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Innerhalb eines Überlebenskampfes auf offener See zu treiben, ist verdammt undankbar für die Betroffenen, denn man ist weitgehend zur Passivität verdammt. Regisseur Joe Carnahan, der mit Beiträgen wie „The Grey – Unter Wölfen“ und „Boss Level“ positive Resonanz erfuhr, lässt sich leider auch inhaltlich ein wenig treiben.

Im Februar 2009 brechen die vier befreundeten Footballspieler Nick, Marquis, Will und Corey zum Hochseefischen im Golf von Mexiko auf. Als sie den Anker nicht lichten können, ist es bereits zu spät: Das Boot kentert und man muss sich am Rumpf festhalten, um nicht zu ertrinken. Zudem zieht ein starker Regensturm auf…

Die Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten, wodurch man davon ausgehen kann, dass wenigstens einer der vier überlebte, um den Stoff zu dokumentieren. In der Einführung kommt das Quartett recht sympathisch rüber. Alle vier trainieren offenbar regelmäßig, man trifft sich auch privat, haut sich lockere Sprüche um die Ohren und anbei lernt man Teile ihrer Familie kennen.

Bereits nach kurzer Zeit auf hoher See und rund 70 Meilen vom Festland entfernt, ereignet sich schließlich die Tragödie, welche mit etwas Vorausschau zu verhindern gewesen wäre. In Anbetracht der nahenden Schlechtwetterfront wäre es zumindest klüger gewesen, die Ankerleine zu kappen, anstatt mit aller Macht daran zu zerren, wodurch das Boot schließlich kippt. Allerdings sammeln sich die Treibenden recht schnell, um sogleich rationale Schritte einzuleiten und nach dem Wesentlichen unterhalb des Rumpfes zu tauchen.

Die Prämisse, die unweigerlich an Pendants wie „Open Water“ erinnert, ist letztlich in drei parallel ablaufende Handlungsstränge aufgeteilt, wobei eine vage Timeline mit Stundeneinblendungen hilft, die zeitlichen Abläufe einzuordnen. Neben dem Überlebenskampf gibt es die Bemühungen seitens der Küstenwache, aber auch die Situation bangender Familienmitglieder, wobei jener Punkt zuweilen mit arg sentimental anmutenden Passagen einhergeht.

Während die Kamera stets auf Augenhöhe arbeitet und auch mal unter Wasser taucht, hält sich der Score über weite Teile zurück, wogegen er für einige Passagen auch mal die Umgebungsgeräusche überdeckt, um die Gesamtsituation in angemessene Klänge zu verpacken. Darstellerisch wird vor allem physisch gefordert, denn von allen Seiten im wahrscheinlich nicht ganz so angenehmen Nass zu agieren und immer wieder vom Rumpf gespült zu werden, dürfte mit einigen Anstrengungen verknüpft gewesen sein.

Leider zieht sich die Chose an nicht wenigen Stellen merklich, zumal die Prämisse auf Dauer nicht allzu viel Abwechslung generiert. Zwar werden zwischenzeitlich etwa die Symptome einer Unterkühlung recht anschaulich dargestellt und zwischen Bangen und Hoffen tauchen sogar kurzfristig zwei Haie auf, doch speziell gegen Ende mangelt es an Suspense und mitreißenden Aktionen. Rund zwei Stunden Laufzeit sind definitiv zu ausladend für die im Grunde simple Geschichte.

Inszenatorisch kann man dem Überlebensdrama nicht viel vorwerfen, da die Szenerie authentisch rüberkommt und die Unbarmherzigkeit der rauen See durchaus zu spüren ist.
Jedoch weicht man zu häufig vom eigentlichen Kern ab, viele Szenen gestalten sich zu lang und am Ende fesselt der Stoff trotz wahren Hintergrunds nur bedingt.
5,5 von 10 



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