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Es gibt Gangsterfilme und es gibt Gangsterfilme. "Rififi am Karfreitag" gehört zur Sorte: jawollja, dat wollma sehn, wa! Der Zuschauer wird hineingeworfen in die Londoner East Ends in einer Zeit als die Docks noch die ursprünglichen Docks waren, die IRA um Einfluß und Macht kämpft, die Mafia außerhalb Italiens fast nur in Amilanden tätig ist und die Englische Unterwelt sich die Gegend einvernehmlich aufgeteilt hat.

Harold Shand ist dabei ein großes Tier und hat seinen Laden im Griff. Hat er das wirklich? Der ein oder andere Bombenanschlag und kleine Morde unter Freunden lassen dann doch Zweifel an seiner Herrschaft aufkommen. Spielt ihm hier die IRA einen Streich und will ihm die Macht streitig machen? Wollen die Amis testen wie verlässlich er seine Bande im Griff hat und Probleme lösen kann? Oder sind es vielleicht sogar Verräter aus den eigenen Reihen die ihm den Chefposten (und sogar die Frau) streitig machen wollen? Harold verspricht immer wieder all dies zu klären - heute noch. Am Karfreitag. Es wird ein langer Karfreitag: "The long good friday", so der englische Originaltitel.

Die Musik ist einfach phantastisch gewählt und untermalt die Handlung in hervorragender Art und Weise - es ist einfach herrlich sich endlich wieder wohl zu fühlen im Einklang zwischen Plot und Score. Francis Monkman hat hier ganze Arbeit geleistet. Wieso legen selbst die angeblich besten Filme unserer heutigen Zeit so wenig Wert darauf? Die legendäre Fahrt des Harold Shand im Fond seines Jaguar mit fratzenverzerrtem Gesicht durch die Gassen, nur untermalt von der eingänglichen Titelmusik - ein Genuß sondersgleichen! Ja - so werden gute Filme gemacht! Mehr davon! Doch die Musik ist natürlich nur ein Baustein: Der Plot ist spannend, die Schnitte zackig und tempofördernd, die Schauspieler durch die Bank einfach erste Klasse - daß hier an den richtigen Stellen wohldosierte Action und auch ansatzweise Gore-Einlagen als Würze verwendet werden bringt das notwendige Salz in die Suppe ohne ebendiese zu versalzen.

Bob Hoskins, Helen Mirren, Derek Thompson und P.H. Moriarty sind die Hauptfiguren deren lobende Erwähnung obligatorisch ist - doch besonders nett ist sicherlich der junge Pierce Brosnan der stumm und still seine James-Bond-Gestik schonmal üben darf, damals noch in einer Mini-Rolle.

Zweifellos der beste Gangsterfilm aus englischen Landen einer ganzen Ära, wenn nicht sogar überhaupt die beste Genreproduktion die von der Insel zu uns rüberschwappte, mit einem phantastisch cleveren und ungewöhnlichen Ende dessen alleine es sich schon lohnt den Film anzuschauen.

(10/10)

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