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Selten war eine qualitative Zweiteilung bei einem Teen-Horror-Film so offensichtlich wie bei "Dich kriegen wir auch noch", einem eher der SF zuzuordnenden Beitrag, der bei weitem nicht so schlecht ist, wie er ständig gemacht wird, der aber auch nicht so gelungen ist, wie man das bei dem X-Files-erfahrenem Team hätte erwarten können.
Der Grund dafür ist nicht geklärt, aber vermutlich wird in der Schnittabteilung so einiges weggefallen sein, wie der Trailer beweist.

Leider ist die bessere Hälfte auch gleich die erste. Die Story ist schon ein wenig betagt: neuer Schüler Marke Normalo, aber mit gutem Aussehen, kommt auf eine High School auf einer vor der Küste gelagerten Insel. Alles scheint ganz normal zu laufen, nur die Gruppe der superordentlichen Streber der "Blue Ribbons", megakonforme Elternlieblinge fallen irgendwie raus. Und rausfallen tut genau diesen auch mal die Sicherung, wie ein Mord zu Beginn ebenso zeigt, wie ein brutaler Angriff eines Mitglieds im Supermarkt. Wer seine fünf Sinne beisammen hat, wird natürlich darauf kommen, daß sexuelle Erregung hier einen Agressionsschub auslöst.

Zu unserem Knuddeljungen James Marsden noch die Slumprinzessin Katie Holmes (hier als Vorstadtgör mit Indie-Attitüde zum gepflegten Lechz-Modus) und Nick Stahl als Kiffer, der bald prominentes Konditionierungsopfer wird. Akte-X-Regisseur David Nutter hat im ersten Teil noch sichtlich die Fäden in der Hand, organisiert den Plot sympathisch und mit dem nötigen Drive, wirft den Zuschauern die mysteriösen Brocken hin und baut Figuren auf.

Nach einer guten Dreiviertelstunde jedoch zerbröselt der Film zusehends. Vermutlich wurde als Cut mehr Drive verlangt, auf jeden Fall wirkt der Film nun zerfahren, hektisch und unterentwickelt. In rasender Eile hakt er jetzt die nötligen Teile zur Erklärung ab, präsentiert den Bösewicht, führt den Zuschauer und die Protagonisten in eine Irrenanstalt (ohne jetzt mal zu erklären, wie sie da reinkamen und warum sie sich so frei bewegen können), wo sie die Tochter des Wissenschaftlers aufstöbern, läßt sie in eine Falle geraten, sich in Windeseile auf dem OP-Stuhl wieder daraus befreien (Nutter zitiert hier allzu einfallslos Total Recall und Uhrwerk Orange und läßt einen Kontrollmechanismus mit einer Nadel von vorne automatisch ins Auge einführen (!!!), wo eine Von-Hand-OP nötig wäre)), um dann zu einem hektischen Showdown überzugehen, der immerhin eine nette Rattenfänger-Idee beinhaltet.

Zwar wird der Plot am Ende aufgelöst, dennoch hat man so viele offene Enden in der Hand, dass einem der Kopf schwirrt. Die Chemie zwischen Marsden und Holmes tritt vollends in den Hintergrund (eine Liebesszene der beiden, die im Trailer gezeigt wird, ist nicht in der Schlußfassung drin), der Scientist ist eben nur mad, auf die Eltern wird nicht mehr eingegangen, das Schicksal der Blue Ribbons (immerhin über ein Dutzend Tote) nicht mehr erwähnt.

Mann, hatten die es eilig - so etwa könnte man den Eindruck beschreiben und das Gefühl, um einige wichtige Szenen betrogen worden zu sein, verläßt einen nie. Trotz dieser Schwächen und der Offensichtlichkeit des Geschehens nach etwa der Hälfte der Laufzeit, hat "Disturbing Behaviour" (Verstörendes Verhalten) immer noch mehr zu bieten, als z.B. der beinahe gleichzeitig gestartete Malen-nach-Zahlen-Slasher "Urban Legends", vor allem brauchbare Darsteller.
Ebenso wie "The Faculty" bemüht sich Nutters Film, aus der starren Phalanx der schematischen Genrebeiträge herauszutreten und einen Schritt weit gelingt das auch. Glücklich wird man damit trotzdem nicht, aber langweilen tut man sich auch nicht. (6/10)

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