Der Yautja Dek ist eine Enttäuschung für seinen Clan. Sein Vater hat den Schwächling aufgegeben und schickt ihn auf den Planeten Genna, auch als „Death Planet“ bekannt. Dort hat Dek die letzte Chance, sich zu beweisen, indem er es mit dem „Kalisk“ aufnimmt, einem offenbar unbezwingbaren Wesen. Auf Genna geht Dek eine Zweckgemeinschaft mit der halben Synth Thia ein: Sie weiß, wo Dek den Kalisk findet. Und sie ihre Beine.
Dan Trachtenberg tut in PREDATOR BADLANDS das eigentlich Unverzeihliche: Er vermenschlicht den Predator und disneyfiziert dessen Universum. Das Kernthema ist die Familie, der Film beginnt mit einem stereotypen Vater-Sohn-Drama, die Predatoren sind unter sich alles andere als wortkarg, die Paarung von Elle Fannings Androiden und dem Yautja hat die Chemie einer Buddy Comedy und ein niedliches Tierchen mit großen Glubschaugen spielt auch mit. Und doch: es funktioniert!
Auch wenn Predatorpuristen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen mögen, ist dieser Film der unterhaltsamste Teil der ganzen Reihe. Denn er liefert nicht nur Action satt, sondern zieht auch einige Twists und inszenatorische Ideen aus dem Ärmel, die aus der ursprünglich höchst eindimensionalen Predator-Prämisse einen kurzweiligen SciFi-Actionblockbuster machen, wie man ihn schon lange nicht mehr im Kino gesehen hat. Man könnte sagen, das hier ist der GUARDIANS OF THE GALAXY, der MANDALORIAN des PREDATOR-Franchises.
Trotzdem ist der Film reichlich brutal – allerdings lediglich gegen Tiere und Synths. Ein besonderer Clou von BADLANDS besteht darin, dass er im Grunde mit lediglich drei Darstellern auskommt – außer Dek gibt es nur männliche und weibliche Synths mit jeweils identischem Aussehen. Das löst auch das Problem der Gewaltdarstellung: Hätte man die zahlreichen Fights und Verstümmelungen mit Menschen gedreht, wäre das Gorelevel wohl unzumutbar gewesen. So machen die Actionszenen richtig Spaß, es kommen ja nur Synthetik und CGI zu Schaden.
Ein weiteres Highlight des Films ist die Gestaltung des „Todesplaneten“ mit seiner bis ins kleinste Detail feindseligen Natur, gegen die selbst der Predator zunächst kaum mehr Chancen hat als Naomie Watts in Peter Jacksons KING KONG. Wie sich Dek später die Flora und Fauna im Kampf zunutze macht, ist eine willkommene Bereicherung der üblichen Montagesequenzen.
Nachdem bereits zweimal der erfolglose Versuch unternommen wurde, das Franchise neu zu starten (2010 mit PREDATORS von Nimród Antal und 2018 mit PREDATOR UPGRADE, enttäuschenderweise von Shane Black), scheint Dan Trachtenberg jetzt eine Erfolgsformel für den Alienhunter gefunden zu haben, indem er den Predator zum Helden macht. Für dieses Reframing müssen aber insbesondere Hardcorefans des Originalfilms besonders stark sein, denn das bedeutet womöglich, dass Carl Weathers und Arnie in den 80ern eigentlich die Bösen waren.