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Man muss nicht mit einer Beschleunigung von Null auf Hundert in drei Sekunden starten, um ans Ziel zu kommen, aber irgendwann sollte sich schon das Gefühl einstellen, dass man von der Stelle kommt. Wollte man John Schlesingers "The Believers" aka "Das Ritual" mit einer Autofahrt vergleichen, dann hat man leider das Gefühl man stehe im Stau und es gehe nur im Schritttempo voran.

Die deutsche Altersfreigabe mag zudem gewisse Erwartungen wecken, denen "Das Ritual" anno 2010 jedoch kaum noch gerecht werden dürfte. Zwar sind in die Handlung einige Ritualmorde an Kindern eingebettet, was für manchen Sittenwächter im Jahr 1987 wohl bereits per se ein rotes Tuch darstellte, doch kommt der Film innerhalb von rund 110 Minuten de facto mit sehr wenig expliziten Darstellungen von Blut und Gewalt aus (was keineswegs als zwangsläufig negative Kritik verstanden werden soll). Leider, ja leider sind auch jene erinnerungswürdigen Momente Mangelware, die man mit Spannung, Grusel oder auch einfach nur Atmosphäre in Verbindung bringen könnte.

Negativ in Erinnerung geblieben ist dagegen der Soundtrack, der in entscheidenden Momenten aus ziemlich lauten und schrillen Geräuschen besteht. Mag sein, dass dieser Kniff vor fast einem Viertel Jahrhundert noch klasse funktioniert hat, um dem Zuschauer eine gesteigerte Dramatik zu suggerieren. Wenn das Geschehen auf der Mattscheibe jedoch überwiegend langweilt, dann steigert diese Art der akustischen Untermalung lediglich den Nervfaktor.

Die Darstellungen von Voodoo-Praktiken bestätigen zumindest mal die Klischees, bzw. die Vorurteile, die man diesbezüglich als Laie so im Kopf hat und sind optisch recht ordentlich in die Handlung integriert, erfüllen rein unterhaltungstechnisch betrachtet ihren Zweck also ganz passabel. Allerdings sind auch diese Augenblicke eher dünn gesät und über weite Strecken wird die Thriller-Ebene überlagert von der Familien- und Beziehungsgeschichte des Protagonisten (ein reichlich unterforderter Martin Sheen in der Rolle des Polizeipsychologen Cal Jamison). Gerade hier strotzt die Inszenierung nur so von Plattheiten innerhalb von tausendmal gesehenen Standardsituationen, was sich immer wieder auch an den floskelhaften Dialogen zwischen Cal und seiner Ollen zeigt ("Du siehst bezaubernd aus, Schatz!"). So wirkt "Das Ritual" oft wie ein oberflächliches Familiendrama, was vom Drehbuch her wohl kaum so vorgesehen war.

Das Tempo steigert sich auch zum Schluss hin nur unwesentlich, was in einem eher bescheidenen Showdown gipfelt und an den man noch einen vermeintlich verblüffenden, tatsächlich ziemlich läppischen Schlußtwist gehängt hat. Zusammenfassend kann man sagen, dass "Das Ritual" sich narrativ und dramaturgisch auf einem Niveau bewegt, welches Mitte der 80er vielleicht noch für passable Unterhaltung hinreichend war. Heutzutage jedoch kauft jede halbwegs ordentlich inszenierte Episode einer TV-Serie im Thriller-Segment John Schlesingers Flick den Schneid ab.

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