Vier Jahre nach dem ersten „Deathstalker“ erschien ein Sequel zu dem „Conan“-Rip-Off, erneut von Roger Corman produziert, allerdings mit neuem Hauptdarsteller und neuem Regisseur.
Deathstalker (John Terlesky) ist nun auch eher Hallodri in Swashbuckler-Tradition, der erst eine holde Maid küsst und danach keck ein Artefakt der Zauberin Sultana (Toni Naples) aus einem Tempel mopst. Parallel dazu hat Seherin Reena (Monique Gabrielle) ebenfalls Stress mit Wachen, allerdings der Garde des Königs. Sie hatte dem Regenten zwar korrekt vorhergesagt, dass seine Frau bald ein Kind erwarte – dummerweise ist es nicht seins. War „Deathstalker“ bereits ironisch angelegt, so macht „Deathstalker II“ schnell klar, dass hier noch viel mehr und deutlich offener gewitzelt werden wird.
Deathstalker rettet Reena vor den flegelhaften Wachen und will danach eigentlich nur in der Taverne Party machen, lässt sich aber von Reena zu neuen Abenteuern überreden, als diese ihm einen glorreichen Sieg über den Schwarzmagier und Schwertmeister Jarek (John Lazar) prophezeit. Was Reena ihm nicht sagt: Sie ist eigentlich die Prinzessin des von Jarek okkupierten Königreichs, der sie durch eine Doppelgängerin ersetzt hat. Die personellen Verstrickungen gehen aber noch weiter: Sultana und Jarek sind Schwarzmagierkollegen, die von der Mission Deathstalkers Wind kriegen und nun ihre jeweiligen Feinde ausschalten wollen.
So ziehen Deathstalker und Reena also in Richtung von Jareks Königreich los, während diese ihnen einen einäugigen Piraten (Marcos Woinsky) hinterherschicken. Das ist doch nicht die einzige Gefahr auf diesem Quest…
Nicht nur vom Inhalt, der keinerlei Bezug zum Vorgänger nimmt, sondern auch von der Besetzung und der Grundausrichtung her ist „Deathstalker II“ eigentlich nur dem Namen nach ein Sequel. So besitzt der Film deutlich mehr Swashbuckler- und Screballelemente, wenn sich Deathstalker und Reena käbbeln, wobei der flotte Filou natürlich erst vollkommen blind für ihre Avancen ist. Auch ein paar visuelle Gags hat Regisseur Jim Wynorski parat, etwa wenn Reena durch das magische Gemäuer Jareks schleicht und an verschiedensten Stellen wieder im Bildkader erscheint. Selbstironische Gags und Verweise gibt es immer wieder, etwa wenn Deathstalker meint, dass er eine Legende werden könne, genau wie Conan. An einer anderen Stelle ist Deathstalker unter einem scharfen Pendel gefangen wie in Edgar Allan Poes „The Pit and the Pendulum“ (von Roger Corman höchstselbst in den 1960ern verfilmt), wobei Sultana den „I expect you to die“-Spruch aus „Goldfinger“ zitiert. Begrenzt für den Comedy-Effekt und eher zum Geldsparen ist die Verwendung von Stock Footage aus dem Vorgänger, vor allem aus dessen Kneipenszenen. Als Sparfüchse benutzten Wynorksi und Corman zusätzlich Außenaufnahmen des Schlosses aus Cormans „The Terror“ wieder. Auch der manchmal genutzte Untertitel „Duel of the Titans“ dürfte eher dreister Klau denn gut gemeintes Zitat sein.
Der Plot von der Rückeroberung des geklauten Königreichs ist dabei wenig mehr als eine dünne Folie für diverse Set Pieces, bei denen man auch nicht immer mit logischen Fragen weiterkommt. Etwa wenn der Pirat die Reisenden Deathstalker und Reena verfolgt, anschließend in einer Pinte (in der Stadt aus der Anfangsszene?) Sultana Bericht erstatten kann und dann mit seinen Henchmen (einer davon Consultant für den Hunnenkönig Attila) einen Hinterhalt auf der Route legt, dann hinterfragt man die räumliche Machbarkeit des Ganzen besser nicht. Aber bei allem Unsinn hat „Deathstalker II“ wesentlich mehr Drive als sein Vorgänger, hält sich nicht zu lang mit der (immer noch vorhandenen) Fleischbeschau bei den weiblichen Figuren auf und hat stetig neue Abenteuer parat, vom Zombieangriff auf einem Friedhof bis hin zu einer Begegnung mit Amazonen, bei der Deathstalker ein Wrestling-Match gegen deren Chefringerin überstehen muss – komplett mit Boxring und angespieltem „Rocky“-Theme im Hintergrund.
Auch die Schwertkampf- und Prügelaction ist besser choreographiert als beim Vorgänger, was vor allem dem Showdown zwischen Deathstalker und Jarek zugutekommt. Ganz auf dem Niveau des Vorbilds „Conan“ ist das natürlich nicht, aber von Stunt Coordinator Arturo Noal im Rahmen des B-Budgets halbwegs ansprechend in Szene gesetzt. Hinzu kommt ein Hinterhalt, bei dem Deathstalker und Reena mit explosiven Pfeilen beschossen werden, was für nette Pyro-Effekte sorgt, während man sich Sachen Masken und Gore weniger zu sehen bekommt als beim Vorgänger. Erneut tauchen Schweinemenschen auf (und das nicht nur im Stock Footage), die Zombies sind hübsch ekelig anzuschauen und zumindest Jareks Sterbeszene am Ende ist einigermaßen blutig, aber das war es auch – das Fehlen eines John Carl Buechler macht sich da schon bemerkbar.
Hauptdarsteller John Terlesky graduierte später mit etwas Schützenhilfe von Jim Wynorksi selbst zum B-Actionregisseur, ist aber auch als Schauspieler der Low-Budget-Klasse keine schlechte Wahl. Sein Deathstalker-Ansatz, der mehr tongue in cheek ist, wirkt charmanter als die leicht tumbe Darstellung Rick Hills. Auch Monique Gabrielle mag keine großartige Schauspielerin sein, ist in der Doppelrolle als naive Seherin und vampirisches Double aber mit Spielfreude und ansteckendem Elan bei der Sache. John Lazar als Fiesling ist ebenfalls einigermaßen charismatisch und auch Toni Staples geht in Ordnung. Der Rest vom Fest hat wenig zu vermelden, außer vielleicht Maria Socas als Amazonenkönigin, deren Zelt Deathstalker in Rekordzeit verlässt, als er hört, dass sie ans Heiraten denkt.
Auch „Deathstalker II“ hat keinen nennenswerten Plot und ist teilweise sichtbar unterfinanziert, doch der selbstironische, komödiantische Ansatz macht den Film zu einem der erfrischendsten Beiträge der „Conan“-Rip-Off-Welle, zumal dahintersteckende Fabulierfreude zu merken ist. Es gibt brauchbare Action, nette Tricks, ein okayes Ensemble und gelungene Gags – für einen Wynorksi-Film ist das alles schon ziemlich gut und temporeich.