Marty Mausers Selbstbewusstsein ist so unerschütterlich wie unübertrefflich. Der junge Mann ist felsenfest davon überzeugt, das nächste große Ding zu sein, noch dazu im Tischtennis, einem Sport, der zu seiner Zeit, in den 50er-Jahren in den USA, noch kaum eine Rolle spielt. Doch Martys Ambition ist es, den amtierenden japanischen Weltmeister beim Turnier in London zu schlagen und, als das wider Erwarten nicht klappt, zum Rematch in Tokio anzutreten. Dafür braucht er allerdings Geld und davon hat er so wenig wie er an Ego zu viel hat. Also macht er, was er – neben dem Tischtennis, denn Marty ist wirklich sehr gut im Tischtennis – am besten kann: husteln, betrügen, sich irgendwo reinmogeln, seinen Namen ins Spiel bringen, Gelegenheiten wittern und wahrnehmen. Klar, dass er dabei auch an die Falschen gerät, klar, dass er mehr als einmal flüchten muss und klar, dass er seine Nase nicht die ganze Zeit so hoch tragen wird.
MARTY SUPREME ist das filmische Äquivalent von rund 10 Tassen Espresso: Der Film gibt von Anfang an Vollgas wie sein Hauptdarsteller und Timothée Chalamet trägt, nein, schießt den Film wirklich durch die Handlung, von einem Tatort zum nächsten, mit einer beunruhigenden Rasanz, wie man sie zuletzt 2019 in UNCUT GEMS erlebt hat, ebenfalls von Josh Safdie (damals noch gemeinsam mit Bruder Benny) inszeniert. Der Stresslevel ist unglaublich hoch, was den Film über seine Laufzeit von zweieinhalb Stunden natürlich auch anstrengend macht. Langeweile kommt dafür keine Sekunde Zeit, Marty hat keine Zeit für Langeweile.
Das Faszinierendste an diesem Film ist vielleicht, dass er uns ein absolutes Arschloch als Hauptfigur präsentiert – und wir trotzdem wollen, dass er es schafft. Marty Mauser ist dermaßen zielstrebig, resilient, committet und überzeugt, dass er bald auch die Zuschauer überzeugt hat, dass ihm ja wohl unbedingt alles zusteht, was er da beansprucht. Selbst wer Chalamet nicht mag, kann sich an diesem Film erfreuen, denn der Schauspieler ist mit seiner Gesichtsakne und seinem Auftreten wirklich kaum wiederzuerkennen. Gwyneth Paltrow, der einzige sonstige Star im Film, wollte dem jungen Mann beim ersten Treffen wohl eine Hautbehandlung empfehlen, so überzeugend wirkt das Makeup.
Der Beat von MARTY SUPREME wird bestimmt vom Elektrosoundtrack von Daniel Lopatin, besser bekannt als Oneohtrix Point Never sowie von einigen 80er-Jahre-Synthiepop-Tunes (u. a. von Alphaville, New Order und Tears for Fears), völlig anachronistisch, aber hervorragend passend.
Ein in jeder Hinsicht aufregender Film.