Aktuellen Schätzungen zufolge leben noch rund 350 Grizzlybären im Glacier Nationalpark in Montana, im Grenzgebiet zu Kanada. Dieser umfasst eine Fläche von 4.100 km², was etwa der Größe von Dubai entspricht. Dass es hier in einer Nacht gleich zwei Angriffe von Grizzlys auf Touristen gab, ist von daher schon eher ungewöhnlich, wie das Regiedebüt von Burke Doeren untermauert.
August 1967: Eigentlich sollten die Ranger in dieser Zeit ihre Aufmerksamkeit diversen Waldbränden widmen, doch nachdem ein Paar beim Campen von einem Bären angegriffen wurde, ändert sich die Situation für Rangerin Joan. Mehr noch: Einige Meilen entfernt berichten andere Camper vom Verschwinden einer Freundin…
Der Fall beruht auf einer wahren Begebenheit, wobei der Zeitgeist der späten Sechziger leider nicht allzu detailliert durchschimmert. In Bezug auf Haare, Kleidung und Sprache wird man kaum spezifisch, obgleich die Opening Credits mit einigen Archivaufnahmen jener Zeit eine optimale Steilvorlage bieten.
Der Aufbau der Erzählung orientiert sich indes an konventionellen Genrevorbildern, indem parallel eingeführte Handlungsstränge im Verlauf zu einer Einheit werden. Es gibt verschiedene Gruppen, die im weitläufigen Park wandern oder zelten, die ersten Einstellungen verweisen jedoch umgehend auf die Situation eines Bärenangriffs, auf die im Verlauf noch einmal eingegangen wird. Innerhalb des Figurengefüges hat man es weitgehend mit sympathischen Individuen zu tun, Querschläger am Rande gibt es natürlich immer.
Die Grizzlys selbst sind zu keiner Zeit vordergründig in Szene gesetzt, Attacken werden eher angedeutet und doch werden die Tiere so anschaulich ins Bild gerückt, dass mit ihren Bewegungen eine unübersehbare Wucht einhergeht und man jenen eben nicht in freier Wildbahn begegnen möchte. Umso zynischer mutet es von daher an, wenn Touris in einer Unterkunft in Scharen auf den Balkon stürmen, um den Tieren beim Durchforsten der offen herumliegenden Müllsäcke beizuwohnen. Man ahnt es, - gewisse Probleme gehen vom Fehlverhalten einiger Menschen aus.
Leider geht es im Verlauf über weite Teile weniger um die Konfrontationen mit den Grizzlys, sondern eher um die Auswirkungen der Angriffe und um die Suche nach Vermissten. Dabei kommen Spannung und Nervenkitzel zu kurz, was der dramaturgisch ausbleibende Showdown auf leicht enttäuschende Weise unterstreicht. Der Schwerpunkt liegt eher auf Drama denn Thrill oder gar Action.
Insofern kommen eingefleischte Tierhorrorfans nur bedingt auf ihre Kosten. Zwar gibt es ab und an die Einbindung gravierender Verletzungen in handgemachter Umsetzung, doch die „Verursacher“ tauchen zu lange ab und sorgen nicht latent für eine bedrohliche Atmosphäre.
Gelungene Landschaftsaufnahmen, passable Darstellerleistungen und effektiv in Szene gesetzte Tiere gleichen dies ein wenig aus, etwas mehr Suspense und weniger Betroffenheitsdrama wäre jedoch wünschenswert gewesen.
Knapp
6 von 10