Man muss kein ausgewiesener Tierschützer sein, um spätestens beim optimalen Zubereiten eines Hummers in Zwiespalt zu geraten: Er sollte noch lebend ins Kochwasser gegeben werden. Auf einen weiteren Fakt macht vorliegender Meereshorror eher am Rande aufmerksam, da Fischtaucher in Zentralamerika aufgrund mangelnder Technik gnadenlos ausgebeutet werden und mit schweren gesundheitlichen Nebenwirkungen zu kämpfen haben. Dies ist zumindest eine Begründung für das Treiben paranormaler Aktivitäten.
Vier Meeresbiologen um Buck heuern auf einer alten Yacht in Honduras an, um erstmalig der Geburt eines Walhais mit Kameras beizuwohnen. Doch bereits beim ersten Tauchgang erspäht man mehr als nur einen ungewöhnlich großen Schwarm an Haien…
Der Titel suggeriert ja bereits eine Tendenz, die sich außerhalb der üblichen Bedrohung durch Haie bewegt: Geisterhafte Zombietaucher. Um den Erwartungen in Richtung Tierhorror dennoch ein wenig gerecht zu werden, gibt es innerhalb der Exposition vier ominöse Gestalten, die ihren jeweils letzten Atemzug in Anwesenheit von Haien tätigen und eine Bedrohung am Rande bilden selbige im Verlauf überdies.
Die Figurenkonstellation mit den lediglich sechs relevanten Figuren bleibt überschaubar, mithilfe knapper Hintergrundinformationen und kleiner Rückblicke erhalten die wesentlichen Charaktere eine taugliche Basis, während anderen mindestens ein Geheimnis anhaftet, was sie nicht minder interessant erscheinen lässt. Zumindest gibt es somit drei, vier Sympathieträger.
Als kleine, finstere Vorzeichen erscheinen nicht nur eindringliche Warnungen eines Einheimischen, sondern ein ungewöhnliches Szenario in Strandnähe, als man dort ein Feld mit Holzkreuzen passiert, auf dem kollektiv einheimische Taucher bestattet sind.
Beim Tauchen offenbaren sich indes weitere Gefahren, die eben nicht nur von den natürlichen Meeresbewohnern ausgehen.
Speziell die Unterwasseraufnahmen leben von vielen Perspektiven, von einer optischen Vielfalt, aber auch vom zumeist effektiven Timing, sobald sich eine konkrete Bedrohung hinzugesellt. Bestimmte Verhaltensweisen, wie einen Hai vorsichtig mit der Hand am Maul von der eigentlichen Route abzulenken, zeugen von erprobten Erfahrungswerten und auch die aufkommende Panik unerfahrener Taucher bei längerem Aufenthalt in der Tiefe ist nachvollziehbar. Und dann sind da ja noch die Geister.
Jene offenbaren sich eher im Hintergrund, erinnern entfernt an Wasserleichen und handeln weitgehend schleichend. Entsprechend gibt es weniger Jump Scares denn atmosphärische Einschübe, welche im Verlauf jedoch dringlichere Konsequenzen mit sich bringen, was gegen Finale fast ein wenig drüber erscheint. So wirklich schlüssige Erklärungen werden zwar bis zuletzt nicht geliefert, doch bei vermeintlich aggressiven Haien hat dies bislang auch kaum eine Rolle gespielt.
Letztlich lebt der Wasser-Thrill von seiner überzeugenden Optik, ein paar durchaus spannenden Passagen, aber auch vom stimmungsvoll abgestimmten Score und den durchweg überzeugenden Mimen. Etwas weniger Hektik beim Schnitt und ein paar Nahaufnahmen weniger hätten dem Treiben zwischenzeitlich ein wenig mehr Übersicht verschafft und die großen, storytechnischen Twists bleiben aus, doch wer nach etwas Abwechslung auf und vor allem unter Wasser sucht, dürfte trotz leichter Überlänge von 108 Minuten auf eine solide Grundlage stoßen.
6,5 von 10