Die italienische Abtei San Pietro en Valle verfügt über geheimnisvolle Katakomben, in denen sich im Mittelalter ein Schreckensszenario als Ergebnis eines verunglückten Exorzismus ereignete. Diese Rückblende in das 15. Jahrhundert, komplett in Latein gesprochen, ist viel besser als das, was man sonst so von Charles Band Produktionen gewohnt ist, gelungener Kerkerhorror mit viel Okkultflair und einem dämonischen Albino. Als dort in der Gegenwart die amerikanische Lehrerin Elizabeth Magrino eintrifft, um die unterirdischen Gewölbe und Gänge zu inspizieren (genauer wird ihr Besuch komischerweise nicht erläutert), sind manche Brüder wie der Hardliner Marinus nicht gerade erfreut darüber. Andere der Bruderschaft frönen dagegen ihren kleinen, allzu weltlichen Lastern, darunter Feodor Chaliapin Jr. aus "Horror Infernal" als Bruder Terrel, der im Sterben liegend nicht praktizierten Sex bereut. Man nimmt es in ihrem abgelegenen Domizil nicht allzu genau, trotz der Zeichen des Untergrundes und der Vorhersagen der jungen Seherin Angelica. Die mystischen Vorkommnisse unter der Erde sind atmosphärisch gelungene Sequenzen, die Regisseur David Schmoeller ("Puppet Master") in unnachahmlicher italienischer Art dieser Koproduktion kreiert, rustikale Kulissen mit christlichen Reliquien ausgestattet, Kapellen und natürlich Katakomben, die schön stimmungsvoll mit all ihren Gebeinen in Szene gesetzt sind. Motive, wie Blut, das aus der Wand fließt, sind sicher nicht der Grund für die Freigabe ab 18 Jahren, ebenso wenig die schwarzäugigen Dämoneninkarnationen. Dennoch hat "Catacombs" eine Reihe von gelungenen Spezialeffekten vorzuweisen, die nicht auf Splatter abzielen, sondern das teuflische Antlitz visualisieren sollen. Kameramann Sergio Salvati leistet eine gute Arbeit, etwas schade ist die ein oder andere Schwäche des Drehbuches, das, allen stimmungsvollen Einzelszenen zum Trotz, im Endergebnis nicht der große Knaller ist. Das reißt eklatante Löcher in den Spannungsaufbau, der immer wieder von beliebigen Einsprengseln unterbrochen wird. Enttäuschend verbirgt sich hinter dem ganzen Mysterium nicht mehr, als in vielen anderen Gruftschockern, das filmische Gesamtwerk bleibt hinter den Möglichkeiten zurück.
Fazit: Stimmungsvoller Abteihorror, der ohne große Geschichte auskommt, doch mit manchem Set unter der Erde positiv überrascht. 5/10 Punkten