Ein sich der Kunst verpflichtet fühlender Junge, dessen Talent sich jedoch nicht mit den sozialen Zwängen, die ihn umgeben, vereinbaren lässt - "Forrester-Gefunden" strebt es offensichtlich an, eine modernisierte Version von Peter Weirs "Club der toten Dichter" zu sein.
Wie der dortige tragische Held Neil, der seiner Liebe zum Schauspiel und zu der Dichtung frönen will, von seinen Eltern aber genötigt wird, Medizin zu studieren und schließlich im Selbstmord endet, steht auch Jamal (Robert Brown), der Protagonist aus "Forrester-Gefunden", zwischen zwei Welten: er ist 16, schwarz, kommt aus armen Verhältnissen, spielt Basketball, unterscheidet sich durch seine Liebe zur Literatur jedoch grundlegend von seinen Freunden aus der Bronx. Als der Hochbegabte ein Stipendium für eine Eliteschule erhält, gerät er an den Literaturlehrer Crawford (F.Murray Abraham), der höchst offensichtlich dem Teenager geistig unterlegen ist und der ihm nicht glaubt, derart hochqualitative Texte schreiben zu können.
Die Diskrepanzen zwischen Kreativität und der Lehre von Künsten in der Schule werden hier ähnlich wie im "Club der toten Dichter", wo der revolutionär agierende Lehrer Keating alias Robin Williams seine Schüler auffordert, die erste Seite eines Buches, auf der eine Methode steht, die Qualität eines Gedichts mithilfe eines Koordinatensystems zu analysieren, herauszureissen, veranschaulicht: da Crawford dem jungen Jamal nicht zutraut, seine Texte ohne fremde Hilfe zu verfassen, fordert er ihn auf, einen Aufsatz unter Aufsicht zu schreiben - was natürlich zum Scheitern verurteilt ist; genauso übrigens wie der Versuch, idealistisch angehauchte Künstlerphilosophien in einen eklektizistischen Mainstream-Film mit dem Rapper Busta Rhymes in einer Nebenrolle zu verpacken.
Jamal freundet sich mit dem zurückgezogen lebenden Autor William Forrester (Sean Connery) an, dessen Charakter angeblich an den J.D. Salingers angelehnt ist, dessen erstes und einziges Buch "Der Fänger im Roggen" umgehend zum Bestseller avancierte, doch ist das, was in den exzessiven Schreib-Orgien der beiden an Künstlerideologie kundgetan wird, derart leer und klischeehaft, dass man dem Film fast schon den selben Vorwurf machen möchte, wie er im Film dem verbitterten Lehrer Crawford gemacht wird, der aufgrund seines Misserfolgs als Autor als Lehrer von Literatur predigt, ohne jedoch selbst ein Gespür für die großen Künste zu haben. "Forrester-Gefunden" tut so, als trage er die Essenz literarischen Schaffens in sich, entpuppt sich aber als Mogelpackung.
Das Geheimnis des Schreibens wird nur angekratzt, stattdessen fühlt sich Regisseur Gus van Sant verpflichtet, Jamal unbedingt zusätzlich zu seiner Affinität zur Literatur Basketball spielen zu lassen, was absolut unnötiger Popcorn-Ballast ist - das Spannungsmoment zum Schluss des Filmes wird dann auch durch die Frage gebildet, ob Jamal in einem entscheidenden Spiel seinen Freiwurf versenkt. Zu allem Überfluß installiert van Sant auch noch eine im Leerlauf durch die Handlung eiernde Liebesgeschichte ohne Ausgang, die eher in American Pie-Ästhetik herkommt.
Um noch einmal den Vergleich mit dem "Club der toten Dichter" zu bemühen: den Anspruch und das inszenatorische Feingefühl dieses Filmes ersetzt van Sant durch schematisch wirkende Zeitgeist-Standards.
Unterhaltsam ist das alles natürlich ohne Zweifel, doch erscheint dieser Film fast schon verlogen mit seiner Vortäuschung, an die Kraft der Kunst zu apellieren und der Tatsache, selbst keinerlei künstlerischen Nährwert zu besitzen. Die Tatsache, dass die Charaktere schludrig gezeichnet sind, tut sein übriges. Eine Entwicklung im Verhältnis von Jamal und Forrester ist kaum zu vernehmen, stattdessen fängt Forrester plötzlich an, Jamals Jugendsprache zu übernehmen und reist zum Schluss urplötzlich in seine schottische Heimat. Doch da zuvor vergessen wurde, auf diese Wendung im Charakter des William Forrester hinzuarbeiten, berührt dieser Schluss in keiner Hinsicht.
Bei der ersten Begegnung zwischen Forrester und Jamal fordert der alternde Autor seinen "Schüler" übrigens heraus, indem er ihn mit der leidigen Anmerkung konfrontiert, dass Jamal schwarz und "trotzdem" talentiert sei - doch dieser plumpe Kritikansatz entlarvt auf unfreiwillige Weise nur die drastische, alle Extreme abdeckende Charakterzeichnung Jamals (schwarz, arm - hochbegabt, sportlich), die exemplarisch für die Plakativität von "Forrester - Gefunden!" ist.
Beleidigend für alle, die sich ernsthaft mit dem Thema Kunst und speziell Schreiben beschäftigen und ein echtes Ärgernis.