Richard Harris entschärft unter Zeitdruck Bomben auf einem Luxusdampfer
Story:
Auf einer Ozeanfahrt werden an Bord des Luxusliners „Britannic“ sieben Fässer gefunden. Schon bald meldet sich bei der Reederei ein Erpresser und verlangt 500000 Pfund. Die Marines schickt Bombenspezialist Fallon (Richard Harris) auf das Schiff von Captain Brunel (Omar Sharif). Die Investoren der Reederei wollen aber nicht bezahlen, so wird die Zeit immer knapper. Denn Fallon scheint in den Bomben seinen Meister gefunden zu haben...
Eine fieberhafte Suche nach dem Erpresser beginnt
Beatles Filmer Richard Lester versucht sich hier mal im Thrillergenre und bekommt den Film sogar einigermaßen in den Griff. Das Szenario ist interessant, aber am Anfang zu lahm inszeniert. Der Film braucht zu lange, bis Fallon endlich an den Bomben rumfingern kann. Die Jagd auf den Erpresser gerät dabei zur lustlosen Schlaftablette. Seine wahren Stärken beweist der Film dann erst zum Ende hin.
Musik:
Auf Musik wird meistens verzichtet. Während das bei der Bombenentschärfung noch nicht so sehr ins Gewicht fällt, verkommt die Parallelhandlung an Land zu einem billigen TV Thriller ohne Atmosphäre. Lester schien nach seinen Beatlesfilmen die Schnauze von Musik voll zu haben. Anders kann ich mir den sehr sparsamen Einsatz von atmosphärefördernder Musik nicht erklären.
Atmosphäre:
Ich hatte schon viel von dem Film gehört, wurde aber größtenteils enttäuscht. So dauert es viel zu lang, bis man die Fässer an Bord des Schiffes endlich findet. Lester hält sich mit der Vorstellung einiger Besatzungsmitglieder auf, die später kaum noch Beachtung finden. Sobald der Erpresser Juggernaut (irgendwie ein cooler Name) seinen Anruf getätigt hat geht es los. Fallon entschärft noch schnell eine Bombe um dann nebst Partner zur „Britannica“ geflogen zu werden.
Lesters Experiment die Reaktionen der Verantwortlichen mit dem Telefongespräch Juggernaut zu untermalen gefiel mir dabei ganz besonders. Während man sich an Land noch streitet, ob man den akzeptablen Betrag nun zahlen soll oder nicht, herrscht auf hoher See eine Bombenstimmung.
Zwanghaft versucht man die Reisenden nichts merken zu lassen. Als Juggernaut vorführt das er nicht blufft, wird der Vorfall heruntergespielt. Unter Deck verliert Fallon in des seinen Freund und seinen Mut. Alkohol ist für ihn die Lösung. Erst der mutige Kapitän bringt ihn wieder zur Vernunft. Zurück geht es an die Bomben, bei der Fallon nun eine Handschrift erkennt. Das Ergebnis teilt er den Behörden an Land mit.
Die haben inzwischen die Geldübergabe gestartet und den Laufburschen gefasst. Leider ohne Ergebnis. Was nun passiert ist dramaturgisch eine totaler „Bauchklatscher vom 10 Meter Turm“. Mit welcher Leichtigkeit und mit welchen Beweisen (Prospekt vom Schiff) man den Erpresser ausfindig macht grenzt an „Verarschung des Zuschauers“. So einfach und langweilig wurde selten ein Erpresser gefasst.
Der gibt sich auch noch gefügig und erzählt Fallon was Sache ist. Da die zeit knapp wird, hat man die Passagiere zu den Rettungsboten gebracht. Im Grunde lächerlich, da man innerhalb von den paar Minuten beim besten Willen keinen Luxusliner evakuieren kann.
Fallon verlässt sich auf sein Gespür, um dann hysterisch die Farbe des zu kappenden Drahtes durch sein Mikrofon zu blasen. Doch warum sollte man sich den Film ansehen? Ich für meinen Teil war nur von Harris und seinen zu entschärfenden Bomben begeistert. Selten war das Entfernen von Schrauben und das Entschärfen von Bomben spannender. Die ganz klare Stärke des Films. Was nun die Ministorys, wie zum Beispiel die Liebeleien des Kapitäns für einen Sinn haben, vermag ich nicht zu deuten. Für mich waren sie nur uninteressante Zeitbringer um den Film auf Spielfilmlänge zu bekommen.
Schauspieler:
Herausragend ist hier wirklich nur Richard Harris, denn Omar Sharif bleibt klar unter seinen Möglichkeiten. Harris verkörpert Fallon sehr facettenreich. Der coole Bombenentschärfer verwandelt sich in einen Zweifler, der sich erst mal eine hinter die Binde kippen muss, um wieder auf den Pfad der Tugend zu kommen. Für ein paar lakonische Sprüche und Selbstverliebheit bleibt aber immer Platz.
Ganz nett und für den Fan interessant ist Anthony Hopkins in einer frühen Nebenrolle mit recht ungewöhnlicher Frisur. Von seiner späteren Genialität als Hannibal Lector merkt man hier aber noch nichts.
Fazit:
Klassiker, von dem ich persönlich tief enttäuscht war. Die Bombenentschärfungen sind die einzigen Highlights des Films, da die Jagd auf den Erpresser ein Witz ist. Richard Harris glänzt mal wieder, der Rest bleibt unter seinen Möglichkeiten. Aus dem Stoff hätte man mehr machen können. Schade drum