Revolver diskutieren nicht (1965) von Lesley Selander
...1879 - Tom Rosser (Dana Andrews) ist Sheriff von Broken Lance (Kansas) und weiß, wie man für Ruhe und Ordnung sorgt, was ihm einen Ruf als Revolverheld und "Städte-Bändiger" einbringt. An seinem 5. Hochzeitstag jedoch wird seine Frau Carol bei einem Attentat getötet, das eigentlich ihm galt. 2 Jahre später begibt er sich nach Great Plains (Montana), wo ihm der Eisenbahngesellschafter James Fell (Barton MacLane) für einen bestimmten Auftrag anwirbt. Dort trifft er dann auch auf den Killer seiner Frau und denjenigen, der ihn beauftragt hat. Dieser übt allerdings großen Einfluss auf den hiesigen Sheriff, seinen Deputy, den Stadtrat und den Richter aus. Und skrupellos wie er ist, versucht er jetzt Rosser mit allen Mitteln loszuwerden. Es entbrennt ein Kampf um Rache und Machterhalt, bei dem es nur einen Sieger geben kann...
Dana Andrews spielt hier sehr überzeugend den verbitterten, aber auch zielstrebigen Ex-Sheriff Tom Rosser, der mit der Rache für seine Frau ein Kapitel schließen will, sich aber gleichzeitig auch nach einem neuen sehnt. Ferner geben Lyle Bettger, DeForest Kelley und insbesondere Bruce Cabot diesem Film die entsprechende Würze - Hut ab!
Rache also diesmal auf amerikanisch - ein Thema, das man ja häufig in Italowestern findet. Hier ist die Rachestory nicht unbedingt komplexer, aber irgendwie aufwendiger gestaltet. Zudem beinhaltet sie eine interessante Wendung. Ähnlich wie Jon Cassar mit "Forsaken" (2015) schaffte es Lesley Selander, den ich hauptsächlich als Regisseur kleiner, aber actionreicher Kavallerie-Western kenne, mit "Revolver diskutieren nicht" Emotionen freizusetzen und das Publikum mitzureißen.
Auf der Rückseite des DVD-Covers wird die Meinung von "Vienna's Classic Hollywood" zitiert:
"Actionreicher, schneller Western mit vielen bekannten Western-Stars".
Zwar keine Ballerorgie, aber ja - die Action kommt hier nicht zu kurz! Viel schöner und vor allem beeindruckender ist aber, dass sich mit dieser Action zunächst solch eine Wut über die Bösewichte aufbaut und dann später wieder entläd. Ach, das war was Feines!
Obwohl oder vielleicht gerade weil dieser Streifen so zügig und kurzweilig inszeniert ist, fehlen ein paar Spannungsspitzen. Auch waren nicht alle provokanten Szenen "giftig" genug. Aber vielleicht bin ich auch in diesem Punkt durch "Forsaken" etwas verwöhnt worden, den ich erst vor Kurzem angeschaut habe!? Für volle 10 Punkte hätte jedoch mindestens die Filmmusik etwas besser ausfallen müssen, sodass ich letztendlich "nur" 9 Punkte vergeben kann. Ich möchte an dieser Stelle aber ausdrücklich nochmal den Spaß und den hohen Unterhaltungswert dieses Films hervorheben!
Leider findet man "Revolver diskutieren nicht" auf der DVD VÖ von "Edel Germany" in einer ganz schlechten Verfassung! Ich will nicht behaupten, dass Edel den Mist verbockt hat, aber der Film hat auf jeden Fall eine bessere Qualität verdient! Laut den technischen Details auf imdb.com müsste das Bild im Format 1:2,35 sein, stattdessen wurde es auf Vollbild 4:3 gezoomt und dadurch fehlen zwangsläufig nun viele Bildinformationen vom linken und rechten Rand. Auch muss es bei dieser Aktion so unscharf geworden sein. Außerdem ist der Ton zu leise, dafür verrauscht.
Tja, was für ein Jammer! Schon länger werden manche Vollbildfilme oben und unten beschnitten, um sie auf Breitbild zu trimmen. Dass aber mit "Bis zur letzten Patrone" (1958) und "Revolver diskutieren nicht" aus Breit- nun Vollbildfilme gemacht werden, in dem man sie aufzoomt und links und rechts beschneidet, ist mir neu. Als wäre es nicht schon genug, dass man gute Klassiker mit gewohnten, teils brillanten Stimmen nachträglich (und meist übel) neusynchronisiert, nur um sie auf eine höhere Dolby-Nr. zu hieven. Warum werden alte Filme in Bild und Ton teilweise so geschändet, anstatt mit ihnen respektvoll umzugehen? Entweder sitzen in manchen Entscheidungsebenen Hirntote oder bei der Digitalisierung und technischen Umsetzung auf DVD/Blu-ray sind Dilettanten am Werk!?
Aber der Film selber kann nunmal nichts dafür und so wünsche ich den dennoch Interessierten
viel Spaß und gute Unterhaltung!