Von iQIYI präsentierter Martials Arts Film im Period Piece Gewand, späte Qing-Dynastie, mit einem Gemetzel, einem Massaker begonnen, die Gesellschaft schaut nur zu und handelt nicht, ein Alleinsein gegen die Übermacht, der Tod des Vaters bleibt eindrücklich im Gedächtnis, ein Schuss aus weiter Ferne, trotzdem unvergesslich. Ein zwei Dekaden später einsetzendes Geschehen leitet die eigentliche Handlung ein, damals tiefste Nacht, heute grauer Tag, viel Arbeit für wenig Lohn, eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, ein Benehmen übel, ein Aufstand gewagt, ein plötzliches Kippen der Stimmung, der Kampf angesagt. Der Gewinn und der Frieden nur kurz herrschend, ein Hin und Her an Aufruhr und Niederschlagung, die ersten Fußtritte und andere Kicks gezeigt, die Gegner weit weg gestoßen, rückwärts oder seitlich:
Während einer Operation zur Aufklärung einer Entführung am Fluss trifft Peng Yiqiang [ John Zhang Jin ], der zwar kalt aussieht, aber ein ritterliches Herz hat, auf Zhuang Yue [ Cheng Yi ], eine Frau, die aus einem ausgeraubten Dorf flieht. Nachdem er die ganze Geschichte von ihr erfahren hat, kämpft er mit sich selbst und beschließt schließlich, sich mit seinen Brüdern Ma Ming [ Ning Huanyu ] und Lei Wu zusammenzuschließen, um gegen die Banditen zu kämpfen und die Dorfbewohner zu retten. Ein heftiger Kampf steht bevor.
In Zeitlupen wird das zuweilen präsentiert, in Aufmerksamkeit und Beachtung der Wirksamkeit, in Akzeptanz der Kampfkunst, in ihrer Realisierbarkeit, in der Akrobatik der Kombattanten, das Martial Arts gewürdigt, die vollendete Fähigkeit. Eine Planung wird anschließend gemacht, manche wollen zurück in die Heimat, manche weiter in der Ferne bleiben, ein Leben für jetzt oder Tag für Tag oder für die Ewigkeit, erst ein Geschehen am Hafen, dann in der Wirtshausstube, an Anheuern als Killer wird gefragt, ein Feilschen um den Beitrag. Cash wird verlangt, eine Vorleistung, keine reine Nachzahlung, eine Anzahlung, ein Armreif, die spätere Belohnung: ein Goldbarren. Das Geschäft übernommen, als Trio reisend und kämpfend, als bedingte Söldner gekennzeichnet. Eine Rückblende wird eingeflochten, eine Kausalität und Ursächlichkeit gezeigt, die Beweggründe des Geschäftes, ihre Ursprünglichkeit, die Motivation der Figur, die die 'Banditen' anheuert und die Art des Business, die einige Fragen aufwirft und ungewöhnlich ist und scheint. Diskutiert wird darüber, ein Disput entbranntet, eine Kardinalfrage gestellt, eine Bruderschaft infrage gestellt und Dinge, die darüber stehen, das Leben noch als wichtig angesehen, auch für andere Personen, nicht nur für sich selber, insgesamt in der Zivilisation hier, der Sozialisation, deren diversen Phasen und Ebenen, die diversen Parteien, die Szenarien. Die Geschichte ist nicht so einfach zu durchschauen, ein zweites Massaker in einer Teestube stellt eher mehr Fragen als Antworten, eine deutliche Brutalität, ausreichend in der Andeutung.
Mit Messern und anderen spitzen Gegenständen wird gerne gearbeitet, auch mit Schusswaffen, Koalitionen sind eher von kurzer Dauer und können sich ständig ändern, nur ein Fingerschnipsen weiter von freundlich gesonnen zu feindlich gestimmt und zurück, viel Leben gekostet, der Tod allgegenwärtig. Die Inszenierung versucht die Geschichte in aller Deutlichkeit zu erzählen, sie scheut keine Mittel und Wege, sie hält sich in kräftigen Ausdruck und gehaltvollen Bildern, sie stellt John Zhang in den Fokus der Erzählung, vernachlässigt die anderen Figuren aber nicht, sie nutzt auch einen Sidekick zur Auflockerung des zuweilen barbarischen Geschehens, sie bleibt dem Trio treu, drei unterschiedlichen Individuen, ein Führer und zwei Mitläufer, auf noch unbekannten Wegen, auf gefährlichen Terrain, mit einigen eindrucksvollen Bauten und die ausnutzenden Bildern. Zhang, der zuvor in Wild Blade of Strangers (2024) tätig war, und mal als Hoffnung des HK-Kinos galt, wenn auch nur kurz und mit ausbleibenden Ergebnis – Bitter Enemies (2017), Master Z: The Ip Man Legacy (2018) & Invincible Dragon (2019) – stellt sich hier in den Mittelpunkt der Handlung, aber nicht daraus hervor, er zeigt sich eingangs als Beobachter wie viele andere hier, nicht als Ideengeber, eine Schlacht im Walde um eine Handvoll Münzen als Belohnung lässt den Boden bluten und hinterlässt Berge von Toten; die Kamera agil, die Schnitte flink, dem Hauptdarsteller folgend. Eine Schau wird abgeliefert, dies auch so im Film erklärt, ein wenig Angebertum und ein leicht verwirrendes, eher über die Optik und das Rätselhafte wirkende Stück Film, ein Update der kantonesischen Wuxiá ab zumeist 1990 bis 1993, für den westlichen Zuschauer ein großes Fragezeichen, für den Einheimischen ein bekanntes Dasein. Materiell ein größeres Kuddelmuddel, formell ein hübsches Dasein, kräftige Töne, etwas auf finster getrimmt, auf duster gehalten, den Filter darübergelegt, für Streaming aber ein durchaus attraktives Ereignis.
"This show is all about the sills" wird zwischendurch gesagt, Rache noch mit das herausragendste Motiv, das versteht jeder, daran kann man sich entlang hangeln, dazu die Rettung einer Frau, die lieber sterben würde als eine Heirat einzugehen; auch das ist verständlich, zu viel sollte man nicht hineininterpretieren, als Ablenkung gibt es die Visualität (des Bergvolkes), die Dekoration, einige merkwürdige (Sekten)Riten und Statussymbole, zwischendurch wird auch die Emphase betont, dann ein Angriff aus dem Nichts, kurz nur, aber formvollendet (und gerne mal aus der Vogelperspektive) gehandhabt, dann wieder die Tragik im Zentrum, die einhergehende Dramatik und Dynamik. Ein "Live and Die together", das zwischendurch ausgehebelt wird, infrage gestellt, sich dennoch zu Dritt einem überlegenen Gegner gestellt, als Actionspektakel ehrwürdig, im Timing, in den Details, in der heroischen Musik, in einem längeren, eingangs auch schießwütigen, erstaunlich bleihaltigen Showdown über Verzweigungen, Blindspots und mehrere Höhenunterschiede hinweg.