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Predator: Badlands

Dan Trachtenberg beweist auch in seinem zweiten Sequel aus dem Predator-Kosmos sein untrügliches Gespür für DNA und Essenz der Serie. Wie bei PREY bläst er mit vergleichsweise radikalen Ideen - der Predator als Held im Kampf gegen nicht-menschliche Gegner - ordentlich frischen Wind in das Franchise.

„Wenn es blutet, können wir es töten“. Es dürfte kaum einen Actionfan geben, der diesen Spruch nicht zuordnen kann. 1987 schien PREDATOR allerdings nur ein weiteres Vehikel für den damaligen Action-Superstar Arnold Schwarzenegger zu sein, ein weiterer Testosteron-Volltreffer im Muskel-Knarren-Duell mit Rivale Sylvester Stallone. Fast 40 Jahre, 8 Sequels (davon 2 Crossovers mit dem ALIEN-Franchsie) sowie unzählige Comics, Romane und Actionfiguren später, gilt der Action-Klassiker vor allem als Startschuss zum kultigsten Science Fiction-Universum nach der ALIEN-Saga. Die Kombination aus monster-artigem, kriegerischem Äußeren, hoch entwickelten Waffensystemen samt Körpertarnung sowie dem unbedingten Fokus auf die blutige Jagd mit anschließender Trophäe, machen den Predator zu einem der furchterregendsten, effektivsten und gnadenlosesten Genre-Antagonisten.

Dass diesem außerirdischen Super-Krieger mit purer Feuerkraft kaum beizukommen ist, muss bereits die waffenstarrende Söldnertruppe im 87er Original schmerzlichst erfahren. Dennoch trieben die Filmemacher auch in den 3 Sequels PREDATOR 2 (1990), PREDATORS (2010) und Predator: Upgrade (2018) jeweils schwer bewaffnete menschliche Kombattanten in die Fänge der Predatoren. Das Kalkül dahinter ist klar - Fan und Jäger werden gleichermaßen reichlich bedient (mit Kanonen-Donner der eine, mit Kanonenfutter der andere) -, das Problem einer zunehmenden Formelhaftigkeit aber auch.

Dem ehemaligen Werbefilmer und Podcaster Dan Trachtenberg gelang 2022 mit PREY der Befreiungsschlag aus diesem Dilemma, indem er eine jugendliche Comanche-Indianerin gegen den Predator antreten ließ und damit in punkto Setting und Waffentechnik völlig neue Wege einschlug. Insbesondere fokussierte er aber auch wieder auf die Essenz der Figur und kam damit dem Schwarzennegger-Original deutlich näher als jedes der vorherigen Sequels. Die Jagd gehört in PREY zur DNA beider Protagonisten - der Ureinwohner Nordamerikas und der außerirdischen Yautjas / Predatoren - und wird mit gnadenloser Härte aber auch Hingabe bis zum Ende durchgezogen.

Trachtenbergs Wiederbelebung des Franchise wurde seinerzeit lediglich auf der Streamingplattform Disney+ veröffentlicht, war dabei aber derart erfolgreich, dass man dem Regisseur nicht nur eine Animations-Fingerübung (PREDATOR: KILLER OF THE KILLERS, 2025), sondern vor allem auch ein weiteres Sequel mitsamt Kinoauswertung genehmigte. PREDATOR: BADLANDS steht damit doppelt unter Druck. Zum einem dem der Erwartungshaltung der mit PREY neu gewonnen und neu euphorisierten Fans, zum anderen dem der Hoffnungen des Studios, das ein beinahe verdoppeltes Budget bewilligt hatte.

Eines wird bei allem Risiko und Druck sehr schnell klar, Trachtenberg bleibt auch mit PREDATOR: BADLANDS seiner Linie treu, soll heißen, er hat eine klare Vision und geht dabei keine Kompromisse ein. Wie mit PREY - als er den Predator in eine archaische Welt bugsierte - geht er auch hier völlig neue Franchise-Wege. Dabei gibt es gleich zwei Premieren. Erstmals wird der Predator vom Antagonisten zum Protagonisten und erstmals bekommt er es nicht mit menschlichen Gegnern zu tun. Dass dieser vermeintlich radikale Ansatz erneut prächtig aufgeht, liegt an Trachtenbergs beinahe schon intuitivem Verständnis für Figur und Kosmos des Predators. Wieder geht es um das Wesen der Jagd, über das sich der Titelheld definiert und das ihn letztlich ausmacht. Vor diesem Hintergrund beackert PREDATOR: BADLANDS nicht nur die bekannten Genre-Wiesen Action, Horror und Science Fiction, sondern zieht auch die unerwartete Ebene einer Coming-Of-Age-Geschichte ein. Denn Predator Dek ist in den Augen seines Vaters nicht nur beschämend kleinwüchsig, er hält ihn auch für einen Schwächling, der des Clans nicht würdig ist. Er beauftragt sogar seinen Ältesten, den Bruder zu töten. Der bezahlt seine Weigerung selbst mit dem Tod und Dek flieht daraufhin auf den Planeten Genna, wo das sagenumwobene Monster Kalisk haust, das bisher noch kein Predator besiegen konnte. Eine ideale Trophäe also für einen jungen Heißsporn, dem die ersehnte Anerkennung seiner Sippe bisher versagt geblieben war ...

Trachtenberg packt dieses Familiendrama in einen furiosen Action-Auftakt, der mit der Ankunft auf Genna sogleich die nächste Stufe zündet. Der Planet zeichnet sich nicht nur durch eine unwirtliche Natur bestehend aus Dschungel und Gebirge aus, er ist auch gespickt mit ebenso feindseligen wie tödlichen Spezies und Pflanzen. Die Kombination aus bizarren Landschaftsaufnahmen - man drehte in Neuseeland - und gelungenen CGI Effekten (u.a. aggressive Schling-Lianen, Giftpfeile verschießende Pflanzen oder Dino-artige Monster) schaffen ein faszinierend fremdartiges Bedrohungsszenario, bei dem man gespannt auf die Lösungswege des Rookie-Predators wartet. Hilfe bekommt er dabei von der havarierten Androidin Thia (Ella Fanning), die schon länger auf Genna zu tun hat und dessen tödliche Tücken aus eigener Erfahrung kennt. Thia ist Teil eines Expeditions-Trupp der Weyland-Corporation, womit Trachtenberg ganz nebenbei eine Brücke zum Alien-Universum schlägt und die Crossover-Karte spielt. Vor allem aber dient die Thia Figur der im Action-Genre so beliebten wie erfolgreichen Buddy-Konstellation, die immer wieder für frotzelnden Humor sorgt und das ansonsten auf Jagd und Kampf zentrierte Szenario auflockert.

Das Finale fällt dann im Vergleich zum Predator versus Natur-Part konventioneller aus, verknüpft aber gekonnt die Plot-Fäden Buddy-Clash, Coming-of-Age und Trophäenjagd zu einem runden Franchise-Knoten, der wie PREY ordentlich frischen Wind in den Predator-Kosmos bläst. Trachtenberg hat sich mit PREDATOR: BADLANDS somit endgültig als idealer Franchise-Verwalter etabliert, auf dessen zukünftige Beiträge man mehr als gespannt sein darf. Der „Wenn es blutet, können wir es töten“-Spruch gilt nun nicht mehr nur für den Predator als Gejagter, sondern auch als Jäger. Mehr DNA-Statement geht nicht.

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