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kurz angerissen

You heard this bullshit about the cartels buying up the housing blocks?“ - Ob mit dem Kartell die Produzenten von Netflix gemeint sind? Wie eine abgeriegelte Kulisse jedenfalls wirkt die Sackgasse mit Wendekreis in dem suburbanen Wohnviertel, in der sich zu nächtlicher Unzeit eine Geldzählung abspielt, die nahezu die komplette Handlung von „The Rip“ vereinnahmt. Eine leblose Spielstätte mit den abgesteckten Grenzen einer Theaterbühne, in der das Rampenlicht ganz bewusst auf das prominent besetzte Einsatzkommando gerichtet ist, während so ziemlich alles andere drumherum buchstäblich im Dunkeln bleibt.

Dass wir da Matt Damon und Ben Affleck in den führenden Rollen präsentiert bekommen, deren langjährige Freundschaft durch Hollywoods Folkloresammlung fest verbrieft ist, geht wohl kaum als zufällige Begebenheit durch. Gerade dieses Vorwissen des Zuschauers um den privaten Hintergrund wird als zusätzliche Verwirrtaktik in einem psychologischen Spiel genutzt, in dem jeder Zug danach ausgerichtet ist, ob eine Spielfigur der anderen in der jeweiligen Situation ver- oder misstraut.

Die Darsteller verpflichten sich durch diesen minimalistischen Ansatz zu einem Höchstmaß an schauspielerischer Intensität, das nicht alle Nebendarsteller auf dem Niveau der beiden Leads erreichen, obwohl mit Steven Yeun, Scott Adkins und Kyle Chandler durchaus weitere etablierte Namen mit an Bord sind. Das Skript indes wird durch den Fokus auf das Figurenmaterial zu einem gewissen Maß an situativer Komplexität gezwungen, mit der am Ende der Fahnenstange vor allem eines erreicht werden soll: Suspense. Geliefert wird das Gewünschte letztlich im moderaten Maß. Eine gut gerührte Mischung aus stechenden Musterungen und Unschuldsmienen mündet da in einen Mexican Standoff der aufeinander gerichteten Blicke; in die Luft steht geschrieben, dass es jederzeit zum Ausbruch kommen kann.

Dass der Ausbruch nie in dem Umfang stattfindet, wie man sich das als Zuschauer vielleicht wünscht, hat wohl auch damit zu tun, dass der Streaming-Riese im Hintergrund seine Abonnenten auf klein skalierte Produktionen konditioniert hat, in denen der Name der Stars auch schon das Größte ist. Die Vielschichtigkeit des Szenarios bleibt ein Schein im verschwörerischen Halbdunkel. Wenn schließlich doch noch pflichtbewusst der Action-Anteil nachgereicht wird, dann fehlt der spürbare Druckabfall, die Erlösung, der Moment des Ausatmens, mit dem bewiesen gewesen wäre, dass das vorangegangene Katz- und Mausspiel eines der wirklich raffinierten Sorte war... anstatt bloß schale Routine, die für das Gespann Damon / Affleck dann doch ein oder zwei Nummern zu klein ist.

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