Vorübergehend Abkehr bzw. Auszeit von Regisseur James Nunn und seiner bald auf eine Trilogie anwachsenden One Shot - Reihe (2021/2024/2026), eine Rückkehr zu den übersichtlichen Werken um Eliminators (2016), The Marine 5; Battleground (2017) und dessen Fortsetzung The Marine 6: Das Todesgeschwader (2018), ohne Gimmicks in der Auswahl der filmischen Mittel und mit Einfachheit in der Gestaltung. Nunn hat sich die letzten Jahre mit seinen Bemühungen im Genre durchaus Freunde und einige kleinere Reputation geschaffen, ein Mann des Handwerkes, aber nicht ohne erweiterten Interesse für mancherlei Besonderheiten im Ausdruck und der präzisen Akzentuierung seiner Werke, hier vertreten mit einem der durchaus zahlreichen Girls with Guns - & "You're dangerous female" Flicks jüngerer Natur und dem Versuch der Gleichschaltung und Beibehaltung derer Natur und Tradition, ein Schwimmen im Meer derlei Konstrukte und das Bemühen um ein Herausstechen der Position. Die Besetzung dafür hat er, ansonsten sind die Mittel der Wahl derzeit gegeben und gleichzeitig eingeschränkt, das Gattung B-Action gleichermaßen beliebt wie verfeindet wie tot gesprochen und im allgemeinen Niedergang rezensiert. Präsentiert von Capstone Pictures mit mancherlei kleineren Firmen und Studios, Capstone Global als Produzent in der Herausstechung, dazu eine entsprechende Vorgehensweise und die folgerichtige Einleitung. In die Londoner Unterwelt und deren Kriminalitätsgeschehen wird gegangen, allerlei Gefahren für die Gesellschaft inklusive deren Schutz, der Polizei, dazu eine Rückblende dargeboten, die Geschichte erst von mittendrin an und dann von vorne erzählt. Waffen werden gezückt und gespannt und zum Anschlag erhoben, eine deutliche Ansage, eine Herausforderung für die Personen in ihr, ein striktes Vorgehen in grober Art und Weise, nicht gänzlich ohne Eleganz und Belang. Eng die Gassen, tief die Schluchten, schwer die Akzente, schwer das Arsenal, einfach die Farben, ein geplanter Überfall als Beginn und die präzise Umsetzung, "I Need back-up", eine simple Formel des Genres in der Ausgestaltung, vieler Brutalitäten mit etwas Humor geschmückt, ein Safe wird geknackt und die Opponenten ausgeschaltet, Tritte an den Kopf und in das Gesicht:
Ein ehemaliges Black Ops - Team, angeführt durch Ada [ bemüht überfordert: Kate Beckinsale ] und verstärkt durch Roman [ bemüht unterfordert: Lewis Tan ], Edward [ Rasmus Hardiker ], Curtis [ Bailey Patrick ] und Galloway [ Tom Bennett ] sieht sich aufgrund mehrerer pressierender Umstände gezwungen, einen Raubüberfall durchzuführen und anschließend in den Untergrund des umkämpften London abzutauchen, wobei sie in die Aufmerksamkeit von Christina White [ Alice Krige ], Cia [ Mathilde Warnier ] und Frasier Mahoney [ Charles Dance ] geraten, sowie generell den kriminellen Horden; Ada hat dabei am Meisten zu verlieren, wurde doch ihre Tochter Charlotte [ Isabelle Moxley ] als Druckmittel entführt.
Kleinerlei handgemachte Explosionen erfreuen das Herz des Zuschauers, das Milieu eine Abwechslung zu amerikanischen Szenerien, dazu ein paar Leute in der Besetzung, die Möglichkeiten bieten und umsetzbares Potential, keine Großmacht- und Vormachtstellung, eher drei Namen auf dem Cover als Hinweis in der Interpretationen des Geschehens. Dieses ist im Grunde klein und gleichermaßen auf Länge gehalten, es gibt mehrjährige Rückblenden, die nicht wirklich mehr Informationen bieten, aber die Handlung anfüllen und eine Charakteristika versuchen, dazu Lewis Tan in einer der Hauptrollen mit gestählter Figur und hervorstechenden Muskeln. Beckinsale ist fast eher ein Nachteil des Ganzen, zuletzt zu verankert in der Herkunft der Story, hier nun eine weitere Ergänzung, eine Hinzufügung der zuletzt stattfindenden oder nicht stattfindenden Karriere, ein Gang weiter im Durchschnitt verglichen zu früheren Höhenflügen, mit farblosen Einerlei, dazu ein "10 years before the heist" und ein "10 days before the heist", eine narrative Komponente, die nicht wirklich sein muss, aber nun mal vorhanden ist und ausgespielt wird.
