Review

Ich hab Die Bestie jetzt auch gesehen. Musste den Film erstmal sacken lassen und hab ihn mir gestern Abend dann noch ein zweites Mal angeschaut.

Der Vorfilm ist sehr interessant, gezeigt wird eine Art "psychedelisch-amphibisches Kamasutra" in pastellfarbenen Zeichnungen. Es geht um zweigeschlechtliche Wesen und gegenseitige Penetration/Befruchtung....strange, aber interessant. Und garantiert unter Drogeneinfluss entstanden. Dabei werden die Zeichnungen von einer Off-Sprecherin kommentiert, die die biblische Schöpfungsgeschichte auf ganz eigene Art und Weise interpretiert. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass dieser Vorfilm nicht nur auf die folgende Handlung des Hauptfilms einstimmen möchte, sondern sie auch "entschuldigt". Ich sehe den Vorfilm daher in zwei Funktionen: Als eine Art "Entschuldigung" und zugleich als Warnung für das, was kommen wird.

Die komplexe Handlung des Hauptfilms in Worte zu fassen, ist nicht gerade leicht. Es geht um eine geplante Hochzeit, die eine Partei um jeden Preis durchführen möchte, während eine andere Partei sie unbedingt verhindern will, da sie fatale Folgen haben wird. Diese Hochzeit mit einer reichen Tochter soll Haus und Hof vor dem finanziellen Ruin retten, auch wenn dabei jemand wissentlich auf der Strecke bleiben wird. Dieser Zwist sorgt für eine ständige Spannung, die Atmosphäre im Haus ist sehr aufgeladen, jeder will seinen Kopf durchsetzen. Dazu gesellt sich eine ziemlich gestörte Vater-Sohn-Beziehung (ein herrischer Vater und ein anscheinend sehr ängstlicher, sich minderwertig fühlender und leicht degenerierter Sohn) und jeder im Haus hat sein kleines Geheimnis, welches nach und nach gelüftet wird. Alle warten auf einen bestimmten Kardinal, der lt. Testament die Vermählung durchführen soll. Während sie warten, gerät die Situation langsam aus dem Ruder. Dabei springt der Film oft zwischen den beiden Ebenen Realität und Traum.

Ich wüsste nicht, wie ich die weitere Handlung von LA BETE umschreiben soll, ohne dabei kräftig zu spoilern (falls es im folgenden Text doch den einen oder anderen kleinen Spoiler geben sollte, möge man es mir verzeihen). Ein paar Anmerkungen will ich aber doch noch loswerden, denn manches ist mir besonders stark aufgefallen:

- Die Tochter des Hausherrn wirkt wie aus einer anderen Welt/Zeit. Frisur und Outfit passen so gar nicht zum restlichen Look und zur Ausstattung des Films und kamen mir vor wie ein Fremdkörper (z.B. die Einstellung bei ca. 31:20). Ich bin mir aber nicht sicher, ob sie absichtlich so "fremd" wirken soll oder ob es der Regisseur geschafft hat, mich an der Nase herum zu führen, indem ich mich (bis zum Erscheinen der Tochter) in einer völlig falschen, viel früheren Zeitepoche gewähnt habe. Im Haus scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, alles wirkt antiquiert. Vielleicht wirkt sie aber auch nur auf mich so sonderbar fehl am Platz. Sie hat zwei Kinder einer Freundin "im Gepäck", um die sie sich kümmern muss. Aber sie vergnügt sich lieber mit dem Hausdiener: wenn sie es im Bett treiben, sperrt sie die Kinder in den Schrank; liegen die Kinder schlafend im Bett, machen es die beiden halt im Schrank.  Der Regisseur gönnt den beiden (bzw. ganz allgemein den Menschen untereinander) aber keinen Höhepunkt, sie werden immer wieder unterbrochen, weil der Hausherr ständig nach dem Diener ruft (der u.a. mal sein Nümmerchen abbrechen muss, um der zukünftigen Braut eine Nachricht zu überbringen, die deswegen dann auch selbst bei der Selbstbefriedigung gestört wird). Irgendwie kommen die Frauen in diesem Film eh nie auf ihre Kosten, die Männer können "den Job" nicht erledigen (oder wollen erst gar nicht) und den Frauen bleibt nichts anderes übrig als die gute alte Handarbeit. Nur eine "Person" im Film bringt die ultimative Erfüllung.....

- Die deutsche Synchro der sehr naiven Lucy, ihrer versnobbten und zugeknöpften Tante und des Chauffeurs ist echt köstlich! Der (sicher gespielte) Akzent ist oftmals unfreiwillig komisch, vor allem der Chauffeur verdient besondere Anerkennung für seine herrlichen One-Liner wie z.B. "Shit, Bäume versperren uns den Weg" (ca. 18:15) oder "Entschuldigen Sie Madam, aber in Frankreich kenne ich mich noch nicht so gut aus" (ca. 21:30). Er klingt dabei wie der Chefkoch von South Park (deutsche Synchro), einfach der Hammer!

- Der Pfarrer, der sich um das letzte Hindernis vor der Hochzeit kümmern soll, erscheint in, naja, dubioser Begleitung. Diese beiden (zumindest optisch) völlig gegensätzlichen Jungs (Frisur und Kleidung) kam mir gleich seltsam vor, ein Verdacht kam auf, der sich bei ca. 35:30 dann auch bestätigte. Der eine Junge im "moderneren" Look wirkt dabei wie ein "Alibi" auf mich, er soll zwar ein sehr guter Sänger sein, singen hört man ihn aber nie. Heftig, dürfte der Kirche gar nicht gefallen haben.

