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Mit "Disturbing Behavior" inszenierte TV-Regisseur David Nutter (Dark Angel, Akte X) einen passablen Teenie-Thriller, der sich durch Story und Idee erfreulicherweise etwas von den üblichen Teenie-Abmurcks-Filmen abhebt. Doch ein Meisterwerk des Genres ist der Streifen dennoch nicht.

Vor kurzem ist Steven Clark (James Marsden) nach Cradle Bay gezogen. Hier gibt es keine Drogen, keine Verbrechen. Die Welt ist noch in Ordnung. Aber der Schein trügt: Irgendwas stimmt nicht mit den Schülern der Highschool. Stevens Freunde Gavin (Nick Stahl) und Rachel (Katie Holmes) glauben, dass Hypnose im Spiel ist...

Die Hauptdarsteller in "Disturbing Behavior" gehen allesamt in Ordnung. James Marsden (X-Men) mimt den Jungen von nebenan mit sicherer Mimik, ebenso wie die aktuelle Cruise-Matratze Katie Holmes (Batman Begins) als rebellische Bitch. Glücklicherweise kommt Holmes hier nicht so dermaßen aufgestylt und geleckt rüber wie ihre Kolleginnen Sarah Michelle Gellar (Scream 2) und Jessica Alba (Die Killerhand) in deren Horror-Ausflügen. Auch Nick Stahl (Sin City) macht einen ordentlichen Job als Quoten-Junkie und späterer "Everybody's Darling"-Zombie. William Sadler (Hard to Kill) geht als moderner Rattenfänger von Hameln auch in Ordnung. Lediglich Bruce Greenwood (Angst über Amerika) bleibt als perverser Psycho-Onkel etwas blass.

Die Hauptbestandteile der meisten Teenie-Horror-Produkte vom Fließband sind debile US-Teenies als willig weglaufende Schlitzerbeute für Backwood-Psychopathen mit allerlei scharfen Werkzeugen in nicht kartografierten Ami-Idyllen. Und das hat man schon dutzendmal in x-beliebigen Variationen gesehen bekommen. Doch anders in "Disturbing Behavior", wo keine hirntoten Oberweitenschaustellerinnen in zerfetzten Klamotten mit aktiviertem Schrei-Modus und ihren ebenso einfälltigen Knackarsch-Stechern klischeehaft ins Gras beißen. Vielmehr entpuppt sich der Film als eine Art Studie über us-amerikanische Werte und Ideale. Diese werden hier von Footballspielern und Cheerleadern verkörpert, die der Traum der Eltern sind, die sich eine heile Ami-Welt wünschen. Als erfolgreiche Sportler stehen sie für Tugenden, die ihr Land groß gemacht haben. Jene die nicht in dieses Ideologie-Schema der Konservativen passen, werden in gewisser Weise als minderwertig empfunden. Und eben darüber handelt "Disturbing Behavior". Denn ausgehend von dieser alltäglichen Situation hat Regisseur Nutter einen durchschnittlichen Teenie-Schocker gemacht. Hier wird der amerikanische Traum vom Einzelnen, der die Gesellschaft weiterbringt, mit einer Idee konfrontiert, die alles "Unamerikanische" ausrotten soll. Dahinter steht eine idealisierte, verlogene Vorstellung der frühen 50er Jahre als eine Zeit, in der die Jugend (aus elterlicher Sicht) noch nicht verdorben gewesen wäre von den Hippie-Ideen der 60er Jahre und allem, was ihnen gefolgt ist.

Ok, genug herumphilosophiert! Kommen wir wieder zum Film zurück, der eine Art Mischung aus "Uhrwerk Orange" und "Faculty" ist. Doch hat er seine eigenen Stilmittel und Momente, womit er beeindrucken kann. Und harmlos geht es hier auch nicht zu. Allerdings ist "Disturbing Behavior" mit knapp 85 Minuten auch relativ kurz für eine Spielfilm, aus dem man hätte mehr machen können. Wie Nutters Director's Cut im Gegensatz zu den offizielen Kinofassung aussieht, kann ich nicht sagen. Doch vermute ich, dass der besagte Director's Cut um einiges besser ist. Zudem fehlt es dem Film etwas an Rhythmus und dichter Atmosphäre. Natürlich gibt es auch die einen oder anderen Logikfehler. Dazu brauche ich nur mal die Irrenanstalt sowie die Hypnose-Prozedur erwähnen. Es fehlen halt auch zu viele Hintergrundinformationen zu einigen Charakteren. So weiß der Zuschauer nicht, was der von William Sadler verkörperte Hausmeister Dorian Newberry für eine Vergangenheit hat und ob diese in irgendeiner Weise mit den Geschehnissen im Film zusammenhängen. Hat er persönliche Motive, die ihn dazu bewegen, Steven und Rachel zu helfen? Ein wenig enttäuscht auch das Finale, obwohl dort recht viele "Everybody's Darling"-Zombies über'n Jordan gehen. Jedoch geschieht dies viel zu schnell. Und der Psycho-Doc wird einfach von Steven den Abhang hintuntergestoßen. Das Ende, wo Zombie-Gavin dann als Lehrer vor einer Gangsta-Ghetto-Klasse auftritt, überrascht dann doch etwas, da man dachte, dass Gavin ebenfalls im Finale den Löffel abgegeben hat.

Alles in allem hat David Nutter einen etwas halbfertigen Teenie-Schocker hervorgezaubert, dessen Ideen und Hintergründe eigentlich nicht so schlecht sind. Doch damit ist "Disturbing Behavior" immer noch viel besser als der übliche Teen-Slasher-Schrott, von dem man inzwischen genug hat!

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