Endlich geht es für Anna, Georg und Sohnemann Schorschi in den wohl verdienten Urlaub. Ein Sommerhaus am See; prächtig und opulent. Genau richtig für kultivierte, besser verdienende Leute. Wenngleich es sich bei ihnen um kleinbürgerliche Spießer handelt, erscheinen sie doch nicht so unsympathisch, als dass man ihnen Böses wünschen würde.
Michael Haneke sieht das anders. Sein "Funny Games" treibt niederträchtige Spiele mit dem Dreigespann. So niederträchtige Spiele, dass diese jegliche Vorstellung von Niedertracht übersteigen. Aus nicht erkennbarer Motivation wird die Familienidylle zerpeitscht; qualvoll. Langsam, aber sicher. Von Saubermännern mit dämonischen Absichten, vornehm auftretend und mit einem unschuldig weißen Golf-Dress bekleidet, zu dem die passenden Samthandschuhe getragen werden. Zwei junge Männer, die Anna harmlos nach ein paar Eiern fragen. Nichts weiter als eine nachbarliche Geste, um die sie die Hausfrau bitten. Ihr wahres Gesicht wird sich erst kurz darauf entblättern. Es sind der Hölle entstiegene Teufel in Menschengestalt. Die Folterhirten Paul und Peter.
Und das Sommerhaus wird zum Folterkeller; vornehmlich zum Ort psychischer Erniedrigung. Eine Aussicht auf Entkommen gibt es nahezu nicht. Wie mit einem Schraubstock übt Michael Haneke Druck auf die Belastbarkeit des Zuschauers aus. Aus einem anfänglich gar biederen Streifen entwickelt sich "Funny Games", wenn man sich denn auf Hanekes unbequemen Stil einlässt, zu einem erbarmungslosen Miststück von Film, das keine Kompromisse kennt, das Tabus bricht; minutenlang und ungeschnitten die Fassungslosigkeit der Protagonisten einfängt und diese Bände sprechen lässt. Aus einem lauen Lüftchen wird geradezu ein Sturm auf die Bastille, hinter der sich unsere Psyche in Sicherheit wog. Und Michael Haneke kennt keine Gnade, sein "Funny Games" ist ein unmissverständlicher Angriff auf die Sehgewohnheiten und die Erwartungshaltung des Zuschauers. Nicht mittels grafischer Gewalt, die eventuell menschlichen Voyeurismus befriedigen könnte. Nein, im Kopf spielt sich das Grauen ab.
Unvermittelt spricht Paul zur Kamera gewandt, fragt, auf wessen Seite wir denn stehen würden, ob wir uns doch gewiss ein richtiges Ende mit plausibler Entwicklung wünschen? Aber ein solches lässt auf sich warten; stattdessen wird Haneke schier metaphysisch und pfeift in einer Sequenz auf das rational Erklärbare, indem er Paul die Zeit mittels der Rückspultaste einer Fernbedienung zurückdrehen lässt. Arno Frisch und Frank Giering verkörpern die zwei sadistischen Gestalten und erinnern dabei durchaus etwas an Alexander de Large und die seinesgleichen aus "Uhrwerk Orange". Aber nicht nur sie überzeugen; Susanne Lothar und Ulrich Mühe spielen Anna und Georg gleichfalls mit unnachahmlicher Intensität.
Das ist auch das Schlagwort, mit dem sich "Funny Games" am besten beschreiben lässt. Denn Michael Hanekes Werk ist unheimlich intensiv; psychisch grausam, auf eine bitterböse Art und Weise ironisch und sowieso in jedem Maße unkonventionell. Wahrlich kein Film für zartbesaitete Gemüter, sondern ein perfides Stück Zelluloid, das an die Grenzen des Erträglichen zu gehen vermag.