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Schon der Vorspann lässt erahnen, worauf es hinausläuft. Die sehr ruhige Autofahrt mit klassischer Musik wird mit dem Einblenden des Titels abrupt unterbrochen. Laut krachende Musik bricht sich Bahn und zerstört die Familienidylle. Die authentische Einführung in die Charaktere lässt das kurze Zeit später zu Beobachtende noch deutlich intensiver werden. Psychisch geht Regisseur Michael Haneke hier tatsächlich an die Grenze des Zumutbaren. Gewalt wird nur in Ansätzen gezeigt, brutal-blutige Bilder gibt es kaum, das Grauen spielt sich in der Vorstellung der Zuschauer ab, wird dabei aber mitunter durch den Ton unterstützt. Dabei wenden sich die Protagonisten sogar wiederholt direkt an den Zuschauer, der damit quasi zum Mittäter oder zumindest zum Voyeur der Taten wird. Diesem inszenatorischen Trick kann man sich kaum entziehen. "Funny Games" ist unheimlich gut gemacht. Die Darsteller spielen ihre Rollen durchweg glaubhaft. Aber auch filmtechnisch weiß Hanekes Werk zu überzeugen. Insbesondere nach der ersten großen Bluttat erleben wir eine ungemein lange Kameraeinstellung, die den Betrachter an der grausamen Situation teilhaben lässt. Die Verarbeitung der Protagonisten wird hier in Echtzeit erlebbar. Die Interaktion mit dem Zuschauer erfährt ihren Höhepunkt in dem Moment, wo einer der Verbrecher zur Fernbedieung greift, den Film stoppt und die Handlung nun ein Stück zurückspult. Doch in diesem Augenblick bricht der Film auch für einen Moment mit seinem realistischen Setting. - "Funny Games" ist ein Home-Invasion-Thriller erster Güte, der das Wort Psychoterror neu definiert. Teilweise kaum zu ertragen, aber filmisch und inszenatorisch ein Meisterwerk. - Haneke selbst erstellte zehn Jahre später ein US-Remake ("Funny Games U.S."), das eine 1:1-Kopie des Films darstellt, aber nicht ganz dessen Intensität erreicht.

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