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Mit „Auf brennendem Eis“ legt Steven Seagal nicht nur sein Regiedebüt hin, sondern versucht auch auf ambitionierte Weise harte Action mit seinen Naturschutzansichten zu verbinden.
Die Hauptfigur hört auf den ökopolitische korrekten Namen Forrest Taft (Steven Seagal) und ist Sprengstoffexperte bei der Ölkompanie Aegis Oil. Als eine Ölquelle in Flammen aufgeht begibt er sich auch gleich in das Flammenmeer, um die Sprengung durchzuführen. Hier zeigt sich mal wieder wie schön doch das Bildformat WS 2,35:1 ist. Denn weder die wunderschönen Naturaufnahmen Alaskas noch die beeindruckende Explosion mit Seagal im Vordergrund kommen in den popeligen Vollbildfassungen zur Geltung.
Während der Boss der Company, Michael Jennings (Michael Caine), menschliches Versagen als Grund für den Brand nennt, erzählt Forrests Kumpel Hugh Palmer (Richard Hamilton), dass die Sicherheitsverschlüsse defekt waren. Während Hugh und Forrest bei einem Bier darüber reden, müssen sie mit ansehen, wie einiges Ölarbeiter einen hilflosen Eskimo quälen. Weil das politisch unkorrekt ist, gibt’s von Forrest erst mal ein paar getafelt bis der Chef der Truppe verspricht sich zu ändern. Auch wenn die Schlägerei arg moralisch endet, so ist doch der gute Wille Seagals dahinter zu erkennen und die Prügelei birgt auch ordentliche Nahkampfaction für den Genrefan.

Währenddessen muss sich Jennings mit Naturschützern und Schadensersatzforderungen herumschlagen, obwohl er eine größere Sorge hat: Wenn seine Bohrplattform Aegis 1 nicht rechtzeitig fertig wird, fallen die Bohrrechte an die Eskimos zurück. „Auf brennendem Eis“ präsentiert seine Bösewichte extrem übertrieben, aber gerade dadurch wird es witzig. Denn es hat schon eine gewisse Komik, wenn die Assistentin vorschlägt Witwenzuwendungen zu Kürzen oder Jennings schnell einen „Wir kümmern uns um ihre Sicherheit“ Werbespot macht (und dabei ganz und gar nicht nett ist). Wer „Auf brennendem Eis“ nicht bierernst nimmt, der wird hier richtigen Spaß haben.
Da Hugh Informationen an die Umweltschützer weitergeben wollte, wird ihm prompt von Jennings rechter Hand McGruder (John C. McGinley) das Licht ausgeknipst. Da auch Forrest dahinter kommt, dass die Sicherheitsverschlüsse untauglich sind, wird als nächstes auf ihn ein Anschlag verübt. Doch er überlebt schwer verletzt und wird von den Eskimos wieder aufgepäppelt. Und Forrest Taft wäre nicht Steven Seagal, wenn er jetzt nicht anfangen würde äußerst aktiven Umweltschutz zu leisten.
„Auf brennendem Eis“ kann seine Botschaft kann gut rüberbringen, auch wenn teilweise sehr dick aufgetragen wird. Vor allem das Greenpeace-gerechte Ende schießt übers Ziel hinaus und erhebt unrealistische Forderungen.

Ansonsten präsentiert sich „Auf brennendem Eis“ als recht spannender Action-Thriller. Die Story läuft recht zielgerecht aufs große Finale zu und kann nicht überraschen (Seagal ist mal wieder der Held mit Spezialeinheitsvergangenheit), aber die Geschichte ist spannend gemacht und langweilt nicht. Lediglich der Eskimopart ist ein wenig lächerlich gemacht (die „Prüfung“ von Forrest sollte man nicht allzu ernst nehmen) und hemmt den Film etwas.
Die Action ist im wahrsten Sinne des Wortes explosiv, denn wen Seagal schon eine Sprengmeister spielt, dann kracht es ordentlich. Natürlich darf man sich an Seagal-typischen Nahkämpfen und einigen Shoot-Outs freuen. Alles in allem wäre hier noch etwas mehr möglich gewesen; trotzdem kann die Action auf ganzer Linie überzeugen.
Steven guckt mal wieder grimmig, bringt aber eine akzeptable Leistung. Natürlich ist er in den Actionszenen am überzeugendsten, aber die anderen Teil des Films besteht er auch recht gut. Joan Chen darf als weibliche Hauptrolle im Testosteron-starken Geschehen mitmischen. Auch sie ist akzeptabel, aber ihre Rolle ist verschwindend gering. Die meisten Bösewichte sind überzeugend, vor allem Michael Caine überzeugt durch seine ironische Leistung. So wirken die übertriebenen Klischees der Bösewichte wie gesagt ironisch und nerven nicht. Auch eine nette Rolle hat der alte Kämpe R. Lee Ermey (Seargant Hartman aus „Full Metal Jacket") als Söldneranführer Stone.

„Auf brennendem Eis“ bringt dem Genrefan Steven Seagal in Bestform; ohne große Logik, aber spannend und actionreich.

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