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Der britische Regisseur John Schlesinger (Der Marathon-Mann, Der Falke und der Schneemann) inszenierte diesen atmosphärischen Gruseltrip nach dem Roman "The Religion" von Nicholas Conde. Gerne wird "Das Ritual" nachgesagt hier ginge es um Voodoo, doch es steht die afroamerikanische Hauptreligion Kubas mit dem Namen "Santeria" im Mittelpunkt.
Der Polizeipsychologe Cal Jamison (Martin Sheen) zieht mit seinem Sohn Chris (Harley Cross) nach New York, um besser über den Tod seiner Frau hinweg zu kommen. Doch dort geschehen auf einmal grausame Ritualmorde. Auch der Undercover-Cop Tom Lopez (Jimmy Smits) der bei Cal in Behandlung war, wird auf einmal wahnsinnig und begeht Selbstmord. Die Spur führt zu einer mysteriösen Sekte, welche drei Kinder ihrem Gott opfern, um ein gewisses Ritual zu vollziehen. Auch Chris steht auf der Liste und befindet sich bald in Gefahr.


Gerade das Thema Voodoo war in den 80er Jahren sehr beliebt und die Thematik ist auch hier nicht unbedingt abwechslungsreich. Mit Cal wird wieder mal ein unwissender und auch ungläubiger Mensch mit einer Religion konfrontiert, die er erst nicht versteht und schließlich bekämpfen muss. Aber die Charakterisierung ist Schlesinger vortrefflich gelungen, besonders durch das überaus tragische Geschehen zu Beginn. Cal ist nun komplett auf sich allein gestellt und die Erziehung von Chris bereitet ihm einige Probleme. Schlesinger nimmt sich für seine Hauptcharaktere sehr viel Zeit. Einerseits gut, denn mit den glaubwürdigen Figuren lässt es sich mitfiebern, doch andererseits ist die Lovestory zwischen Cal und seiner Vermieterin Jessica Halliday (Helen Shaver) ein Bremsklotz. Auch der Haushälterin Carla (Carmen Ruiz) gesteht Schlesinger zu viel Screentime zu. Gerade in der ersten Halbzeit will so das eigentliche Thema nicht in die Pötte kommen, bedrohliche Momente sind eher rar gesäht. Doch das Ganze geht schon unter die Haut, besonders da hier Kinder geopfert werden. Informationen über das im Film vollzogene Ritual und dessen Sinn gibt es erst in der zweiten Halbzeit.


Und hier zieht Schlesinger nicht nur das Tempo an, sondern die spannenden Momente häufen sich, sowie die übernatürlichen Elemente. Diverse Horrorszenen wie der Selbstmord von Lopez oder auch die Spinnen welche aus Jessicas Backe krabbeln passen recht gut zum Geschehen. Und gegen Ende gibt es auch noch eine böse Überraschung, denn es sind auch Personen in diese Angelgenheit verwickelt, von denen man es nie gedacht hätte. Das brutale aber auch spannende Finale ist das eindeutige Highlight es Films und ein richtiges Happy End gibt es nicht. "Das Ritual" lässt den Zuschauer gekonnt mit einem unguten Gefühl sitzen.
Dabei liegt es auch eindeutig an den großartigen Darstellern, dass diese simple Formel gut aufgeht, denn mit Martin Sheen (Apocalypse Now, Departed - Unter Feinden), Helen Shaver (Tremors 2, Das Osterman Weekend), Robert Loggia (Lost Highway, Independance Day), Jimmy Smits (Tommyknockers, Kalifornia Nightmare) und Harris Yulin (Scarface, 12 Stunden Angst) hat man einen namhaften Cast verpflichtet. Herausragend ist Malick Bowens (Jenseits von Afrika, Outbreak) als Priester Palo. Seine Performance verursacht regelmäßig eine Gänsehaut.


Schlesinger lässt seinen Figuren einen enormen Freiraum, was gelegentlich zu kleinen Durststrecken führt. Erst in der zweiten Filmhälfte beschäftigt man sich ununterbrochen mit dem Wesentlichen, Schlesinger baut gekonnt eine bedrohliche Atmosphäre auf mit einigen Schockeffekten. Die glaubwürdigen Darsteller laden den Zuschauer von Anfang an zum Mitfiebern ein, obwohl der Plot nicht viel Neues bietet.

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