Eigentlich habe ich mich ja schon damit abgefunden, daß ich die ganzen schönen, miesen Filme, die Christian Kessler zu meinem Vergnügen in der „Splatting Image“ immer mit viel Liebe zum schlechten Detail vor seinen Lesern ausbreitet, vermutlich nie sehen werde, weil ich mir nicht jeden obskuren Film kaufen möchte oder leihen kann.
Um so schöner, wenn das deutsche Fernsehen dann doch mal liefert, und sei es nur ein Mini-Sender wie „Tele 5“ zu nachtschlafender Zeit. Die Rede ist von „Dog Day“ einem französischen Reißer, der sich anno 1984 mit einem schon sehr müden und sehr kränklich aussehenden Lee Marvin schmückte und eine Story erzählt, die einem die Fußnägel hochklappen läßt.
Man hat ja von billigen Krimis schon eine Menge Matsch ertragen, aber einen dermaßen schmierigen Klumpen überhaupt erst zu produzieren, der dann exploitiven Exzessen watet, ist schon mal eine schöne Sache.
Marvin spielt hier seine Paraderolle, einen hartgesottenen Gangster und Killer vom alten Schlag, der sich inzwischen in Frankreich an einem Geldtransporter versucht und weil die Polente ihm vorsorglich auf die Spur gekommen ist, von dem Heist mittels eines gepflegten Massakers unter Passanten verabschiedet, bei dem auch Kinder in Nahaufnahme weggeblastert werden. Es werden also keine Verwandten gemacht und das ist nur der Auftakt, denn niemand kann da ahnen, wie tief der Sumpf von Film noch werden wird.
Marvin alias Jimmy Cobb flieht also notgedrungen samt Knatze aufs Land und versteckt sich ausgerechnet auf einem heruntergekommenen Bauernhof (irgendwas „Davos“-ähnliches), wo eine Sippe residiert, für die „inzestuös-degeneriert“ noch lieblich umschrieben ist.
Da haben wir den schmierigen Horace, der einstmals Knecht war und dann die verwitwete Frau des Hauses, Jessica, geheiratet hat und diese dann nach dem Mittagessen mal im Stehen bei Tisch knallt. Sein Schwesterherz, die auch seit den 70ern keine Dusche mehr von innen gesehen hat, ist naturläufig und kommt schon reihenweise bei dem bloßen Gedanken, gevögelt zu werden, zu multiplen Orgasmen, bis sie später dem armen Lee ihre Butterberge in die Visage knetet und darob den Hahn zugedreht bekommt. Dann ist da noch ein Brüderlein namens Socrate, der immer etwas langsam wirkt und an einer obskuren Skulptur werkelt, eine marode Haushaltshilfe, die sich kurz vor der Seniorenstiftabschiebung an die Zimmerlampe hängt und nicht zuletzt das „kleine Arschloch“ vom Dienst, einen spinnerten Zögling, gespielt von Blechtrommel David Bennent, der auch hier wieder, sich selbst synchronisierend, zu dauerhaften Prügeln einlädt. Dazu noch ein paar schmierige Polizisten und die gute Cousine, die im örtlichen Puff die Männer züchtigt, während die Zuhälter Schlange stehen.
Heidewitzka, so eine Ansammlung feuchtfröhlich degenerierten Drecks hab ich schon lange nicht mehr gesehen, und so schön flott wird selten vom Leder gezogen, allein die triebige Segolene hat den farbigen Montagegesellen schon beim ersten Auftritt mit ihrer Nymphomanie per Androhung des dritten Vormittagsficks aufs Dach gejagt. Horace nagelt alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist und tarnt sich schon mal als Vogelscheuche, um dauerhaft nackte Camperinnen auszuspannen und das Trommelblag im Puff ist auch schon eine Reise wert.
So etwas muß natürlich zwangsläufig in einem weitschweifigen Massaker enden und nachdem Marvin den halben Film in der Scheune hockt, geht danach das Meucheln fröhlich los, was sich in der Konstruktion aber jeder selbst antun sollte. Es splattert zwar nicht ganz so offensiv, verschont bleibt hier aber überhaupt keiner, wobei man das alles wirklich eher als rabenschwarze Komödie verstehen sollte – spätestens wenn der Farbige den Zaster findet und sich einen freut mit den Worten „So viel Geld für einen Afrikaner!“ – das wird doch am Ende keine großangelegte Kapitalismus-in-der-ersten-Welt-Kritik sein?
Achtbar ziehen sich nur Miou-Miou als Jessica und Stoneface Lee Marvin aus der Affäre, der diese Produktion dann aber bestimmt doch bereut hat, danach gabs dann auch nur noch „Delta Force“ und ein „Dirty Dozen“-Ripoff.
Man braucht schon einen besonderen Sinn für Humor, um diesen Morast unterhaltsam zu finden, aber irgendwie abstoßend faszinierend ist es schon – auf jeden Fall überlege ich mir die Tour durchs französische Hinterland jetzt dreimal. (6/10)