Exploitation angeteasert, die einzige Frau im Bunde natürlich als "piece of meat" angesehen, als Frischfleisch, und so auch versucht an ihr.
Dazu kommt es allerdings (noch) nicht, wird hier mehr Wert auf Ehre und Anstand und Brutalität gelegt, die gestählten und angespannten Muskeln, die Luftschwinger und das Geducke, die Schuhe ins Gesicht gekickt und viel Krawall auf dem Erdboden veranstaltet, die choreografische Simplizität. Das Con Air im Baumfeld, das Hunt to Kill mit schmalen Scheckheft, die Bereicherung des Perezschen Filmografie und das Erwecken erneuter Aufmerksamkeit nach gefühlten Jahren der Funkstille und des Versteckens vor der aufgeweckten Regierung und dem alles verbietenden Establishment. Inhaltlich wird hier nichts dergleichen dargeboten, keine Ansätze einer Analyse, schlicht ein Recht des Stärkeren, ein Überlebenskampf mit vielen toxischen Alphamännchen und einem sogenannten Apex-Killer, ein andauerndes Kampfszenario mit bemühter Urgewalt und animalischen Niederungen, eine rückwärtsgewandte Banalität; "This is not what I want. This is what the people want. Blood and guts and boobs. It’s how you get the message across.". Immerhin, und das kann man dem Film nicht vorhalten, ist die Machart gerade hinsichtlich der vielen Aktivität deutlich altmodisch gehalten, die Bewegungen werden stets und ständig auf das Genaueste eingefangen, sie werden nicht verschnitten oder in der Hektik verloren, sondern und dies wie auch die nackten Tatsachen reichlich und ausgiebig zelebriert. Und selbst zu (einem unfreiwilligen?) Lacher(n) kommt es zwischendurch, ein Novum fast im Œuvre, welches sonst zu und mehr abgeschmackt ist und zu widerwärtig. Natürlich hat man auch hier so seine Probleme, ist von solchen Dingen wie eine Dramaturgie oder Spannungsaufbau trotz einiger 'Entwicklungen' nichts zu sehen und nichts zu spüren, es ist und bleibt ein monotones, da repetierendes Durcharbeiten der Laufzeit, ein Folgen der schlichten Grundidee und der gleichsam schlichten Ausführung, wird auf Zeit geschunden und bei beliebigen Gelegenheiten ein Effekt eingebunden, das Make-up Department gefordert und die Soundkulisse, mal die Genicke lauthals gebrochen und mit einem herausgerissenen Augapfel gespielt, die Statisterie durch das Ödland gejagt und ein bisschen gegrunzt und gestikuliert, herumgezittert und stumpf massakriert.