- Das nicht wirklich überraschende Zitat der katholischen Filmkritik auf dem Cover ist natürlich eine tolle und kostenfreie Werbung für den Film *g* Mich würde aber mal interessieren, was die Kirche am meisten auf die Palme gebracht hat, da der Film ja eine breite Palette an Kontroversen bietet ("rassenübergreifender" Sex mit einer nimmersatten und beeindruckend oft/viel ejakulierenden Bestie in allen möglichen Stellungen, Vergewaltigung, Masturbation, Pädophilie, dazu die Szene gegen Ende des Films mit Lucy und ihrer Tante im Auto mit stark inzestuösem Charakter).  Mir ist aufgefallen, dass die Kirche in diesem Film ohnehin gewaltig ihr Fett weg kriegt, als hätte es der Regisseur darauf angelegt, der Kirche so oft es geht den Stinkefinger zu zeigen. Und das hat er auch geschafft, der bereits genannte Pfarrer mit seinen beiden Knaben schockt und auch der Dialog zwischen dem Kardinal und seinem Begleiter gegen Ende des Films kommt verdammt heuchlerisch, verlogen und pervers rüber. Zwar kann man den Dialog zwischen den beiden auch neutral und ohne Hintergedanken betrachten, aber ich glaube, so hat es der Regisseur nicht gemeint. Vor allem dieser kurze Dialog dürfte -neben dem Pfarrer mit seinen Buben- für die Kirche ein Schlag ins Gesicht gewesen sein.

- Eine Szene, die mich wirklich beeindruckt hat, ist die Eröffnungssequenz des Films mit den Pferden. Es ist nicht so, dass ich solch ein "Spektakel" noch nie gesehen habe, allerdings nicht in dieser Form. Das Sounddesign ist interessant, das Bild bleibt zuerst dunkel und das Wiehern der Pferde macht neugierig, man wird immer gespannter, was da wohl kommen mag. Die folgenden Bilder zeigen uns den puren Sexualtrieb, durch und durch animalisch, reine Kraft und Leidenschaft, alles sehr rasant montiert und durch die schnelle Abfolge von Schnitt und Gegenschnitt (erigierter Penis und pulsierende Vagina) äußerst dynamisch in Szene gesetzt. Was für ein wilder, saftiger Ritt.....

Ich hab lange überlegt, wie man den Film einordnen kann und mit welchen anderen Werken er sich vergleichen lässt, aber mir fällt kein passender Vergleich ein. Erotisch ist er auf jeden Fall, dabei manchmal auch gleichzeitig abstoßend. Ab und zu wurde ich irgendwie an Greenaways "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber" erinnert, was aber nicht auf die Handlung zurückzuführen ist, sondern eher -wenn ich mich nicht völlig irre- auf das beengte Setdesign (z.B. Farbgebung und Ausleuchtung). Das war es aber auch schon, weitere Vergleiche sind mir noch nicht eingefallen. Aber vielleicht kommt da ja noch die eine oder andere Eingebung in den kommenden Tagen. Ich werde den Film bald sicher erneut sehen, denn meine Freundin wollte ihn sich auch angucken. Das hatte zeitlich nicht geklappt, wird aber nachgeholt.

Die Essenz, die ich für mich aus diesem Film ziehe, sieht so aus: Der Regisseur hält uns vor Augen, dass Menschen für den Wohlstand über Leichen gehen, dass die Liebe zum Geld stärker sein kann als die Liebe zum eigenen Fleisch und Blut. Noch stärker präsentiert sich aber die Tatsache, dass das, was wir in unserer Fantasie bzw. in unseren Träumen begehren und genießen, sich nicht unbedingt mit der Realität deckt. In unseren Träumen ist alles möglich, aber würden unsere Träume Realität werden, wären wir oftmals eher angewidert als angetan. Das ist alles nicht neu, aber in LA BETE wird es uns ansprechend und auf ungewöhnliche Art dargestellt. Und hier spannt sich der Bogen zum o.g. Vorfilm, in dem uns erzählt wird, dass es nichts gibt, was anrüchig und "verboten" ist. Jetzt bleibt es aber jedem selbst überlassen, ob er diese Aussage auch auf die Realität oder lediglich auf Träume/Fantasien bezieht.

Die VÖ von Bildstörung selbst präsentiert sich in wirklich schickem und aufwendigem Design. Die Firma hat da einen tollen Grafiker an der Hand, Respekt! Das Layout des gesamten Pakets (Schuber, Discs usw.) ist wirklich gelungen. Hübsch auch das Cover im Amaray, welches durch seine airbrushige Art hervorragend zum Artwork auf dem Schuber passt. Die Extras habe ich noch nicht angeschaut und das Booklet auch noch nicht komplett gelesen, bisher nur den letzten Teil, in dem der lange und hindernisreiche Weg von LA BETE interessant beschrieben wird.

Sehr schön, so etwas wünscht man sich bei jedem kontroversen Film! Die letzte Seite des Booklets möchte ich noch ganz besonders erwähnen, sie spricht sicher den meisten Fans aus der Seele.

LA BETE reiht sich hervorragend in das Line-Up der Bildstörer ein. Wer mit den bisherigen Drop Outs etwas anfangen kann, wird auch an diesem Film seine Freude haben. Also nichts wie ran an die Limited Edition, bevor sie vergriffen ist!  Autor: dvtom

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