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Wo Jamal wohnt traut sich nach Anbruch der Dunkelheit nicht einmal die Polizei hin: mitten in der Bronx. Heruntergekommene Häuser, eine Schule die ihrem Namen keine Ehre macht - der 16jährige Schüler hat keine sonderlich guten Zukunftsaussichten. Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen sucht er wenigstens nach Anerkennung bei seinen Freunden, was ihm beim Basketballspielen gelingt. Doch noch andere Talente schlummern in dem jungen Mann: außerordentlich intelligent und wortgewandt könnte er in der Schule weitaus besser sein, doch weder die Schule kann ihn fördern noch traut er sich dies vor seinen Freunden, aus Angst als Streber da zu stehen.

Eines Tages kommt eine besondere Mutprobe auf Jamal zu. In einem Wohnblock wohnt ein seltsamer zurückgezogener Mann, nur selten kann man sein Antlitz hinterm Fenster entdecken. Aus seiner Wohnung entfernt er sich nie. Alles was er zum Leben benötigt bekommt er gebracht. Jamal muß nun Mut beweisen und in dessen Wohnung einbrechen, einen Gegenstand als Beweis mitbringen. Doch alles geht schief: als er in der Wohnung ist wird er von "Fenster", wie der alte Mann genannt wird, entdeckt. Er flüchtet Hals über Kopf und vergißt dabei seine Schultasche in der Wohnung. Doch der Mann gibt sie ihm am nächsten Tag zurück.

Jamal beginnt sich für den Mann zu interessieren und kehrt zu ihm zurück. Eine Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Personen beginnt. "Fenster" ist William Forrester, ein abgehalfterter Schriftsteller mit einem einzigen Erfolg. Danach hat er nie wieder geschrieben. Sean Connery verkörpert diese seltsame Persönlichkeit auf gewohnt hervorragend dominierende Weise, bei der Rob Brown keine Chance hat und verblasst. Er wird förmlich von Connery an die Wand gespielt. Das ungleiche Paar nimmt man den beiden nicht nur vom Plot her ab sondern auch von deren schauspielerischen Qualitäten.

Brown versucht seine Sache gut zu machen, keine Frage. Insbesondere in der Umgebung seiner Schule und mit seinen Mitschülern kann er glänzen und sein Können ausspielen. Gus van Sant muß sich aber schon die Frage gefallen lassen, ob er sich ewig den Hauch von "Good Will Hunting" anhängen lassen will - mit diesem Film gelingt ihm eine Distanzierung in keinster Weise, zu sehr schwimmt "Forrester" im gleichen Dunstkreis, auch wenn es sich um einen vom Plot her eigenständigen Film handeln mag.

Die Szenerie ist von Klischees geprägt, das Vokabular der Protagonisten entsprechend. Zahlreiche Themen werden angesprochen "weil es die political correctness erfordert" - nicht weil es der Handlungsabfolge dienlich ist. So verkommt der Film in weiten Teilen zu einem großen erhobenen Zeigefinger, der mahnend zu uns sagt: Rassismus ist tabu, seid tolerant, liebe Schüler strengt euch an, benehmt euch. Ohne Connery würde "Forrester" wohl keine so große Beachtung geschenkt, ist der Sir doch genau das Quäntchen Seriosität, das diesem Film ansonsten fehlen würde.

Vieles klingt unglaubwürdig, die Charaktere sind zu entwickelt, zu starr. Sie wirken kopflastig und nur auf dem Papier existent und nicht real, nachvollziehbar, authentisch. Dem Drehbuch wurde die Aussage oktroyiert, anstatt diese zu entwickeln und subtil einfliessen zu lassen. Schade - übrig bleibt aber immer noch ein gutes Stück der Unterhaltungsindustrie, das sich positiv vom Hollywoodramsch absetzen kann. Kopfkino in Kinderschuhen.

(6/10)

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