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Wenn manche sich an den Brüsten nippeln und andere mit den Nippeln brüsten, steht oft ein philippinischer Thriller Pate, der mehr auf nackte Haut denn Spannung setzt. Der „erotische Horrorthriller“ von Regisseur Carlo Alvarez scheitert nicht an seiner Besetzung, sondern der zähen Umsetzung.

Jessie birgt ein jahrelanges Geheimnis mit sich: Regelmäßig datet er Frauen in einem abgelegenen Restaurant, wonach er sie daheim seinem missbräuchlichen Stiefvater Bernard überlässt. Kann das Date Eula die Todesreihe stoppen?...

Der Aufbau gestaltet sich als grundlegendes Problem. Anstatt chronologisch vorzugehen, den potenziellen Opfern einen Werdegang einzuräumen und somit auch an ihrem Schicksal teilzuhaben, dreht es sich eine halbe Stunde lang ausschließlich um die jeweiligen Zweiergespräche. Im Zeitraum von 1997 bis 2002 steht jenes Restaurant als Lokalität zur Verfügung, mit dem eklatante Logiklöcher einhergehen.

Wer eröffnet denn ein geheimes Restaurant, um ausschließlich Frauen in die Falle zu locken und gleichermaßen jedes Gericht der Speisekarte kredenzen zu können? Und das bleibt über Jahre unentdeckt? Immerhin wundern sich die jeweiligen Damen, stets die einzigen Gäste zu sein. Allerdings entwickelt sich nur in Nuancen eine leichte Chemie zwischen Jessie und den potenziellen Opfern, - ist ein Typ nicht bereits suspekt, wenn er fett den Namen seiner Mutter im Halsbereich tätowiert hat?

Erst nach einer geschlagenen halben Stunde ereignen sich mal Ansätze im Bereich ungewollten Geschlechtsverkehrs, was allerdings nicht so drastisch bebildert wird, um direkt das Rachemesser auspacken zu wollen. Zumindest nicht sofort. Der reißerische Titel deutet eher auf Folter oder gar ein langes Martyrium hin, was komplett in die Irre führt. Insgesamt kommen die Gewalteinlagen nicht über einen angedeuteten Kehlenschnitt und einen zertrümmerten Schädel (als Ergebnis) hinaus.

Doch auch zum finalen Akt gibt es keine dramaturgische Steigerung, was nicht zuletzt auf den eindimensionalen Score zurückzuführen ist, bei dem bereits seit einer Stunde nahezu permanent dumpfe Streicher die Untermalung dominieren.
Keine Temposteigerung oder gar Action, wieder nur Andeutungen und grobe Schnitte und eine Genugtuung, die viel zu harmlos ausfällt.

Immerhin sind sämtliche Mimen engagiert, es gibt keine Totalausfälle und in Sachen Erotik kann man etwa der Hälfte der Darstellerinnen eine natürliche Sinnlichkeit attestieren, - bei der anderen sind wenigstens die Hupen aufgepumpt. Ein notweniges Knistern kommt indes nicht zustande, zumal manche bereits vollends abstöhnen, obgleich noch die volle Kleidung anliegt, während anderweitig blöde Dialoge jede Ernsthaftigkeit rauben: „Zieh deinen Slip aus!“ – „Willst du dran riechen?“ (kurze Grübelpause) „Ähm, vielleicht später.“

„Tortured“ macht seinem Titel wahrlich keine Ehre, eher bezieht sich dies auf den Eindruck eines gelangweilten Zuschauers, der etwas anderem als lahmen Dates beiwohnen möchte.
Da es selbst zum Showdown kaum einen nennenswerten Spannungsaufbau gibt, reiht sich dieser philippinische Beitrag unter jenen ein, die man getrost auslassen kann.
3,5 von 10

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