Walerian Borowczyk gehört für mich zu den besten Regisseuren überhaupt. Er wurde im September 1932 in Kwilcz geboren. Zuerst arbeitete er als Artist und als Illustrator, schon bald einmal begann er erste animierte Kurzfilme zu realisieren.
Sein bekanntester Film dürfte CONTES IMMORAUX (vielen vermutlich besser bekannt als IMMORAL TALES oder UNMORALISCHE GESCHICHTEN) sein. Ursprünglich wollte Borowczyk LA BÊTE ebenfalls als kurze Episode in CONTES IMMORAUX integrieren, welcher dann bestehend aus insgesamt vier einzelnen Kurzgeschichten realisiert/veröffentlicht wurde.
UNMORALISCHE GESCHICHTEN sorgte damals für etliche Skandale und Schlagzeilen. Kein Wunder, wenn zum Beispiel in einer der Episoden der Papst in einer inzestiösen Dreiecksbeziehung involviert ist... Tja, aber THE BEAST schockierte damals das Kinopublikum kurze Zeit später sogar noch mehr...
Der Film beginnt mit einer kleinen "HC-Sexszene". Die beiden Hauptakteure sind jedoch ein Pferd und ein Hengst... Nur schon diese erste Filmpassage werden längst nicht alle Zuschauer gerne sehen.
Danach folgen einige Filmminuten, die manch ein Zuschauer bestimmt langweilig finden wird. Ja, es wird viel geredet. Aber die Dialoge habe ich nur ganz nur selten als langweilig empfunden. Und die tollen Aufnahmen, die schönen Locations, der passende Score usw. erzeugen bereits nach kürzester Zeit eine tolle Atmosphäre.
Im ersten Teil von LA BÊTE gibt es übrigens kaum Aufnahmen, die für Aufruhr sorgten. Einmal ist beispielsweise rasch ein (noch) recht gut durchbluteter Penis zu sehen, in einer anderen Szene vergnügt sich eine sexuell unbefriedigte Frau einem Bettpfosten.
Als dann aber die Bestie zum ersten Mal in Erscheinung tritt, wird durchaus klar, weshalb es damals während Aufführungen des Films in manchen Kinos zu regelrechten Tumulten kam... Ja, auch heutzutage würden manche Zuschauer mit Sicherheit aufgewühlt den Kinosaal verlassen.
Einzelne Sexszenen grenzen tatsächlich fast an Hardcore. Obwohl der riesengroße Penis des Tierwesens sowie das mehrmals sichtbare Sperma natürlich nicht echt sind, sind die verschiedenen Begegnungen zwischen der zierlichen Frau und der Bestie erstaunlich... Einerseits schockierend – aber irgendwie auch immer wieder ziemlich erotisch.
Diese Filmpassagen sind vollkommen anders, als diejenigen mit Monsterwesen in Trash-Exploitern wie zum Beispiel etwa GUTS OF A VIRGIN oder NECRO FILES. Es gibt eh nur sehr, sehr wenige andere Filme, die sich mit DAS BIEST vergleichen lassen (TANYA'S ISLAND zum Beispiel).
Für mich ist LA BÊTE ist ein skurriles Meisterwerk. Erotisch, interessant, einzigartig, anspruchsvoll.
Für viele Leute ist der Film jedoch völlig "ungeeignet".
10 Punkte