Nunn, der sich eher auf die Schwierigkeiten seiner One Shot - Trilogie und speziell des Abschlusses The Last Shot konzentrieren wird und hier die Ereignisse aus dem Ärmel schüttelt, fokussiert sich dabei auf die Umsetzung in aller Einfachheit, das Crime Drama mit in der Funktion, das "10 Hours before the heist" als Bereitstellung der Prämisse, keine feste Chronologie, ein Spiel mit Zwängen und Gewalt, ein Ansetzen von Hebeln und Einsetzen von Drohungen und Bedrohungen, die Sätze Hauptsätze und in den Raum geworfen, Blut auf dem Kuscheltier der kleinen Tochter als deutlicher Verweise, ein "how the fuck?" als Zusammenfassung. Schulden und Schuld und Sühne mit in der Behandlung, ein Suchen nach Chancen und Potentialen und Optionen, die Handlungsmöglichkeiten begrenzt, da vorgegeben von der gegenüberliegenden Seite, ein auf das Tempo gehen mit einigen Zwischenstopps und Ausweichmanövern, der Heist im Zentrum des Geschehens für die ersten langen Minuten, das davor und das danach und das mittendrin. Ein bisschen Richtung Guy Ritchie wird geschielt, nicht so raffiniert und nicht so bunt und manieriert, die billige Alternative dessen und der Zwischensnack mit ähnlichen mess und mayhem, dazu das violente Milieu von London als Hintergrund, mit No-Go Zonen und hervorscheinenden Gangster-Manierismen, viel harte Sprüche und ebensolche Aktionen. Schimpfwörter wechseln sich ab mit Versprechungen und Absprechungen, die zuweilen gebrochen werden und zuweilen gehalten, eine überraschende Autodetonation als Ausrufezeichen, ein Leben als Kampf von Druck und Oppression. Beckinsale spielt dabei wie zuletzt immer, die Sichtweise des Zuschauers ist eher auf Tan und dessen Darstellung, auf dessen Bewegung in ungewohnter, eben eher an The Marine 5 und dessen Belagerung durch eine Gang erinnernder Umgebung, erstes Maschinengewehrfeuer der Einheimischen gegen die ungewollten Eindringlinge, die ersten Verletzten und weitere Tote.
"That's an order." als Ansage der Gefahr, eine Fokussierung auf das zunehmend dunkler und schmutziger werdende Setting mit seinen Schusswechseln und Nahkämpfen, teilweise auch in Einzelaufnahmen und längerer eingefangenen Situationen. Zwischen Licht und Schatten die Bilder und der Film, eine Frau sich wehrend und bewährend in der Männerwelt, mögliche Eingriffe von außen nach innen und umgekehrt, viel Geschreie, einige Ohrfeigen, ein Versteckspiel und mancherlei Offensivität im Enemy Territory, "What the fuck" als Beschreibung der Situation und als Zusammenfassdung. Vorgegangen wird dabei wie im Rollenspiel, ein Level nach dem anderen mit mancherlei Cut-Szenen als Zwischenstück zur Anreicherung, mancherlei mögliche Auswege und Ausweichmanöver, die die Nunnschen Vorgänger nicht hatten und nicht zeigen konnten oder vermochten oder wollten, eher das Letztere, da hier recht als Füllmaterial und Ablenkung. Ein anhaltendes Kriegsgebiet mit Blut und Opfern, auch Unschuldige unter den Zielen und ohne Option. Ein auf Dauer eher abschreckendes Gebaren, permanent operante Störungen und Reize setzen als Hintergrund der Produktion, die ihr Geld in der Sichtbarmachung und Scharfmachung der theoretisch geradlinigen Handlung anlegt und in der konkreten Umsetzung. Schuldzuweisungen und Ausreden und Qual und Folter zum Vergnügen der hier lebenden Figuren, ein Kampf Böse gegen Böse mit einigen Abschattierungen, Gewalttätigkeiten als Lebenszeichen, eine stoische Anhäufung von Leichen plus über dem Fernseher laufende, die Unruhezustände beschreibende Kommunikationen. Ruhe wird gesucht in niederen Wohnungen, in dusteren Behausungen und ungeplanten Hinterhalten, eine Hetzjagd mit Interaktionen, "a Little bump in the road" plus "sorry, what's all this?", die Pistole erhoben und als Verlängerung des Armes genutzt. Ein Stop-and-go mit Streßmomenten, Tan als Fels in der Brandung und Aufmerksamkeitszeichen, die Straßen aufgewühlt, die Menschen Unruhestiftend und protestierend, Erinnerungen an frühere Zeiten wie den vergleichsweise bunten und das Action-Entertainment in den Vordergrund schiebenden Riot ak.a. Night of Terror (1996) weckend, hier leider mit Zuviel Schwerpunkten auf der nackten Vitalität als den kunterbunten Martial Arts Destruktionen. Auch wenn die Sonne aufgeht ist es dunkel im Geschehen, eine Auseinandersetzung im finsteren Parkhaus, etwas belebende Normalität im verhältnismäßig helllichten Pub, ein Geldmangel in der Produktion und im Materiellen und Formellen mit einigen Lichtblicken in der Finsternis, mit schwarzem Humor und Panoramaaufnahmen der englischen Metropole als Hintergrund.
Dass die weitere Gesellschaft als ebenso Rahmen der Brutalität gezeichnet wird wie der Kern der Story, macht diese dabei durchaus interessant in der Interpretation, eine weiterführende Schleife der Kausalität, ein Aufgeputscht sein der Society, dazu etwas psychische Analyse und physische Looney Tunes - Konfrontation. Alleingänge werden später gemacht, anfangs streng die für einen Moment zusammengeschweißte Crew, das unfreiwillig vorgehende Team betrachtet, Auseinandersetzung um Auseinandersetzung mit dem Fuß auf dem Gaspedal, ein Lärm um des Lärmes willen, welches mehr abschreckend wirkt als anreizend, trotz Übersicht in der Inszenierung angenehm trockener und dennoch oder deswegen wirkungsvoller Shootouts und dem Hervorheben von Stunts in der Darreichung, ein aufgrund ihrer aufdringlichen Penetranz ab- und überstumpfenden Machtdemonstration, ein ständiges Hämmern auf Fleisch und Beton, eine anstrengende Desaster-Mischung aus Sadismus und Masochismus und Verzweiflung und strong/bloody violence, außer Kontrolle geratend, ein Stochern im Abschaum, ein Pulen in Wunden, ein Madness in the Method, in schwarzroter Ausgestaltung.