„Das Ritual“ ist ein solider Voodoo-Thriller, der sich bemüht, dem Zuschauer auf Basis schon bekannter Zutaten einen angenehmen Nervenkitzel zu geben und mit einigen Wendungen in der Geschichte bei Laune zu halten. Er ist aber weit davon entfernt, wirklich großes Kino zu sein.
Der Film beginnt mit dem Tod der Mutter recht ansprechend. Dann können die Ritualmorde und der Hokuspokus der Haushälterin die Spannung noch steigern. Sobald sich die Sekte in ihrem vollen Umfang und in ihrer Motivation zeigt, ist der Höhepunkt des Films erreicht. Mit der Opferung in der alten Fabrik (toll, dass die Amerikaner selbst in Ruinen noch Strom in den Kabeln und Dampf in den Leitungen haben) und dem unsäglichen Ende baut der Film dann seinen guten Eindruck gleich wieder ab. Aber unterhaltend war es doch, und das ist, was zählt.
Mir gefallen an dem Film die Verwünschungen, die ein wenig an „Thinner“ erinnern. Gewürm im Eingeweide, eine Spinne, die aus der Wange schlüpft oder das Versagen aller Körperfunktionen sind ernst zu nehmende Gründe, sich mit bestimmten Religionsgemeinschaften nicht anzulegen. Die Bedrohung durch die Sekte, die mit wenig Einsatz so drastische Erfolge erzielt, ist von Schlesinger sauber eingefangen. Er liefert überhaupt eine recht ordentliche Regie ab.
Auch die Schauspieler sind klasse, auch wenn Martin Sheen in einigen Szenen etwas deplatziert wirkt. Nur der Junge ist nervig, aber das soll uns nicht soweit stören, dass wir uns darüber ärgern, dass er eben nicht geopfert wird.
Recht raffiniert sorgt der Film nebenbei dafür, dass man ein wenig über religiöse Toleranz lernt. Durch die Vorstellung von zwei Arten des Voodoo wirkt der sonst eher gruselige Hauptkult wie eine akzeptable Religion, die unter Verwendung obskurer Zutaten die selben Ziele verfolgt wie die anderen, „richtigen“ Glaubensformen. Aber ich denke, dass war nicht Schlesingers Anliegen. Er wollte nur Spannung erzeugen. Und das gelingt in weiten Teilen des Films.
Man kann diesen Film aber nach dem Konsum auch gerne wieder vergessen. Die DVD wird man sich nicht mehr oft ansehen. Dazu hätte es mehr Tiefe oder einer dichteren religiösen Stimmung bedurft. So bleibt leichte Unterhaltung mit 6 von 10 Punkten.