Hochbegabter „Schüler“ aus unterprivilegierter Schicht wird von unkonventionellem „Lehrer“ auf den rechten Weg gebracht. „Ach, nix neues.“, werdet ihr sagen. Aber im Unterschied zu wirklich missglückten Varianten dieses oft zitierten Themas, wie z. B. „“Dangerous Minds“, weiß dieser erstaunlich englisch inszenierte US-Film „Forrester - Gefunden“ durchaus zu überzeugen.
Vieles an „Forrester - Gefunden“ erinnert an den Film „Good Will Hunting“ und das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn beide Filme stammen vom gleichen Regisseur Gus van Sant, dessen erster großer Erfolg „My private Idaho“ war. Nicht nur das Thema des Films ist das gleiche, sogar einzelne Szenen werden nahezu 1:1 übernommen. So gibt es in „Good Will Hunting“ eine Szene, in der Will (gespielt von Matt Damon), einem arroganten Studenten einen Blitzvortrag hält. Eine ähnliche Szene gibt es auch in „Forrester – Gefunden“, in der Jamal (das ist der 16-jährige schwarze hochbegabte Schüler aus der Bronx) einem offensichtlich arroganten Schnösel, der sehr stolz auf seinen BMW ist, in gestochen scharfen Worten und ohne Punkt und Komma die Geschichte des BMW erläutert.
Dieser Jamal wird von seinen Basketball-Kumpels dazu angestachelt, in die Wohnung eines in der Nachbarschaft wohnenden Sonderlings einzusteigen. Natürlich geht die Sache schief und er wird erwischt. Auf seiner Flucht vergisst er seinen Rucksack, in dem Jamal von ihm selbst verfasste Schriftstücke mit sich führte. Auf amüsanten Umwegen bekommt Jamal seine Schriften zurück, allerdings in scharf korrigierter Form. Es stellt sich heraus, dass es sich bei dem Einsiedler um William Forrester handelt, einen ehemaligen Schriftsteller, der sich nach Veröffentlichung seines brillanten Erstlings aus unbekannten Gründen völlig aus dem öffentlichen Leben zurückzog. Die Figur des William Forrester ist übrigens an dem amerikanischen Schriftsteller J. D. Salinger orientiert, der sich ebenso sehr früh vom Schreiben zurückzog. Ganz langsam kommen sich die beiden völlig unterschiedlichen Menschen über das Schreiben näher. Auch auf seiner Schule wird man auf das außergewöhnliche Talent von Jamal aufmerksam und er bekommt das Angebot, auf eine Privatschule in Manhattan zu wechseln. Allerdings wollen sich die Verantwortlichen dieser Schule vor allem das große Talent Jamals bzgl. Basketball zu nutze machen. Auf der Schule bekommt er es dann noch mit einem fiesen Professor zu tun. Ach, ja, und dann gibt es da ja noch die zarte Bande mit einer weißen Mit-schülerin ...
Es gibt viele Punkte, die für „Forrester - Gefunden“ sprechen. Da sind die wunderschönen Bilder, z. B. als Forrester sich das erste Mal seit 20 Jahren auf sein Fahrrad schwingt und durch das nächtliche Manhattan fährt. Der Film ist nie kitschig oder patriotisch und wartet mit einem erstaunlich unspektakulären, aber sehr wirkungsvollen Ende auf. Ein weiteres großes Plus sind die ausgezeichneten Schauspieler, z. B. Anna Paquin (Oscar für „Das Piano“) als Jamals Freundin Claire, F. Murray Abraham (Oscar für Amadeus“) als fieser Professor und Sean Connery (Oscar für „Die Unbestechlichen“), der lange nicht mehr so gut war, wie in diesem Film. Die größte Entdeckung des Films ist allerdings der Debütant Rob Brown, der für die Rolle nur vorsprach, um Handy-Schulden bezahlen zu können, in der Rolle des Jamal. Er bewältigt den Spagat zwischen coolem Street-Basketballer und hochtalentiertem Schreiber hervorragend. Und dann gibt es da noch ein überraschendes Cameo, d. h. den Kurzauftritt eines großen Filmstars, der nicht im Abspann genannt ist. Findet ihr heraus, wen ich meine? Ein Hinweis gibt’s in diesem Artikel.
Langer Artikel – kurzer Sinn: „Forrester gefunden“ – „Film gut“!