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Ein älterer Schienenarbeiter wird mehr oder weniger versehentlich vom Zug überrollt. Er hinterlässt ein mittleres Vermögen, das allein seinem Adoptivsohn Janot in die Hände fallen soll. Der Rest der Bagage, seine drei leiblichen Töchter, geht leer aus. Als Janot jedoch auch auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, wittert Kommissar Greville ein Verbrechen. Doch im Zuge seiner Ermittlungen sterben die Verdächtigen weg wie die Fliegen…

TÖDLICHES ERBE ist ein relativ unbekannter Früh-Giallo, der durchaus eine Entdeckung wert ist. Viele Giallo-typischen Merkmale sind enthalten, wie z.B. kreischende Weiber, solide Spannung, ein schickes 70er-Jahre-Flair und eine tatsächlich überraschende Auflösung. Leider muss man ohne blutige Morde, bizarre Farben und Kameraeinstellungen und ein Mordinstrumente umklammerndes, behandschuhtes Patschehändchen auskommen. Auch der Grad der Nudity hält sich bei diesem Genre-Frühwerk noch arg in Grenzen. Dafür punktet der Film mit schillernden, charismatischen Charakteren: Eine BH-lose Blondine mit spitzen Brüsten. Eine olle Rothaarige, die, wie uns ein Sprecher verkündet, den erstbesten geheiratete, der ihr einen Antrag gemacht hat. Eine Brünette mit Uschi-Glas-Gedächtnis-Frisur, die eine dubiose Affäre mit dem Barmann pflegt. Adoptivsohn Janot, der Alleinerbe, der an irgendeiner seltsamen Behinderung leiden soll und das Erbe erst bei Volljährigkeit ausgezahlt bekommt. Lustigerweise wird eben seine Rolle von einem Schauspieler Mitte 30 verkörpert, bei dem bereits die Glatze durchschimmert. Wohl gemerkt, es sollte sich um einen Jugendlichen handeln.
Die Ermittlungen bestreitet ein hitzköpfiger, aber lässiger Inspektor mit schlecht sitzendem Toupet und hässlichen Socken. Die Morde sind einigermaßen ausgefallen gestaltet. Zwei werden vom Zug überrollt, einer in der Dusche mit einer Plastiktüre erwürgt, ein anderer mit dem Golfschläger erschlagen. Allesamt gänzlich blutleer. Zu bestaunen gibt es lediglich am Boden liegende Akteure mit Ketchup im Gesicht.

Obwohl Mario Bava bereits vier Jahre zuvor mit BLUTIGE SEIDE den Startschuss abfeuerte, war das italienische Frauenmörder-Genre noch merklich im Entstehen begriffen. Spätere Beiträge wie SCHÖN, NACKT UND LIEBESTOLL, DER KILLER VON WIEN oder DER SCHWARZE LEIB DER TARANTEL sollten etwas eindrucksvoller verdeutlichen, welchen Weg das Genre einschlägt. Von den späteren Argento-Klassikern DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE, VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT oder TENEBRE ist TÖDLICHES ERBE aber noch Lichtjahre entfernt.

Fazit:
Schicker, flott erzählter Früh-Giallo, der durchwegs Spaß macht. Besonders für Fans des Genres eine wahre Entdeckung.

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