Review
von Hellhammer
Die teils schlechten Rezensionen zu dieser Verfilmung von "Die Farbe aus dem All" erschließen sich mir nicht ganz.
Der Film baut bis eine halbe Stunde vor Schluss ordentlich Atmosphäre auf - freilich auf einem schmalen Grad zwischen ernsthaftem Horror-FIlm und Trash wobei er aus meiner Sicht nicht in letzteren abrutscht und immer noch die Kurve bekommt.
Auch halte ich viele Effekte - leider nicht alle (aber dazu später mehr) für gelungen.
Unter den Darstellern haben mich gerade die beiden jüngeren Kinder begeistert, was eine seltene und beachtliche Leistung für Kinderdarsteller ist. Ich kann hier nur ehrlich den Hut ziehen.
Die drei dicken und brutalen Bauern sind Geschmackssache und eben vom Drehbuch brutal, fanatisch und eher böse angelegt. Für meinen Geschmack etwas arg eindimensional aber der Unterhaltung tut es keinen Abbruch. Ambivalent fand ich die weibliche Hauptrolle - und im letzten Drittel auch deren Maske, die ich für nicht gelungen halte und die dem Film definitiv geschadet hat. Sympathisch aber naiv kommt ebenfalls auch der Arztdarsteller daher - bleibt aber vom Drehbuch her eher blass.
Diese Verfilmung setzt im Gegensatz zur aktuellen von 2019 (psychedelisch) und der deutschen Verfilmung (klassisch/impressionistisch + gute Musik) eher auf Ekelszenen - was aber mit der Vorlage auch vereinbar ist. Dies wird konsequent auf schleimig-glibbrig Art und ganz typisch für die 80er umgesetzt. Gerade der Schluss hat mich optisch stark an das Remake von der Blob erinnert (was gut ist- ich schätze alle Verfilmungen um das Glibbermonster). Die Masken sind leider auch 80er gummiemäsig und sehr einfach und billig - letztendlich keine gute Wahl. Nur die Schlussform des weiblichen Monsters war aufwendig und wusste zu begeistern.
Hier wird aus meiner Sicht ein recht ausgewogenes Verhältnis gefunden zwischen dem optischen und psychischen Verfall der Familie. Auch der Versuch der Kinder sich gegen, die sie misshandelnden Erwachsenen zu wehren ist gelungen und eröffnet sogar eine tiefere Interpretationsebene. Gerade bei dem auf den ersten Blick teils trashig wirkenden Schlusskampf ist dieser Interpretationsansatz immanent. Wenn der prügelnde Bauer vom immer misshandelten Jungen den Gnadenstoß mit der Mistgabel bekommt haben wir es mit einer Emanzipation des Jungen von seinem Peiniger zu tun. Das Motiv des Schlagens und des Misshandelns spielt während des ganzen Films eine Rolle und ist mit Sicherheit vom Drehbuch auch so angelegt um hier auch eine Entwicklung zu zeigen. Diese mag etwas oberflächlich verlaufen ist aber letztendlich viel mehr als ich von diesem Film erwartet hatte im positivsten Sinne.
Die Kometenszene dagegen war z.b deutlich schlechter als in der deutschen Verfilmung, die hier unter anderem geglänzt hat. Die Verfilmung hat definitiv auch ihre Schwächen; sowohl beim Drehbuch, einigen Darstellern als auch bei manchen Effekten - was evtl. dem Budget geschuldet ist, aber mehr vielleicht noch Zeitdruck und etwas mehr Detailliebe.
Aus meiner Sicht (Kind der 80er) kann die Verfilmung aus der Nostalgiebrille betrachtet aber durchaus mit der ebenfalls guten Verfilmung von 2019 mithalten. Beide müssen sich aus meiner Sicht aber der deutschen Verfilmung geschlagen geben -diese macht einfach auf mehr Ebenen (Ton, Tiefgründigkeit, Atmosphäre...) mehr richtig.
Von mir gibt es zufriedenstellende 6,5 Punkte und eine Empfehlung (ganz speziell für Lovecraft und 80er Fans) dem Streifen eine Chance zu geben.