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Man nehme das Handlungsgerüst eines x-beliebigen Slasherfilmes, ersetze den Killer durch drei durchgeknallte Sicherheitsroboter, lasse das Ganze nachts in einem Shopping-Center stattfinden, et voilà... fertig ist Chopping Mall, Jim Wynorskis zweiter Spielfilm nach dem im Jahr zuvor entstandenen The Lost Empire. Unter den acht Teenagern, deren Party plötzlich von mörderischen Killbots gecrasht wird, befinden sich neben diversen No-Names auch die beliebten Schauspielerinnen Kelli Maroney (Night of the Comet) und Barbara Crampton (Re-Animator und From Beyond).
Der am 14. August 1950 geborene Fließband-Filmer Jim Wynorski hat mit Chopping Mall ein flottes, knackiges B-Movie vorgelegt, dessen vorrangiges Ziel es ist, 76 Minuten Unterhaltung, Spaß und gute Laune zu verbreiten. Der billige Streifen (produziert übrigens von Roger Cormans Frau Julie) ist dank Wynorskis lockerer Inszenierung extrem kurzweilig und keine Sekunde zu lang. Was den Film aus der Masse heraushebt, sind sowohl seine Pro- als auch seine Antagonisten. Die Teenager sind zum überwiegenden Teil sehr sympathisch und benutzen - man mag es kaum glauben - sogar ihr Gehirn! Sie lassen sich nicht einfach widerstandslos abmurksen, sondern bewaffnen sich, durchdenken die Situation, und verkaufen ihre Haut so teuer wie möglich. Auf der anderen Seite brillieren die drei kleinen, mit hochmodernen Waffen ausgerüsteten Roboter, die ständig durch die Gänge rollen, Rolltreppen ebenso benutzen wie Lifte, und denen nichts zu entgehen scheint. Angesichts des geringen Budgets (ca. achthunderttausend Dollar lt. Imdb) muß man vor Wynorski und dem für die Spezialeffekte und die Killbots zuständigen Robert Short einfach den Hut ziehen. Die beiden schaffen es, die klobigen Roboter tatsächlich gefährlich erscheinen zu lassen, und wenn diese Menschen rösten, abfackeln oder durch einen gut gezielten Laserschuß einen Kopf zum Platzen bringen, nur um danach mit einem trockenen "Thank you! Have a nice day!" abzudrehen, dann funktioniert das einfach, und man ist gewillt, es zu glauben, allen Widersprüchlichkeiten zum Trotz. Ausgesprochen nett ist auch die Idee, daß es im Shopping Center ein Tiergeschäft gibt; so konnte man eine schöne Szene einbauen, in der die Hauptdarstellerin von Spinnen und Schlangen belästigt wird. Barbara Crampton lüftet ebenso ihre Bluse wie eine silikonbestückte Blondine, was - wie der Genrekundige weiß - ihre Überlebenschancen drastisch verringert. Für die Fanboys hält Wynorski etliche In-Jokes und Anspielungen bereit. So zieren die Wände der Cafeteria Poster von Corman-Produktionen wie Galaxy of Terror, Forbidden World und Barbarian Queen, während im Fernsehen der unsterbliche Attack of the Crab Monsters läuft. Dick Miller hat einen schönen Auftritt in seiner Paraderolle als Walter Paisley (aus A Bucket of Blood), und auch das Wiedersehen mit Paul und Mary Bland (Paul Bartel und Mary Woronov aus Eating Raoul) macht Freude. Ein Waffengeschäft heißt passenderweise Peckinpah's Sporting Goods, und den Robotern leiht Regisseur Wynorski selbst seine Stimme. Ein Wörtchen mitzureden hatte auch die MPAA: die Szene, in der eine Frau lebendig verbrennt, stieß auf Mißfallen und mußte stark gekürzt werden. Tatsächlich tanzt diese Todesszene völlig aus der Reihe und paßt so gar nicht zur generellen Fun-Stimmung des Filmes. Daß es das amüsante Wortspiel des US-Titels nicht nach Deutschland geschafft hat, finde ich sehr schade. Einen derart einfallslosen Titel wie Shopping hat sich dieses nette, sympathische und irgendwie kultige B-Movie nun wirklich nicht verdient.

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